Webers letzte Saison - Ein Ausblick auf die Spielzeit 2016/2017 im Schauspielhaus Bochum

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„Wer heutzutage Karriere machen will, der muss sich durch besondere Leistungen hervortun", heißt es im Stück "Weekend im Paradies". Die Uraufführung ist am zweiten Premierenwochenende zu erleben. (Foto: Schauspielhaus)
Bochum: Schauspielhaus |

Anselm Weber, seit 2010 Intendant des Bochumer Schauspielhauses, wird seine Arbeit an der Königsallee nach der Theatersaison 2016/2017 beenden, um nach Frankfurt zu wechseln. Sein Rückblick auf die bislang geleistete Arbeit fällt positiv aus: „Wir konnten sowohl die Zuschauerzahlen als auch die Einnahmen kontinuierlich verbessern. Die Auslastung ist mit 80 Prozent so gut wie seit vielen, vielen Jahren nicht mehr.“

Von Nathalie Memmer

Nach dem Eröffnungsfest am vergangenen Sonntag steht jetzt der Auftakt zur Spielzeit 2016/2017 an. „Der Spielplan wird eine ähnlich hohe Anzahl an Premieren enthalten wie in den vergangenen Jahren. Das ist für die letzte Saison eines Intendanten eher untypisch“, kündigt Weber an. Das Schauspielhaus-Team verspricht inhaltliche und ästhetische Vielfalt. Auf dem Plan stehen 20 Neuproduktionen, darunter fünf Uraufführungen und eine deutschsprachige Erstaufführung.

Am Freitag startet die Spielzeit mit einer Dramatisierung des Dostojewski-Romans „Verbrechen und Strafe“, den viele Leser unter dem Titel „Schuld und Sühne“ kennen. Die spannende Geschichte um Größenwahn, Schuld und Reue wird von dem polnischen Regisseur Jan Klata inszeniert; die Hauptrolle des Raskolnikow übernimmt Jana Schulz. Die renommierte Schauspielerin ist derzeit bereits in „Hiob“ in einer Männerrolle zu sehen. Am Sonntag steht in den Kammerspielen dann eine Uraufführung an: Autorin Laura Naumann hat im Auftrag des Schauspielhauses das Stück „Manchmal hat die Liebe regiert und manchmal einfach niemand“ erarbeitet. Regie führt Jan Gehler, der bereits in Hamburg, Berlin und Dresden gearbeitet hat.

Bereits zum dritten Mal wird am Bochumer Theater eine Regiearbeit von Christian Brey zu sehen sein: Die Komödie „Weekend im Paradies“ von Franz Arnold und Ernst Bach erlebt ihre Premiere am 24. September. Am 22. Oktober steht mit Molières „Tartuffe“ dann eine neue Inszenierung von Hermann Schmidt-Rahmer an. In den Kammerspielen startet genau eine Woche später die Dramatisierung der Kafka-Erzählung „Die Verwandlung“, bei der Jan-Christoph Gockel erstmals in Bochum Regie führt. „Das Besondere dabei ist“, verrät Intendant Weber, „dass mit Puppen gearbeitet wird.“

Der Theaterleiter kann auch noch auf ein weiteres Novum verweisen: „Es wird eine Doppelpremiere geben. Das haben wir in dieser Form noch nicht gemacht.“ Es handelt sich dabei zum einen um die deutschsprachige Erstaufführung des Dramas „Die unsichtbare Hand“ des Amerikaners Ayad Akhtar und zum anderen um George Brants „Am Boden“. Die Inszenierung von Anselm Weber feiert am 3. Dezember in den Kammerspielen Premiere. „Das Stück der Stunde“, so der Hausherr, geht am 21. Januar 2017 erstmals über die Bühne: Max Frischs Klassiker „Biedermann und die Brandstifter“ in der Regie von Hasko Weber, Generalintendant des Nationaltheaters Weimar. Barbara Bürk, die zum diesjährigen Theatertreffen eingeladen worden ist, zeigt ihre eigene Bühnenbearbeitung der Erzählung „Am Südhang“ von Eduard von Keyserling, und zwar ab 10. März in den Kammerspielen. Hermann Hesses berühmter Roman „Der Steppenwolf“ wird von dem Niederländer Paul Koek als Musiktheaterinszenierung auf die Bühne gebracht. Premiere ist am 4. Februar in den Kammerspielen.

Marius von Mayenburgs Inszenierung der Shakespeare-Tragödie „Romeo und Julia“ wird ab 11. März im Großen Haus zu sehen sein. Am 22. April widmet sich Regisseur Jan Neumann einer anderen Facette der Liebesthematik: Christopher Hamptons „Gefährlichen Liebschaften“ nach dem Roman von Choderlos de Laclos.

Es wird auch wieder eine Koproduktionsinszenierung mit der Folkwang Universität der Künste geben. Regisseur Thomas Ladwig, der erstmals am Schauspielhaus arbeitet, bringt „Homo Empathicus“ der zeitgenössischen Dramatikerin Rebekka Kricheldorf auf die Bühne. Premiere ist am 16. Februar 2017 im Theater Unten. Maren Watermann, Regieassistentin am Schauspielhaus, zeigt mit „Finnisch“ von Martin Heckmanns bereits am 13. Januar ihre erste Regiearbeit.
Zum Abschluss seiner letzten Spielzeit am Schauspielhaus inszeniert Anselm Weber Arthur Millers „Alle meine Söhne“, das am 20. Mai im Großen Haus Premiere feiert. Roger Vontobel zeigt als seine letzte Bochumer Inszenierung einen Tag zuvor Bernard-Marie Koltès Drama „Kampf des Negers und der Hunde“ in den Kammerspielen.

„Vernetzung“, stellt Anselm Weber heraus, „ist ein Leitgedanke meiner Intendanz.“ Entsprechend stehen auch 2016/2017 verschiedene Kooperationen auf dem Spielplan. Die Bochumer Performancegruppe „kainkollektiv“ ist dabei ebenso Partner wie die „Urbanen Künste Ruhr“. Wie das Schauspielhaus beteiligen sich das Schauspiel Essen und der Ringlokschuppen Ruhr an der Ruhrtriennale Masterclass 2016, deren Thema „Zwischen den Welten“ lautet. Die Uraufführung findet am Samstag, 17. September, statt. In Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Theatern entwickelt Robert Schuster ein Projekt: „Kula – nach Europa“ erlebt am 7. Oktober im Theater Unten seine Uraufführung. Im März und April folgt ein Rückblick auf sieben Jahre Tanztheater mit „Renegade in Residence“.

Auch das Kinder- und Jugendtheater kommt nicht zu kurz. Als Kinder- und Familienstück inszeniert Barbara Hauck, die am Schauspielhaus bereits durch die Erfolgsproduktion „Bochum“ bekannt ist, Paul Maars „Das Sams – Eine Woche voller Samstage“. Das „Junge Schauspielhaus“ unter der Leitung von Martina van Boxen startet mit zwei Uraufführungen in die neue Saison: „Nalu und das Polymeer“, Fantasytheater für Kinder ab zehn Jahren, feiert am 1. Oktober Premiere. Das Tanz- und Theaterprojekt „Über Gott und die Welt“ erlebt am 1. Dezember seine Uraufführung. Auch das Großprojekt „Schulen in Bewegung“ wird fortgesetzt und feiert am 8. Juni nächsten Jahres seine Premiere in den Kammerspielen.
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