Schauspielhaus und Hildegardis-Gymnasium kooperieren

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Schuldirektor Werner Backhaus (links) und Schauspielhaus-Intendant Anselm Weber unterzeichnen den Kooperationsvertrag.

Werner Backhaus, Direktor des Hildegardis-Gymnasiums am Stadtpark, hat ein besonderes Ereignis zu vermelden: Die zuständigen Gremien seiner Schule haben sich einstimmig für „Spot“, eine besondere Kooperation mit dem Schauspielhaus, entschieden.

Einstimmigkeit ist bei solchen Entscheidungen die absolute Ausnahme. Backhaus erinnert sich: „Ein Vater aus der Schulpflegschaft sagte zu mir, er bedaure es, nicht selbst noch einmal Schüler zu sein.“
Dass Klassen oder Kurse gemeinsam ins Theater gehen, wenn sie das betreffende Stück gerade im Deutschunterricht besprechen, ist nicht Neues. Was jetzt aber mit „Spot“ vertraglich besiegelt worden ist, hat eine andere Qualität.
Intendant Anselm Weber ordnet das Ganze ein: „Eine Kooperation dieser Art ist selten. Das Schauspielhaus öffnet sich, wie es das schon mit der Flatrate für Studierende getan hat. Das ´Junge Schauspielhaus´ und ´Schulen in Bewegung´ bieten Jugendlichen Möglichkeiten, als Zuschauer und Akteure Zugang zum Theater zu finden.“
Regisseurin Martina van Boxen, die das Junge Schauspielhaus leitet, lobt das besondere Engagement des Hildegardis- Gymnasiums: „Unser Ziel ist eine intensivere Kooperation mit einzelnen Schulen. Da wir mit Franziska Rieckhoff mittlerweile eine Theaterpädagogin beschäftigen können, ist es uns möglich, den Schulen ein entsprechendes Begleitprogramm zu bestimmten Inszenierungen zu bieten.“
Die Grundidee von „Spot“ ist einfach: jedem Schüler ein Theatererlebnis pro Schuljahr zu ermöglichen. Die Kinder aus dem fünften Jahrgang werden „grimmsklang“ im Theater Unten ansehen. In einem darauf abgestimmten Workshop beschäftigen sich die Schüler mit typischen Märchenklischees.
Die Achtklässler haben ihr Theatererlebnis bereits hinter sich. Rieckhoff erläutert: „Ich gehe in jeden Kurs und führe einen Workshop zum Stück ´norway.today´ durch.“
Das Schauspiel des SchweizerDramatikers Igor Bauersima behandelt das Thema Suizid. „Da war es gut, die Möglichkeit einer Nachbesprechung zu haben. Wir haben verschiedene Übungen gemacht. Dabei haben wir beispielsweise einen Satz aus dem Stück bekommen und sollten ihn in verschiedenen Stimmungen herüberbringen“, erinnert sich Teilnehmerin Laura.
„Mit dem Thema Suizid bin ich noch nicht fertig. Deshalb war es gut, am Workshop teilzunehmen“, ergänzt Mitschülerin Deborah.
Theaterpädagogin Rieckhoff zeigt auf, welches Bildungsziel mit dem Projekt verbunden ist: „Alle Schüler sollen die Möglichkeit haben, das Medium Theater für sich zu entdecken.“
Lehrerin Carmen Dreier, die sich besonders für das Projekt engagiert, führt einen weiteren Aspekt vor Augen: „Private Theaterbesuche sind für viele Schüler allein aus finanziellen Gründen nicht möglich.“ Bei „Spot“ zahlen die Schüler den üblichen ermäßigten Eintrittspreis. Die Teilnahme am theaterpädagogischen Zusatzprogramm ist kostenlos.
„´Spot´ bedeutet entdecken, erkennen, sich aus-
einandersetzen. Wir nehmen uns Zeit für Reflexion“, gibt Rieckhoff die Richtung vor.
Einordnend ergänzt Weber: „Das ist Teil unseres Bildungsauftrags. Wir schaffen Zugang zur bürgerlichen Kultur. Anders als beim Film muss sich der Zuschauer den Fokus im Theater selbst suchen. Das muss man lernen.“
„Spot“ soll die Schüler über ihre gesamte Schulkarriere begleiten. Das hat für Weber auch gesellschaftspolitische Bedeutung: „Theater dient als Resonanzraum der Gesellschaft und schult die Empathie. Das ist wichtig, um Herausforderungen wie die Flüchtlingsfrage angemessen bewältigen zu können.“
Schulleiter Backhaus sieht das ähnlich: „Es geht uns nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung. Theaterspielen hat an unserer Schule eine lange Tradition. Da ist ´Spot´ ein weiterer schulprogrammatischer Puzzlestein.“
Schon seit Längerem nimmt das Gymnasium am Programm ´Schulen in Bewegung´ teil. „Da ist für jeden etwas dabei: Man kann sich als Schauspieler betätigen, aber auch am Bühnenbild mitwirken“, erklärt ein beteiligter Schüler den Reiz des Unternehmens.
Zuletzt brachte das Projekt, bei dem Schulen aller Schulformen mitmachen, den Jugendbuchklassiker „Die Welle“ auf die Bühne. „Eltern loben ´Schulen in Bewegung´“, berichtet Backhaus aus der Praxis. Es würden gundlegende Fähigkeiten wie Pünktlichkeit und Teamarbeit eingeübt.
Schüler heben vor allem den Kontakt zu Jugendlichen anderer Scfulformen positiv hervor. „´Schulen in Bewegung´ ist eines der besten Projekte an unserer Schule“, meint einer der Teilnehmer.
„Die Welle“ war Teil des regulären Spielplans des Schauspielhauses. „Da geht es dann auch um die Zuschauerauslastung. Da die Inszenierung künstlerisch außergewöhnlich war, konnte sie im Spielplan bestehen“, lobt Intendant Weber die Arbeit der Schüler und der Regisseurin Martina van Boxen.
Bei „Spot“ geht es jetzt in erster Linie darum, die notwendigen Fähigkeiten zu erwerben, Theaterbesuche zu genießen und persönlichen Nutzen daraus zu ziehen.
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