Tischtennis, Kosmetik und Putzfrauen - das Leben schreibt die schönsten Geschichten

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Der überaus wohlhabende Freund lud mich zu einem Wochenende in ein Sporthotel ein. Nein, kein übliches Hotel! Hier wurde den ganzen Tag Tischtennis trainiert, der Stützpunkt der deutschen Tischtennismannschaft und dem entsprechenden Gefolge. Der Freund „hatte“ einen Tischtennisverein, das hieß, er sponserte einige Leute mit Mitteln seiner Firma.
Eine Zeitlang sah ich fliegenden Bällen und springenden Gestalten zu, dann versuchte ich auch mein Glück, mit den Cracks mitzuhalten. Natürlich entsprang das lediglich meiner Phantasie, denn – als ein Koreaner mit mir „Balleimer“ machte, Bälle aus einem Eimer in unerhört kurzen Abständen auf die Platte warf, damit ich „Angaben“ üben konnte, und ich rumsprang wie ein aufgescheuchtes Känguru, entschwand mir der höhere Sinn für diesen Sport. Zumal ich die überall in der Halle verteilten Bälle nach diesen Prozeduren wieder aufheben musste.
Es gab hier einen Wohnbereich für Minderbemittelte und ein First Class Hotel für die Tischtennisoberschicht, mit Whirlpool auf dem Dach, Schwimmbad und Fitnessraum.
Abnehmen konnte man hier leider nicht, auch wenn die schweißtriefenden Sportler den Komplex bevölkerten. Das Morgen, Mittag und Abendbuffet in dem komfortablen Speisesaal entsprach weniger sportlichen Ideen. Allein die vier bis fünf Puddingsorten, also Sorbets und Mousses, die es jeden Abend gab, gestalteten nach den üppigen Fleisch und Fischgerichten mit einem jeweils unterschiedlichen Motto den Magen äußerst unsportlich zu einer riesigen fetten Wampe.
Nun ja, nachdem ich mein überzeugendes Training sinnvollerweise abgebrochen hatte, begab ich mich gezwungenermaßen in den Wellness/ Kosmetikbereich, denn irgendwas musste ich mit meiner freien Zeit ja anfangen.
Ich hatte schon die Putzfrau in langwierige Gespräche verwickelt und mich mit ihr befreundet. Sie schien mir hier zwischen den getriebenen Sportlern und lächelnden Bücklingen des Hotels noch die einzig Normale zu sein.
Ich machte einen Termin zur Kosmetikbehandlung, legte mich auf eine Liege und ließ alles wohlwollend über mich ergehen. Im seligen Abstand von circa fünf Minuten schmierte mir die Kosmetikerin Lotionen, Cremes, Wässerchen aufs Gesicht, vervollständigte mit dem Auflegen und Abnehmen von Augen-Pads das ganze Kunstwerk und wischte dann alles wieder ab. Kaum hatte ich gedacht, jetzt könnte ich mich mal richtig entspannen, probierte sie im Rahmen ihrer Kreativität eine neue Creme aus. Irgendwann war die Prozedur beendet und ich guckte verheißungsvoll in den Spiegel.
Ich sah genauso aus wie immer.
Die Kosmetikerin hatte zwischenzeitlich fein säuberlich sämtliche Produkte auf der Anrichte aufgereiht und überzeugte mich davon, sie zu kaufen. Zumindest versuchte sie es. Besonders hochwertige Produkte seien es, genau auf meinen Hauttyp abgestimmt, dazu jede Menge Duftwässerchen und erlesene Parfüms.
Ich war genervt. Dazu hatte sie mir im fliegenden Wechsel das Zeug ins Gesicht geschmiert? Eine gehobene Form von Verkaufsveranstaltung, fehlten vielleicht die Wolldecken?
Den Rest des Tages verbrachte ich im Schwimmbad und Fitnessstudio zum gewichtsmäßigen Entgegenwirken des bevorstehenden opulenten Abenddiners, vor allem der Puddings, und freute mich auf den morgigen entspannten Plausch mit der liebenswerten Putzfrau.
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