Was, wenn es bald keine (bezahlte) Arbeit mehr gibt? - Das Schauspielhaus versucht sich mit „Changing of the Guard“ an einer Annäherung an diese Frage – und 60 Bochumer machen mit

Anzeige
"Changing of the Guard" ist ein durchaus auch beklemmendes Erlebnis. (Foto: Küster)
 
Bei "Changing of the Guard" sind 60 Bochumer mit von der Partie. (Foto: Küster)

„Der Regisseur und Komponist Ari Benjamin Meyers hat ja in Bochum bereits im Rahmen des Detroit-Projekts die Veranstaltung zur Schließung des Opel-Werks gestaltet“, erinnert sich die Dramaturgin Sabine Reich, die für Meyers' neues Projekt am Schauspielhaus auch den Text beigesteuert hat. „Changing of the Guard“ ist noch dreimal zu erleben. Zum Abschluss von Olaf Kröcks kurzer, aber erfolgreicher Intendanz ist die Performance am 14. Juli zum letzten Mal zu sehen. „Das wird ein ganz besonderes 'Changing of the Guard“, freut sich Reich.

Doch was genau ist „Changing of the Guard“ überhaupt? - Sabine Reich versucht sich an einer Antwort: „Es ist eine Art Ritual, ein Versuch, Gemeinschaft herzustellen.“ Es geht um die Lossprechung von der Arbeit in Zeiten, in denen mehr und mehr Berufe durch Automatisierung und Digitalisierung ersetzt zu werden drohen. Und um die bange Frage, was dann aus den Menschen wird, die sich primär über ihre Erwerbstätigkeit definieren – was ja für viele gelten dürfte. Die Art und Weise, wie „Changing of the Guard“ diese Frage angeht, ließ ganz offenkundig bei vielen Besuchern der Premiere einen Kloß im Hals entstehen. Ungerührt lässt das Ende der Performance ganz sicher niemanden.

Präzise Koordination sorgt für reibungslosen Ablauf

Damit das Ganze auf dem Theatervorplatz überhaupt stattfinden kann, ist präzise Koordination nötig. Von sechs Startpunkten rund um die Innenstadt kommen 60 Bochumer, die sich mit ihrem Namen und ihrer beruflichen Identität in das Projekt einbringen, zum Areal vor dem Schauspielhaus. „Zugbegleiter und Ordner sorgen dafür, dass die einzelnen Gruppen zum jeweils richtigen Zeitpunkt an der Königsallee ankommen“, erklärt Sabine Reich.
Die beteiligten Bürger haben für das Event natürlich emsig geprobt. „Schon bei unserem ersten Vorbereitungstreffen im Herbst 2017“, blickt Reich zurück, „waren die meisten von ihnen dabei. Da haben wir erklärt, welches Ziel das Projekt verfolgt. Dann haben wir mehrfach geprobt und hatten Mitte Mai ein Treffen im Theater Unten. Bei diesem Konzeptionsgespräch waren auch die beteiligten Schauspieler dabei.“

Hochkarätige Schauspieler mit von der Partie

Mit von der Partie sind hier wahre Hochkaräter: Manfred Böll, Therese Dörr, Jost Grix, Tim-Fabian Hoffmann, Sabine Osthoff, Daniel Stock und Anke Zillich. Stock fungiert als Moderator und Erzähler; die anderen flankieren das Geschehen mit Liedern und gesprochenen Texten. Am Ende finden sie sich in der Reihe derer ein, die um ihre berufliche Zukunft fürchten müssen.
Die Schauspieler sind insofern repräsentativ für die Gesamtheit der Teilnehmer von „Changing of the Guard“, dass sie ein großes Altersspektrum umfassen: Der Nachwuchsschauspieler Tim-Fabian Hoffmann trifft auf das Urgestein Manfred Böll. Analog steht der Berufsanfänger neben dem Rentner. Studenten, Handwerker, Pädagogen und Polizisten reflektieren gemeinsam den Wandel der Arbeitswelt.

Viel Spaß – trotz der ernsten Thematik

Das Thema ist natürlich sehr ernst und die Auseinandersetzung damit hat durchaus eine bedrohliche Dimension, wenn sie auch ganz neue Möglichkeiten eröffnet, was eine Zukunft betrifft, die weniger von der Ausübung des jeweiligen Brotberufs geprägt ist. In jedem Fall hatten die 60 Akteure „viel Spaß“, wie Sabine Reich betont. „Alle waren extrem diszipliniert und sehr offen“, lobt sie.
Besucher erwartet ein Theatererlebnis, das „von allem etwas ist“: Schauspiel, Konzert, Bewegungschoreographie. Hingehen? - Unbedingt.

Termine
- Changing of the Guard“ lässt sich auf dem Theatervorplatz, Königsallee 15, erleben. Besucher können jedoch auch zu einem der sechs Startpunkte kommen. Mehr Infos dazu gibt es auf www.schauspielhausbochum.de/spielplan/changing-of-the-guard/.
- Die nächste Aufführung folgt am Samstag, 16. Juni, um 20 Uhr. Eine weitere ist für Freitag, 29. Juni, ebenfalls um 20 Uhr angesetzt.
- Zum letzten Mal präsentiert das große Ensemble seine Performance am Samstag, 14. Juli, um 20 Uhr.
- Der Eintritt ist frei.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.