Varieté et cetera feiert: 15 Jahre in Bochum

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Seit 15 Jahren mit dem „Varieté et cetera“ in Bochum: Gastro-Chef Sergio Braccioforte, Jörg Richter, Ronny Cabello, „Spargel“ und Silvia Cabello.Foto: Molatta (Foto: Foto: Molatta)
 
Wer hat an der Uhr gedreht? Vor 15 Jahren präsentierte sich das Direktoriums-Trio Jörg Richter, Ronny und Silvia Cabello so. Archiv-Foto: et cetera (Foto: et cetera)
 
Seit 15 Jahren in Bochum am Ball: Das Varieté et cetera. (Foto: Molatta)

Fast hätten sie das Jubiläum vergessen: „Anfang Dezember beginnt bei uns die trubelige Zeit. Erst im letzten Moment haben wir daran gedacht.“ Dabei haben Silvia Cabello und das Team des „Varieté et cetera“ einen guten Grund zum Feiern: Seit 15 Jahren ist das Varieté in Bochum heimisch. Am 3. Dezember 1999 fiel die Entscheidung, die in Bochum aufgeschlagenen Zelte nicht wieder abzubauen.

Sieben Jahre lang war das „et cetera“ zu diesem Zeitpunkt schon als reisendes Varieté unterwegs quer durch die Republik. 1992 hatten Silvia und Ronny Cabello gemeinsam mit Jörg Richter und drei weiteren Künstlerkollegen die Idee, ein reisendes Varieté zu gründen. Ein politisches Kabarett aus der ehemaligen DDR stand zum Verkauf; in Berlin-Pankow fanden sie das alte Zelt mitsamt original DDR-Lastern. Nach zähen Verhandlungen mit Banken und jeder Menge Arbeit folgte am 1. September 1992 die Weltpremiere in Travemünde.
„1994 waren wir das erste Mal zu Gast in Bochum, damals noch am Bismarckturm.“ Insgesamt viermal war das Varieté in Bochum, mit wachsendem Erfolg. „Unser erstes Gastspiel war schwierig: Das Zelt stand ziemlich abgelegen im Stadtpark und unter einem Varieté konnte sich niemand so richtig was vorstellen. Wir waren damals das erste reisende Varieté. Die einen meinten, wir seien ein kleiner Familienzirkus und suchten die Tiere, oder wir hatten Männergruppen vor dem Zelt stehen, die eine Strip-Show erwarteten.“ Die Wende brachte ein TV-Auftritt: Hula-Hoop-Artistin Caroline Hammer, damals im „et cetera“ engagiert, war Kandidatin bei Jürgen von der Lippes „Geld oder Liebe“. „Sie kam so sympathisch rüber, dass wir in den letzten zwei Wochen unseres Gastspiels ausverkauft waren.“
Das Leben „on the road“ zehrte jedoch an den Kräften, so dass beim Team mehr und mehr der Wunsch reifte, sich fest an einem Ort nieder zu lassen. „Das ständige Auf- und Abbauen war schon sehr anstrengend. Wir hatten auch immer so viel Zeug dabei, weil wir das Zelt ja immer schön herrichten wollten.
Hinzu kam für Silvia und Ronny Cabello noch ein privater Grund: Bei der gemeinsamen Tochter stand der Wechsel auf eine weiterführende Schule an. „Sie war damals zehn Jahre alt. Und ein Gymnasiumsbesuch mit häufig wechselnden Schulorten, das wäre schwierig geworden. In der Grundschule war das ja noch alles machbar – dann aber wäre es für sie auf ein Internat hinausgelaufen.“
Also wurde nach einem Ort gesucht, an dem die reisende Truppe sesshaft werden konnte. „Norddeutschland und das Ruhrgebiet waren in der Diskussion.“ Dass die Wahl dann auf Bochum fiel, hat gute Gründe: „Wir hatten uns durch unsere Gastspiele hier einen guten Namen gemacht, das Publikum mochte uns – und so ist Bochum ziemlich schnell zu unserer Lieblingsstadt geworden“, blickt Silvia Cabello zurück.
Außerdem hatte sich schon bei den letzten Gastspielen eine fruchtbare Kooperation mit der Bogestra und der Fiege-Brauerei entwickelt. „Als die Bogestra uns dann diesen Platz angeboten hat, haben wir zugeschlagen.“
Dabei wirkt das Areal auf den ersten Blick alles andere als besonders einladend. „Gut, als wir uns hier niedergelassen haben, war das hier ein einziger großer Parkplatz, es gab nichts“, schmunzelt Silvia Cabello. „Aber für unsere Zwecke war das Gelände perfekt: Parkmöglichkeiten direkt vor der Tür und eine gute Verkehrsanbindung durch die U35 und die nah gelegene Autobahn.“ Trotzdem gibt sie zu: „Wer zum ersten Mal zu uns kommt, der muss ein wenig suchen.“
Aber das Varieté et cetera hat sich längst ein Stammpublikum erspielt, das weit über die Stadtgrenzen hinaus geht: „Unser Einzugsbereich sind ungefähr 50 Kilometer um Bochum herum. Und häufig kommen auch Besucher aus Orten, in denen wir früher auf unseren Gastspielen Station gemacht haben, und die uns gerne wiedersehen wollen.“ Aus den Anfangstagen in Bochum sind heute, neben dem Direktoriums-Trio – bestehend aus Silvia und Ronny Cabello sowie Jörg Richter – noch Gastro-Chef Sergio Braccioforte sowie Bühnenhelfer und „Mädchen für alles“ Jürgen Döpp – besser bekannt als „Spargel“ – mit von der Partie.
War es früher als reisendes Varieté schwierig, den Menschen in jeder Stadt aufs Neue klar zu machen, was sie unter der Zeltkuppel erwartet, ist es nun die große Herausforderung für das Varieté-Team, das Publikum immer wieder aufs Neue zu begeistern: „Wir müssen uns mit jeder Show immer wieder neu erfinden“, macht Silvia Cabello deutlich. „Das ‚et cetera‘ steht für einen Mix aus Humor und Artistik, doch bei jeder Show setzen wir neue Schwerpunkte.“ Mal kommt der Humor etwas lauter daher, mal in Kombination mit einer Portion Melancholie wie bei der aktuellen Show „Mosaik des Lebens“.
Das Publikum zu erreichen, sei eine ständige Herausforderung. Viele Konkurrenten sind im Laufe der letzten 15 Jahre daran gescheitert – das „Varieté et cetera“ dagegen ist immer noch da. Und zwar erfolgreich. „Das Geld sitzt den Menschen heute nicht mehr so locker wie vor 15 Jahren. Sie überlegen heute eher zweimal, bevor sie eine Show besuchen. Und viele Veranstalter haben im Laufe der Jahre gemerkt, dass es nicht so einfach ist, mal eben schnell ein Varieté auf die Beine zu stellen, das dann auch noch Geld abwirft.“ So sei etwa die große Zeit der Dinner-Shows in Spiegelzelten inzwischen vorbei.
Ob sie es je bereut habe, sich in Bochum nieder zu lassen? „Nein nie!“, entgegnet Silvia Cabello entschieden. „Obwohl der erste Sommer echt hart war.“ Inzwischen ist längst klar: Das „Varieté et cetera“ baut auf eine erfolgreiche Zukunft in Bochum. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: 2011 wurde das inzwischen in die Jahre gekommene Zelt durch einen feststehenden Theaterbau ersetzt, zuletzt wurde in diesem Jahr die Küche erweitert. „Klar: Ein Zelt könnte man im Falle eines Falles immer noch mal abbauen, die feststehende Halle nicht“, unterstreicht Silvia Cabello. „Das war eine sehr bewusste Entscheidung für den Standort Bochum.“
Gefeiert hat die „et cetera“-Truppe übrigens doch noch - am gestrigen 2. Weihnachtsfeiertag. „Das hat bei uns aber schon Tradition“, plaudert Silvia Cabello aus dem Nähkästchen. „Dann sind alle Artisten wieder vom Weihnachtsbesuch bei ihren Familien zurück. Nachmittags wichteln wir und abends, nach der Vorstellung, steigt eine Party.“ Denn am 26. Dezember feiert passenderweise „et cetera“-Urgestein Jürgen Döpp – alias „Spargel“ – Geburtstag. „Bis zur Vorstellung heute Abend sind aber alle wieder fit“, verspricht Silvia Cabello lachend.
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