Wie umgehen mit einem Betrüger? - Molières "Tartuffe" im Schauspielhaus

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Orgon (Michael Schütz, l.) geht Tartuffe (Jürgen Hartmann) auf den Leim. (Foto: Küster)

Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer bleibt seiner Linie in seiner „Tartuffe“-Inszenierung am Schauspielhaus zumindest in einer Hinsicht treu: Er legt auch diesmal den Finger in gesellschaftliche Wunden und weist auf Probleme hin, die höchst aktuell sind. Dabei wird er Molières weltberühmter Komödie durchaus gerecht.

Tartuffe (Jürgen Hartmann) ist ein Betrüger – das ist dem Zuschauer ziemlich schnell klar. Auch für die meisten der auf der Bühne agierenden Figuren ist das kein Geheimnis. Doch ausgerechnet Orgon (Michael Schütz), der Hausherr, hat den scheinheiligen Frömmler zu seinem Vertrauten gemacht, dem er schließlich sogar seinen Besitz überschreibt. Als Orgons Gattin Elmire (Raphaela Möst) Tartuffe als Lüstling entlarvt, ist es bereits zu spät: Orgon sieht seinen Irrtum ein, kann Tartuffe aber nicht mehr aus dem Haus weisen. Obendrein hat er dem falschen Freund ein Geheimnis anvertraut und sich diesem damit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Noch bedenklicher als Orgons Verblendung ist die Machtlosigkeit der Klarsichtigen, die sich nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen können, wie Tartuffe denn nun beizukommen sei. Orgons Sohn Damis (Matthias Eberle) kommt zu dem Schluss, Gewalt sei in diesem Fall vielleicht doch eine Lösung. Sein Onkel Cléante (Daniel Christensen) ist dagegen einer der Menschen, die zunächst einen Arbeitskreis gründen wollen, um alles gründlich zu diskutieren.

Erstaunlich aktuell

Das Stück aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts gerade jetzt auf die Bühne zu bringen, ergibt durchaus Sinn. Mit dezenten Andeutungen zieht die Inszenierung Parallelen zwischen dem Umgang mit Tartuffe und dem mit Donald Trump, der trotz offensichtlichen Mangels an persönlicher Integrität durchaus Chancen hat, der nächste Präsident einer Weltmacht zu werden.
Am Ende wird Tartuffe doch noch zur Strecke gebracht, freilich ohne dass Damis und Cléante viel dazu beitragen. Ganz so einfach wird das bei Donald Trump wohl nicht werden. Und gerade das gibt dem Zuschauer Stoff zum Nachdenken - eine gelungene Inszenierung.

Termine
Am Freitag, 11. November, um 19.30 Uhr steht „Tartuffe“ wieder auf dem Spielplan des Schauspielhauses, Königsallee 15.
weitere Termine: Mittwoch, 16. November, 19.30 Uhr; Montag, 21. November, 19.30 Uhr (18.45 Uhr Einführung im Foyer); Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr (19.15 Uhr Einführung im Foyer); Samstag, 17. Dezember, 19.30 Uhr; Montag, 19. Dezember, 19.30 Uhr
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