"Schulen in Bewegung" in den Kammerspielen

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Max (Leon Espig, r.) in der Konfrontation mit dem mechanischen Prinzen (Elodie Forget). (Foto: Küster)
Bochum: Schauspielhaus | „Im letzten Jahr haben wir mit ´Die Welle´ einen sehr politischen Stoff auf die Bühne gebracht. Da es unser Ziel ist, nicht immer wieder dasselbe zu machen, haben wir uns in diesem Jahr für Andreas Steinhöfels Fantasy-Roman ´Der mechanische Prinz´ entschieden“, sagt Martina van Boxen, Künstlerische Leiterin von ´Schulen in Bewegung´. Weiter erzählt sie: „Unsere Teilnehmer sind zwischen 13 und 18 Jahren alt. In ´Der mechanische Prinz´ geht es um einen Jungen im selben Alter.“ „Für ´Schulen in Bewegung´“, führt Dramaturg Tobias Diekmann aus, „braucht man ein Stück mit einer gewissen Anzahl an Figuren. Auch deshalb haben wir uns für eine Dramatisierung des Romans von Andreas Steinhöfel entschieden.“
„Schulen in Bewegung“ (SIB) ist ein integratives Theaterprojekt am Bochumer Schauspielhaus – es nehmen Jugendliche von Gymnasien, Gesamt-, Real-, Haupt-, Förder- und Sekundarschulen teil. „Es ist uns besonders wichtig, dass sich die Schulformen in den einzelnen Arbeitsgruppen auch tatsächlich mischen“, erläutert Diekmann. Moritz Vomberg von der Matthias-Claudius-Gesamtschule ergänzt: „Mein Bild von der Hauptschule hat sich grundlegend verändert. Bei der gemeinsamen Arbeit vergisst man die Schulform irgendwann.“ „Das ist gelebte Inklusion“, bekräftigt Annette Pokropp, Lehrerin an der Liselotte Rauner-Hauptschule in Wattenscheid, „die Schüler treffen sich mittlerweile auch nachmittags.“
„Das Projekt ist so angelegt, dass bis zu 100 Schüler daran teilnehmen könnten“, zeigt van Boxen die Ausmaße auf. Dramaturg Diekmann fügt hinzu: „Etwa 70 Jugendliche sind bis zum Ende dabei geblieben.“ Annette Pokropp nimmt mit ihren Schülern mit Unterbrechungen seit zehn Jahren an SIB teil. Ihr ist es wichtig, deren besonderen Einsatz zu betonen: „Meine Schüler kommen aus Wattenscheid und haben daher einen weiten Weg zu bewältigen.“ Die Teilnehmer können zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen wählen: Schauspiel, Tanz, Musik, Video, Multimedia und PR, Kostüm und Bühnenbild. Zwölf Mitarbeiter des Schauspielhauses bilden das Leitungsteam von SIB. „Bereits im Januar“, so van Boxen, „haben wir mit den Arbeiten an ´Der mechanische Prinz´begonnen.“ Zur Motivation sagt Elodie Forget vom Hildegardis-Gymnasium, die die Titelrolle spielt: „Wir haben die Chance, auf einer richtigen Bühne zu stehen. Die hat man bei typischen Schulaufführungen nicht.“
Die Botschaft des Romans könnte „Nimm dein Leben in die Hand.“ oder „Stell dich deinen Ängsten.“ lauten. Forget findet noch eine andere Formulierung: „Du bist nicht allein.“ In der Rolle des mechanischen Prinzen nimmt die Schülerin in der Fantasiewelt des Stücks eine beherrschende Stellung ein.
„SIB ist ein genreübergreifendes Theaterprojekt“, betont die Künstlerische Leiterin, Martina van Boxen. Bei der letztjährigen Inszenierung ´Die Welle´ hat sie bei der musikalischen Gestaltung u.a. auf „Pink Floyds“ immergrünen Klassiker „Another Brick in the Wall“ zurückgegriffen. „Diesmal“, verrät sie, „haben wir einen für Schüler eher ungewöhnlichen Weg gewählt.“ Moritz Vomberg, der der Musik-Arbeitsgruppe angehört, wird konkreter: „Wir hatten zum Beispiel den Auftrag, selbst traurige Musik zu entwickeln. Ich spiele schon seit sieben Jahren Gitarre und kenne mich entsprechend gut aus. Hier habe ich aber ganz neue Möglichkeiten entdeckt. Die Musik ist tatsächlich live entstanden. Dabei habe ich gelernt, dass man auch mit dem Abtropfbehälter einer Kaffeemaschine Musik machen kann.“ - Das verweist auf den hohen künstlerischen Anspruch des Projekts.

Termine
Seine Premiere erlebt „Der mechanische Prinz“ am Mittwoch, 8. Juni, um 19.30 Uhr in den Kammerspielen des Schauspielhauses, Königsallee 15.
Am Freitag, 10. Juni, ist das Stück bereits um 19 Uhr zu sehen. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt.
Auch am Montag, 13. Juni, um 19.30 Uhr gibt es eine Vorstellung.

Themenseite Schauspielhaus Bochum
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