Urban Audio Gardening: Hören, wie das Gras wächst

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Wochenlang sind die Bewohner der Alsenstraße mit Mikrofonen und Aufnahmegeräten durch ihre Gärten und Hinterhöfe gewandert, um die Geräusche ihrer Straße einzufangen. Herausgekommen ist eine Klangcollage, die am Wochenende in einer aufwändigen Soundscape-Installation präsentiert wird. Genutzt werden dafür die „Urban Solar Audio Plants“, die die beiden Medienkünstler und Techniker Peter Eisold und Michael Dawid (v.l.) entwickelt haben. Im Tonstudio des SAE-Instituts half Tontechnik-Student Patrick Beyer (Bi (Foto: Foto: Molatta)
 
Auf der Zeche Zollverein in Essen konnten die Urbans Solar Audio-Plants bereits in Aktion erlebt werden. Am Wochenende sorgen sie in der Alsenstraße dafür, dass die Klänge über 12 Kanäle kreisförmig verteilt werden. Foto: Veranstalter (Foto: Foto: Molatta)
Klanggärtner der Alsenstraße bitten zum Soundpicknick


Eine Autotür, die zugeknallt wird, im Hintergrund dudelt ein Radio und irgendwo weint ein Kind: In der Großstadt sind wir täglich von einem einzigen Soundbrei umgeben - eine Soundscape. Ganz genau hingehört haben sieben Wochen lang die Bewohner der Alsenstraße und sich - bewaffnet mit Mikro und Aufnahmegerät - auf Geräuschejagd begeben. Aus diesen gefundenen Tönen haben sie im Studio eine neue Soundscape kreiert, die am Wochenende bei einem Audio-Picknick dorthin zurück kehrt, wo sie ihren Anfang nahm. „Urban Audio Gardenin“ nennt sich das - denn aus dem akustischen Wildwuchs der Stadt wird Neues geschaffen.

Die Soundscape-Installation „Urban Audio Gardening“ ist am 15. und 16. Juni, jeweils von 15 bis 18 Uhr, im Kreuzungsbereich Alsenstraße / Düppelstraße zu erleben.
„Seit April ist eine Gruppe von zehn Menschen durch die Landschaften hinter den Häusern der Alsenstraße gestreift und hat mit dem Mikrofon Atmosphären und besondere Klänge und Geräusche aufgenommen“, berichtet Antje Grajetzky, die das Projekt konzipiert hat. Gefördert wird es vom städtischen Kulturbüro sowie vom NRW-Kulturministerium. Schon seit einigen Jahren entwickelt sich in der Alsenstraße eine nachbarliche Gemeinschaft, die weit über das normale „Nebeneinander-Leben“ hinaus geht. Nach zwei erfolgreichen Straßenfesten wurde inzwischen mit dem „Alsenwohnzimmer“ ein Treffpunkt für die gesamte Straße eingerichtet, wo gemeiname Aktivitäten - vom Kochen bis hin zum Diskussionsabend - stattfinden. Auch die Idee zum Urban Audio Gardening wurde hier entwickelt.
Um den Mittelpunkt der Kreuzung Alsenstraße /Düppelstraße werden zwölf Lautsprechersäulen kreisförmig aufgestellt: „Daraus klingt das, was wir zu verschiedenen Tag- und Nachtzeiten an verschiedenen Orten hinter den Häusern der Alsenstraße hören konnten“, so „Klanggärtnerin“ Antje Grajetzky. Wenn die Klangcollage am Wochenende über die zwölf Lautsprecher live erklingt, finden sich die Besucher im Vogelgezwitscher der Alsenstraße wieder, werden von einem Bienenschwarm umschwirrt, hören Doppeldecker kreisen, befinden sich inmitten kreischender Kinder auf einem Trampolin oder rätseln über die gluckernden Wassergeräusche, die bei der Fischfütterung eines Gartenteichs entstanden sind.
„Von der aufgehenden Sonne über das geschäftige Erwachen der Straße, das Spielen der Kinder, die frühabendliche Stimmung, das gesellige Zusammensein bis zu den Unheimlichkeiten der Nacht haben wir die Landschaften hinter unseren Häusern klanglich dokumentiert“, macht sie auf die Klanginstallation neugierig.
Bei den Lautsprechersäulen handelt es sich um so genannte „Urban Solar Audio Plants“, die von dem Musiker und Medienkünstler Peter Eisold und dem Veranstaltungstechniker Michael Dawid aus Mülheim entwickelt wurden. Die zwölf Säulen werden durch Solarenergie betrieben und über ein drahtloses WLan-Netz mit den Klängen bespielt.
Um über den zwölfkanaligen Lautsprecher-Kreis zu erklingen, mussten die gesammelten Tonschnipsel bearbeitet werden. „Unterstützt wurden wir dabei von Patrick Beyer, der am SAE Institute am Springerplatz Tontechnik studiert“, berichtet Antje Grajetzky.
Die Klanggärtner der Alsenstraße freuen sich schon auf möglichst viele Besucher bei ihrem Audio-Picknick am Samstag und Sonntag. Der Eintritt ist frei. Jeweils von 15 bis 18 Uhr werden die Urban Solar Audio Plants bespielt; der Zugang zur Installation ist jederzeit möglich. Damit die Gäste inmitten der Klanglandschaft verweilen können, werden Sitzgelegenheiten geschaffen und im benachbarten Alsenwohnzimmer werden Erfrischungen angeboten.
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