Wer entscheidet, welche Medien in den Regalen der Stadtbücherei stehen?

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Blick hinter die Kulissen der Stadtbücherei in Bochum Lektorin Beate Bischoff. (Foto: Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Referat für Kommunikation)
 
Blick hinter die Kulissen der Stadtbücherei in Bochum: Ein altes Buch über die Jobsiade. (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Referat für Kommunikation)

„Bevor die Medien in der Stadtbücherei für die Nutzer bereitstehen, muss ganz viel passiert sein“, sagt Waltraud Richartz-Malmede, Leiterin der Stadtbücherei. Im gleichen Atemzug stellt sie klar: „Was wir anschaffen, entscheiden nicht die Verlage, sondern unsere Lektoren und das Budget.“

Im Jahr 2016 stehen der Stadtbücherei 425.100 Euro zur Verfügung. „Die Frage ist allerdings“, schränkt Richartz-Malmede gleich ein, „wie viel davon tatsächlich freigegeben wird. Im vergangenen Jahr waren das letztlich nur 75 Prozent des ursprünglich veranschlagten Etats. Der Grund dafür sind Sparvorgaben. Außerdem müssen wir Mindereinnahmen aus dem eigenen Budget decken.“ So konnten in der ersten Hälfte des Jahres 2015 kaum Neuanschaffungen getätigt werden. Richartz-Malmede spricht in diesem Zusammenhang vom „Budget als Schattenlektor“. „Ansonsten wird im Haus entschieden, was wir kaufen. Das sind zum einen die Bestseller, die von den Nutzern nachgefragt werden. Zum anderen berücksichtigen wir aktuelle Themen“, erläutert sie.
Lektorin Cornelia Dörnemann, die in der Stadtbücherei das Sachgebiet Geographie und Heimatkunde betreut, wobei Literatur über Bochum einen besonderen Schwerpunkt bildet, gibt weitere Einblicke: „Unser Etat wird auf die einzelnen Lektorate und Zweigstellen aufgeteilt. Entscheidend ist für uns, was Bochumer Bürger nachfragen. Dabei können wir nicht alle Spezialinteressen bedienen. Was über Grundstudiumsniveau hinausgeht, findet man bei uns eher nicht.“ An den insgesamt sieben Standorten der Stadtbücherei – neben der Zentrale in der Innenstadt sind das die Zweigstellen in Gerthe, Langendreer, Linden, Querenburg, Wattenscheid und Wiemelhausen - finden sich immerhin 380.000 Medien, davon 240.000 in der Zentrale. Bei allen Grenzen, die das Budget setzt, steht für Richartz-Malmede fest: „Wir haben genug neue, interessante Medien.“

Gerade Reiseführer müssen aktuell sein

Aktualität spielt bei Reiseführern naturgemäß eine besonders große Rolle. „Die werden alle zwei Jahre aktualisiert“, weiß Fachfrau Dörnemann, „mit einem Madrid-Führer von 2005 kann heute kein Tourist mehr etwas anfangen.“ Die Einkaufszentrale für Öffentliche Büchereien – kurz EKZ genannt – unterhält einen Informationsdienst, den die Lektoren nutzen können, um sich über Neuerscheinungen zu informieren. „Darüber hinaus“, erklärt Richartz-Malmede, „erhalten wir Ansichtsexemplare.“ Dörnemann ergänzt: „Ich suche auch regelmäßig in Verlagsprospekten nach Literatur über das Ruhrgebiet. Bücher und andere Medien, die sich mit Bochum befassen, kaufen wir nach Möglichkeit mehrfach. Solche Medien werden auch nicht ausgesondert.“
Ansonsten kommt man in der Bücherei ums Aussortieren nicht herum, wie Dörnemann klarstellt: „Was in schlechtem Zustand ist, wird entsorgt. Was nicht mehr oft nachgefragt wird, aber noch gut aussieht, landet auf unserem Flohmarkt. Die Schnäppchen für einen Euro sind begehrt.“ - „Zuwachs und Aussonderung“, erklärt Richartz-Malmede, „halten sich etwa die Waage. Bei Überalterung leidet der Bestand; dann geht die Zahl der Ausleihen zurück.“

Gesellschaftsspiele sind bei den Büchereinutzern besonders beliebt

Denken viele bei „Bücherei“ immer noch zuerst an das gedruckte Wort, so hat es Beate Bischoff, Lektorin der Kinder- und Jugendbücherei, oft mit ganz anderen Medien zu tun. Gesellschaftsspiele sind hier von immenser Bedeutung. „Klassiker wie 'Mensch, ärgere dich nicht' werden immer wieder neu aufgelegt“, weiß sie. Sie ist aber auch immer auf der Suche nach Innovationen: „Ich bereise die Deutsche Gesellschaftsspielemesse in Essen. Da probiere ich viele Spiele selbst aus. Außerdem studiere ich Kataloge. Die geben teilweise auch die Bibliothekseignung mit an: Für uns ist nämlich wichtig, dass ein Spiel haltbar ist.“ Es gibt noch andere Kriterien: „Spiele, die Elektronik enthalten, kaufen wir meist nicht. Allein die Batterien verursachen zu hohe Folgekosten.“ Verlorene Teile können bei einem Ersatzteilservice nachgekauft werden. „Würfel und einfache Spielfiguren habe ich im Büro“, verrät Bischoff. So kann sie Verlorengegangenes bei Bedarf ersetzen.
„Wir haben etwa 750 Spiele im Bestand“, zeigt Richartz-Malmede die Größenordnung auf, „die es auf über 7.000 Ausleihen im Jahr bringen. Insgesamt hatten wir in der Stadtbücherei 2015 1,97 Millionen Ausleihen. Dabei wird das gesamte Wissen abgedeckt.“ Für die richtige Auswahl sorgen Lektorinnen wie Cornelia Dörnemann und Beate Bischoff.
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