Verregneter Startschuss für das Detroit-Festival

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Der Förderturm des Bergbaumuseums ist wohl Bochums bekanntestes Wahrzeichen. Durch Tim Etchells Kunstwerke erlebt man es in neuem Licht – im wahrsten Sinne des Wortes. (Foto: Molatta)
 
Anpflanzen bei Dauerregen - das störte Ilyas (l.) und Teoman am Sonntagmorgen nicht. Und auch die Pflänzchen mögen ja gerne Regen, oder? (Foto: Molatta)
Die Generalprobe am Freitag lief bei bestem Frühsommer-Wetter reibungslos - das konnte kein gutes Omen für den Samstag sein. Und tatsächlich: Das Motown-Picknick auf der Wiese vor dem Bergbaumuseum zum Auftakt des Detroit-Sommerfestivals litt erheblich unter Dauerregen - und auch das „Anpflanzen“ am Gemeinschaftsgarten vor dem Schauspielhaus geriet zur „Wasserschlacht“...

„How Love Could Be“, dieser rote Schriftzug aus über 1000 LED-Lämpchen leuchtet seit Samstagabend unübersehbar aus rund 52 Metern Höhe vom Förderturm des Bergbaumuseums. Geschaffen hat ihn der britische Künstler Tim Etchells. Die Zeile stammt aus dem Song „Bad Girl“, der ersten Single des Detroiter Motown-Labels.
Natürlich kam Tim Etchells auch selbst zum „Anknipsen“ seines Lichtkunstwerks. Doch bevor es am Samstagabend gegen 21.45 Uhr soweit war, wurde die Geduld der Besucher auf eine harte Probe gestellt. Im immer stärker werdenden Regen mussten sie zunächst fünf Reden über sich ergehen lassen, bevor Schauspielhaus-Dramaturg Olaf Kröck das Zeichen für den Countdown gab.
„How love could be“ - der Satz hat im Deutschen ein gewisse Doppeldeutigkeit: „Wie Liebe sein könnte“ oder auch „Wie könnte Liebe sein“ und spielt mit dem zweischneidigen Verhältnis zwischen Bochum und dem Autobauer. „Bochum ist Opel und Opel ist Bochum!“ – mit diesem Satz beschrieb Herbert Grönemeyer einst dieses Verhältnis. Doch wenn Bochum nicht mehr Opel ist, was dann? Wie könnte diese Liebe in Zukunft aussehen? Mit den Mitteln der Kultur will das Detroit-Projekt Antworten auf diese Fragen finden.
Mit dem Sommerfestival haben sich Schauspielhaus und Urbane Künste Ruhr als Veranstalter nun vorgenommen, das gesamte Detroit-Projekt näher an die Menschen der Stadt heran zu bringen und es stärker in der Stadt zu verankern. Schließlich baut das gesamte Projekt auf die Beteiligung der Bürger. Doch bislang ist von dem Projekt noch nicht viel aus den Mauern des Schauspielhauses auf die Straßen gedrungen. Das soll sich mit dem Startschuss für das Sommerfestival nun ändern: Die Besucher erwartet auf den Straßen und an 20 Orten in der gesamten Stadt ein vielfältiges Programm internationaler Künstler und regionaler Partner. Die meisten der gut 20 Veranstaltungen sind kostenlos.
Seit dem Wochenende leuchtet nicht nur der markante Schriftzug im Bochumer Nachthimmel, vor dem Schauspielhaus wurde am Sonntag auch mit der Anpflanzung der „Grünen Bühne“ begonnen. Dies soll der erste Schritt zur Etablierung eines dauerhaften Gemeinschaftsgartens für Bochum sein. Im Stadtgebiet verteilt sind zudem ausgewählte Fotografien aus der Mitmach-Fotoaktion „Mein Bochum – unsere Zukunft“ zu entdecken. Eine Jury hat 29 Motive ausgewählt, die auf Großplakatflächen zu sehen sind.
Bis zum 5. Juli bleibt Zeit zu sehen, wie sich die Ideen des Detroit-Festivals in der Realität Realität behaupten. Eines ist nach demEröffnungswochenende allerdings klar: Der Gedanke der Partizipation ist noch ausbaufähig. Die breite Masse hat das Festival noch nicht erreicht...

Detroit-Termine

Nach der Eröffnung am letzten Wochenende finden am kommenden Mittwoch und Donnerstag zwei Vernissagen und Projekteröffnungen im Rahmen desDetroit-Projekt-Sommerfestivals statt.

Mirjam Strunks Hör­installation „Wandelwerk“ eröffnet am Mittwoch, 30. April, um 19 Uhr im Detroit-Container auf dem Theatervorplatz.

Die Installation „Shoot out“ von Chris Kondek und Christiane Kühl feiert ihre Vernissage am Donnerstag, 1. Mai, um 16 Uhr in dem ehemaligen Schlecker-Ladenlokal auf der Essener Straße 47.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.
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