Schauspielhaus Bochum: "Träum weiter"

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Olaf Kröck. Foto: Knotan
 
Olaf Kröck im Botanischen Garten Bochum. Foto: Knotan.
Bochum: Schauspielhaus | Intendant Olaf Kröck über seine Art des Theatermachens:

Schauspielhaus-Chef Olaf Kröck hat den coolen Revier-Spruch „Träum weiter“ über seine 298-Tage-Intendanz am Schauspielhaus gestellt. Und seine ganze Spielzeit in einen genauso benannten Abreiß-Kalender gepackt – sozusagen „für zuhause zum Aufhängen“: Jeder abgerissene Tag-Zettel ein Versprechen auf Theater von der Antike über die Klassik bis zur Gegenwart. Darunter 25 Theater-Neuproduktionen, Liederabende (auch die Uraufführung „Träum weiter“ im Februar 2018), Lesungen und Events. Mit originellen Sprüchen, poetischen Zitaten, Zeichnungen und intensiven Fotos: Schauspieler und Theatermacher zwischen exotischen Pflanzen, Bäumen, Kakteen und Blumen. Im herrlichen Grün des Botanischen Gartens liebevoll gehegt und gepflegt: Bochums Refugium für seltene Pflanzen, Tiere und – Weiter-Träumer. Nicht nur andauernd weiter sondern auch weitergehend...

Frage: Eine Spielzeit so kompakt und optisch so ansprechend in einen originellen Kalender zu packen – war das der Dramaturg in Ihnen?

Olaf Kröck: Theater braucht Öffentlichkeit. Inhalte auch ästhetisch interessant zu gestalten reizt mich immer. Theater findet nur statt, wenn Menschen zuschauen, zuhören und miterleben. Wir wollten natürlich neugierig auf die neue Spielzeit machen!

Die Eröffnung feiern wir an drei Tagen mit drei Premieren: Donnerstag, 21. September "Volksverräter" nach Ibsens „Volksfeind“, Roland Riebeling als Stockmann in der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer. Da wir das Foyer neu gestaltet haben, starten wir schon gegen 18.45 Uhr mit der Eröffnung des Theatervorplatzes und einer Installation der Künstlerin Cordula Körber, mit deren Werken es im Foyer weitergeht. Pünktlich halb Acht dann „Vorhang auf!“ im Schauspielhaus, nach der Eröffnungspremiere geht´s mit einem Konzert von Islam Chipsy & EEK aus Kairo im Foyer weiter! Für die Premieren-Zuschauer ist das Konzert inklusive.

Am Freitag dann präsentieren wir mit „Wir müssen reden“ als Uraufführung im Theater Unten eine Stückentwicklung von Laura Naumann und Anna Fries. Das Zitat im Kalender dazu sagt mehr, als ich erklären könnte: „Andere Liebespaare kommen auch miteinander zurecht. Nur wir nicht.“.

Und schließlich am Samstag 23.9. schon ab 11 Uhr „Das Fest“ mit Frühstück auf dem Theatervorplatz. Abends ab 19.30 Uhr Schillers „ Maria Stuart“ mit Johanna Eiworth in der Titelrolle und Bettina Engelhardt als Elisabeth. Schillers Satz: „Man kann den Menschen nicht verwehren zu denken, was sie wollen.“ ist zeitlos. (Regie: Heike Götze). Zur öffentlichen Premierenfeier laden wir ebenfalls herzlich ein.

In Sachen Arbeitsbedingungen sind Sie derzeit mit ihrer Entscheidung, samstagvormittags auf Proben zu verzichten, bundesweit in den Theater-Charts. Auch als Gastgeber für das neue „Ensemble-Netzwerk“, das sich für gleiche Bezahlung von Schauspielerinnen und Schauspielern und bessere Arbeitsbedingungen für alle einsetzt. Kann sich ein Intendant unter chronischem Dauer-Sparzwang so was Mutiges leisten?

Olaf Kröck: Gleiche Bezahlung bei vergleichbaren Rollen für Männer und Frauen, das haben wir hier eigentlich schon immer so gehalten. Und samstags probenfrei ist ein alter Schauspieler-Traum: Denn die wollen auch mal am Wochenende mit ihren Kindern frühstücken. Aber Sie werden lachen, inzwischen haben sich schon einige Kollegen darüber beschwert, weil dadurch die geprobten Wiederaufnahmen der Repertoire-Stücke erst etwas später in der Spielzeit zurück ins Programm kommen... Und in Sachen Ensemble-Netzwerk: mit Lisa Jopt haben wir ein sehr aktives EN-Mitglied in unserem Haus. Da war es naheliegend, das Bochumer Theater für deren Tagungen zur Verfügung zu stellen: Junge Schauspielerinnen und Schauspieler sind immer weniger bereit, aus Karrieregründen auf ein Privatleben zu verzichten. Sie wollen auch Kinder selbst großziehen können und für die Zeit ihres Engagements an einem Theater finanziell auf einigermaßen soliden Füßen stehen. Wir machen das jetzt so, wie es eigentlich überall sein sollte.

Selbst der Titel ihrer eigenen Inszenierung „Time To Close Your Eyes“ hört sich nach Träumen an? Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?

Olaf Kröck: Es gibt nur noch ganz wenige Tabus. Eines ist der eigene Tod. Mir ist vor einiger Zeit ein Zeitungs-Artikel aufgefallen, der das Sterben sehr klar auch als biologischen Prozess beschrieben hat. Das hat mich sehr bewegt. Jeder wird das einmal durchmachen. Oder erlebt in seinem Umfeld Sterbende. Die meisten sind nicht darauf vorbereitet. Die FHS Dortmund hat eine „spirituelle Patienten-Verfügung“ entwickelt. Wir kennen meist nur die üblichen, die sich mit den medizinischen Notwendigkeiten beschäftigen. Wie wir aber unsere letzten Stunden verbringen wollen, das kann man in dieser „spirituellen Verfügung“ festlegen, es geht um emotionale und atmosphärische Fragen. Auch um das, was man dabei nicht will. Musik und Gesang sind emotionale Zugänge und spielen daher auch in meiner Inszenierung eine Rolle, das Vocal-Ensemble SLIXS wird uns unterstützen. Schlaflieder sind oft das erste was ein Baby hört: „Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt.“ Ich hab mich als Kind immer gefragt, „Was ist, wenn Gott nicht will?“. Sterben und Schlafen - darum geht es in dieser Produktion, die am 4. April 2018 in den Kammerspielen Premiere hat.

Vielen Dank, Olaf Kröck, für das interessante Gespräch und Toi,Toi,Toi schon mal für morgen und die ganze Saison.


Zur Person:

Olaf Kröck, Intendant Schauspielhaus Bochum: *1971 in Viersen. Studierte Angewandte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim, war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien- und Theaterwissenschaft. 2000 Künstlerische Leitung des 3. europäischen Theaterfestival „transeuropa“ in Hildesheim. 2001-2004 Schauspiel-Dramaturg und Künstlerischer Leiter der Experimentierbühne „UG“ am Luzerner Theater. 2005-2010 Dramaturg am Schauspiel Essen. In dieser Zeit auch Hörspiel-Regie „Deadline“ von Rimini Protokoll (2008) und „Flüchtlinge im Ruhestand“ von Mirjam Strunk (Ursendung 2010 bei 1Live/WDR). Ab 2010 Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, 2013 bis 2017 Chefdramaturg. 2013/2014 Künstlerische Ko-Leitung bei „Das Detroit-Projekt“. Für die Spielzeit 2017/ 2018 Intendant des Schauspielhauses Bochum.
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