Wiederentdeckt: „Impossible Holidays“ von Irmin Schmidt (1991)

Der Mann flüstert gerne, wenn er seinen Sprechgesang anstimmt. Das klingt so wunderbar geheimnisvoll, verschwörerisch. Und das ist gut so, denn Irmin Schmidt ist ja auch kein Sänger. Keyboarder ist er, Komponist, Musikmacher mit unbestritten eigenem Stil. „Impossible Holidays", 1991 veröffentlicht, hieß die zweite Soloveröffentlichung des ehemaligen Stockhausen-Schülers, der seit eh und je sehr sparsam mit den Noten hantiert und somit auf die Magie des Minimums setzt.

Schmidt war Mitbegründer der Kölner „Can", die einst mit ihren rhythmusbetonten Klanggeflechten (Schlagzeug: Jaki Liebezeit, Bass: Holger Czukay, Gitarre: Mi¬chael Karoli, Gesang: Malcolm Mooney/Damo Suzuki) die Rockmusik neu definierte. Bei „Can" traktierte er die Farfisa-Orgel und entdeckte schon sehr früh, dass sich auch mit Arm und Faust knappe, dynamische und sehr klangvolle Harmonien erarbeiten lassen. Schmidt entwickelte den ökonomischen und versponnenen „Can"-Sound konsequent weiter, komprimierte ihn mal auf Song-Länge oder fabulierte fragile Melodiebögen, die sich endlos wiederholten und für eine hypnotische Hör-Atmosphäre sorgten. Schmidt agierte in der Folgezeit als Soundtrack-Musiker. Beispiele: „Messer im Kopf", der TV-Mehrteiler „Rote Erde", die Serie „Reporter" und jede Menge „Tatort"-Krimis.

Seine Film- und Fernsehmusiken wurden zwar in verschiedenen Anthologien veröffentlicht, doch erst 1987 gab's endlich eine „richtige" Platte von Irmin Schmidt, der schon seit geraumer Zeit in Süd-Frankreich lebt. „Musk at Dusk" war ein melancholisches, nachdenkliches und musikalisch phantastisches Werk. So wie auch „Impossible Holidays". Mit von der Partie: Liebezeit, Karoli, Peter Weihe, Geoff Warren, Steve Shehan, Franck Ema-Otu und als Gäste u.a. Juan Jose Mosalini, Bandoneon; Gitte Haenning, Gesang.

Mal schwelgt Schmidt in lieblichen Pop-Klischees („Le Weekend" und „Lullaby Big"), denen er allerdings mit diebischer Freude und einer sägenden Gitarre jegliche Trivialität austreibt, dann wieder brummelt er Textbrocken, unterlegt sie mit sanftem, elegischem Piano-Spiel („The Shudder of Love") oder er gibt ; schwermütige Tango-Grooves und verschüchterten Saxofon-Melodien zur Paarung frei („Time The Dreamkiller") und sorgt als Höhe- und Schlußpunkt für eine feinsinnige Improvisation, die einzig vom streng metrischen Besen-Schlag auf Snare und Becken zusammengehalten wird. Kurzum: „Impossible Holidays" ist eine spannende musikalische Urlaubsreise für Individualisten.

Irmin Schmidt, “Impossible Holidays” (WEA, 1991) oder - zusammen mit "Musk At Dusk" - als CD (Mute)

Weitere Infos: http://www.irminschmidt.com
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