"Schicksalsort Gefängnis": Vortagsreihe über Opfer der NS-Justiz in der Krümmede im Zentrum für Stadtgeschichte

Anzeige
Die Ausstellung "Schicksalsort Gefängnis" zeigt eindrucksvolle Porträts.

„Geht es um den Nationalsozialismus“, stellt Dr. Ingrid Wölk, Leiterin des Bochumer Zentrums für Stadtgeschichte – Stadtarchiv, fest, „meinen viele, alles zu wissen. Dabei ist zum Beispiel über die Rolle der Gefängnisse in der NS-Zeit nach wie vor wenig bekannt.“

Dem Ziel, diese Wissenslücke nach und nach zu schließen, dient die Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis. Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“, die noch bis zum 26. Februar 2017 im Zentrum für Stadtgeschichte zu sehen ist. „Es geht darum, das Thema an Orte zu transportieren, wo NS-Opfer in Gefängnissen inhaftiert waren, also auch nach Bochum“, erklärt Alfons Zimmer, Pastoralreferent der Justizvollzugsanstalt Krümmede in Bochum, der die Ausstellung initiiert und entwickelt hat. Dabei geht es zunächst darum, überhaupt ins Bewusstsein zu rufen, dass nicht nur die Konzentrationslager, sondern auch die Gefängnisse Teil des NS-Terrorapparats waren.
Wölk erläutert, in welche Gruppen sich die aus politischen Gründen in der Krümmede Inhaftierten einteilen lassen: „Zu den deutschen politischen Häftlingen kamen die 'Nacht und Nebel'-Gefangenen aus den besetzten westeuropäischen Ländern. Auch christliche Geistliche saßen in größerer Zahl ein.“
Die Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis“ ist biographisch angelegt und informiert in 60 Porträts über NS-Opfer aus den drei genannten Gruppen. „Eine Vortragsreihe soll nun das notwendige Hintergrundwissen ergänzen“, kündigt Wölk an. In Dirk Frenking, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus NRW'“ in der Justizakademie Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen, hat das Zentrum für Stadtgeschichte einen Kooperationspartner gefunden. „Die Justizakademie ist die zentrale Fortbildungseinrichtung für alle Beschäftigten der Justiz“, erläutert Frenking und ergänzt, „seit 1988 setzen wir uns auch mit der NS-Vergangenheit der Justiz auseinander und führen dienstjunge Kollegen an das Thema heran.“

Kontinuitäten in der Justiz nach 1945

Frenking selbst widmet sich im Eröffnungsvortrag der Reihe der verspäteten strafrechtlichen Aufarbeitung der Verstrickung der Justiz in NS-Gewaltverbrechen in der Bundesrepublik: „Dieser Missstand ist vor allem durch Kontinuitäten im Justizapparat zu erklären. So waren in den fünfziger Jahren viele ehemalige NSDAP-Mitglieder als Richter tätig.“ - Weitere Themen der Vortagsreihe sind die Gefängnisopfer im Nationalsozialismus, die Rolle der Polizei im NS-System und die Bemühungen der ehemaligen Häftlinge um Entschädigung. Alfons Zimmer bietet zusätzlich Führungen durch die Ausstellung an.
Der Schwerpunkt der Vortragsreihe liegt auf der Situation in Bochum. „Die Vorträge“, verspricht Wölk, „haben kein abgehobenes Niveau und richten sich an ein breites Publikum.“

Termine
Dirk Frenking eröffnet die Vortragsreihe am Donnerstag, 10. November, um 18 Uhr mit einem Beitrag zum Thema „Justiz und Gewaltverbrechen im NS und deren verspätete strafrechtliche Aufarbeitung“ im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte – Stadtarchiv, Wittener Straße 47.
Das Zentrum für Stadtgeschichte setzt die Reihe am Donnerstag, 17. November, um 18 Uhr fort. Dann spricht Dr. Daniel Schmidt zum Thema „Die Polizei im Ruhrgebiet während der Zeit des Nationalsozialismus“.
Am Donnerstag, 1. Dezember, führt Alfons Zimmer um 17 Uhr durch die Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis“ im Zentrum für Stadtgeschichte. Im Anschluss widmet sich der Krimi-Autor Reinhard Junge in seinem Vortrag „'Bochum, ich saß in dir'. Zwischen KZ und Emigration in der Bochumer Krümmede. Aus den Lebenserinnerungen des Dortmunder Kommunisten Heinz Junge (1914 bis 2004)“ dem Schicksal seines Vaters.
Auch am Donnerstag, 8. Dezember, bietet das Zentrum für Stadtgeschichte um 17 Uhr zunächst eine Ausstellungsführung an. Um 18 Uhr spricht Jan Hertogen zum Thema „Vergessene Zeiten. Schicksal der hingerichteten und überlebenden Nacht-und-Nebel-Gefangenen“.
Eine weitere Ausstellungsführung im Zentrum für Stadtgeschichte folgt am Donnerstag, 15. Dezember, um 17 Uhr. Um 18 Uhr beginnt der Vortrag „Christliche Geistliche als Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“ von Prof. Dr. Helmut Moll.
Im neuen Jahr setzt das Zentrum für Stadtgeschichte die Veranstaltungsreihe fort. Am Donnerstag, 19. Januar, gibt es um 18 Uhr einen Beitrag zum Thema „'Um starke Gemütsbewegungen der Ausführenden zu vermeiden...' - Täter und Opfer der Kriegsendverbrechen im Bochumer Gestapo-Gefängnis“ von Dr. Ingrid Wölk.
Ihren Abschluss findet die Reihe im Zentrum für Stadtgeschichte am Donnerstag, 2. Februar, um 18 Uhr. Dann spricht Manfred Schmitz-Berg zum Thema „Verfolgt – und danach? Wie ist unser demokratischer Rechtsstaat mit den Verfolgungsopfern umgegangen?“.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.