Viele letzte Vorhänge - Schauspielhaus trennt sich zum Saisonende von zahlreichen liebgewonnenen Produktionen

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Anselm Weber nimmt die bildstarke "Romeo-und-Julia"-Inszenierung mit nach Frankfurt. (Foto: Aurin)

Bekanntlich verlässt Intendant Anselm Weber zum Ende dieser Spielzeit das Schauspielhaus Richtung Frankfurt. Olaf Kröck, bisher Chefdramaturg, übernimmt dann für eine Saison das Ruder an der Königsallee, bevor Johan Simons 2018 neuer Intendant wird. Nicht nur von Anselm Weber heißt es für Theaterfreunde Abschied nehmen: Auch viele beliebte Produktionen werden im Mai, Juni und Juli zum letzten Mal zu sehen sein.

Theaterfreunde sollten also den restlichen Spielplan bis zur Sommerpause eingehend in Augenschein nehmen, um die letzten Chancen zu nutzen, jene Stücke zu sehen, die sie bislang verpasst haben - oder um ein letztes Mal die eigene Lieblingsinszenierung zu sehen.
So ist am Sonntag, 14. Mai, Webers Regiearbeit „Die unsichtbare Hand“ / „Am Boden“ um 19 Uhr letztmalig in den Kammerspielen zu sehen, die der Intendant einmal als schönsten Theaterraum in Deutschland bezeichnet hat. Ayad Akhtar hat mit „Die unsichtbare Hand“ einen hochaktuellen Politthriller vorgelegt, der den islamistischen Terror auf ungewöhnliche Weise beleuchtet. George Brant konzentriert sich in „Am Boden“ ganz auf den Krieg der USA und anderer westlicher Staaten gegen ebendiesen Terror. Die beiden ästhetisch sehr unterschiedlichen Dramen ergänzen sich auf erhellende Weise.

"Rose Bernd" mit Theaterstar Jana Schulz

Roger Vontobels „Rose Bernd“-Inszenierung gehörte zweifellos zu den Highlights der Spielzeit 2015 / 2016. Gerhart Hauptmanns ergreifendes Stück geht am Dienstag, 23. Mai, um 19.30 Uhr zum letzten Mal über die Bühne des Großen Hauses. Jana Schulz wurde für ihre Darstellung der Titelfigur mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet.
Am Sonntag, 11. Juni, ist Anders Lustgartens bewegendes Stück „Lampedusa“ um 19 Uhr noch ein letztes Mal in den Kammerspielen zu sehen. Das von Olaf Kröck inszenierte Stück verknüpft auf interessante Weise die Situation eines unmittelbar mit dem Schicksal der über das Mittelmeer Flüchtenden konfrontierten italienischen Fischers mit der Lage einer jungen Frau aus dem britischen Prekariat. - Die Aufführung ist in die Themenwoche „Wir und die?“ eingebettet und im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Publikumsgespräch.

Elfriede Jelineks Werk zur Flüchtlingssituation

Zum gleichen Thema und doch ganz anders: Hermann Schmidt-Rahmer setzte mit seiner Inszenierung von Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen / Appendix / Coda / Epilog auf dem Boden“ ebenfalls einen Glanzpunkt in der Spielzeit 2015 / 2016. Das Schicksal flüchtender Menschen und die Reaktion Europas auf die wachsende Zahl Hilfesuchender im Jahr 2015 werden differenziert und – ja – durchaus sinnlich in den Kammerspielen verhandelt. Die letzte Gelegenheit, das mitzuerleben, gibt es am Samstag, 17. Juni, um 19.30 Uhr.
Wem nach Unterhaltung der Sinn steht, der kommt am Mittwoch, 14. Juni, um 19.30 Uhr im Großen Haus auf seine Kosten: Komödienspezialist Christian Brey hat „Weekend im Paradies“, den Boulevard-Klassiker von Franz Arnold und Ernst Bach, aus den zwanziger in die sechziger Jahre verlegt und mit den Gassenhauern der Beatles versetzt – ein himmlisches Vergnügen.

"Kirschgarten" nicht ganz überzeugend

Nicht ganz so überzeugend fiel Tamás Aschers Inszenierung des Tschechow-Klassikers „Der Kirschgarten“ aus, die aber immerhin mit einem ungewöhnlich detailversessenen Bühnenbild aufwartet. Und auch das Ensemble weiß zu überzeugen – zum letzten Mal am Mittwoch, 21. Juni, um 19.30 Uhr im Großen Haus.
Friedrich Hebbels „Die Nibelungen“ kommen am Donnerstag, 29. Juni, um 18 Uhr zum letzten Mal auf die Bühne des Großen Hauses. Auch diese Regiearbeit Roger Vontobels fand bei Publikum und Kritik viel Anklang.

"Wunschkinder" als Uraufführung in Bochum

„Wunschkinder“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz wurde im Mai 2016 in Anselm Webers Regie in den Kammerspielen uraufgeführt. Die lebensnahe Tragikomödie ist mit Annelore Sarbach und Maja Beckmann hervorragend besetzt. Die letzte Vorstellung gibt es am Freitag, 23. Juni, um 19.30 Uhr.
Kafkas „Die Verwandlung“ und Shakespeares „Romeo und Julia“ waren die Höhepunkte der laufenden Spielzeit. Beide Stücke werden im Juli zum letzten Mal zu sehen sein – die genauen Aufführungstermine stehen noch nicht fest. Auch Anselm Webers Inszenierung von Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ mit Dietmar Bär als Dorfrichter Adam steht dann zum letzten Mal auf dem Spielplan. Dasselbe gilt für „Homo Empathicus“, eine Kooperation des Schauspielhauses mit der Folkwang Universität der Künste.

Infos
Die Theaterkasse ist unter Tel.: 3333-5555 zu erreichen. Weitere Informationen und Karten gibt es auch unter www.schauspielhausbochum.de.
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