Wiederentdeckt: „Sänger Live“ von Klaus Hoffmann (1994)

Er ist kein Mann für eine Nacht. Liedermachermäßig gesehen. Wer sich mit Klaus Hoffmann einlässt, der hält es dann auch schon eine ganze Weile mit dem Chansonnier aus. Muß man deswegen, da er zum Zuhören zwingt. Allerdings nur dann, wenn man bereit ist, hinzuhören. Dass das lohnt, ist klar, denn in seinen vergrübelten Versen über Gott und die Welt und über Sehnsüchte, Träume und Beziehungsknatsch war noch nie Platz für eine zeitgeistige Ex-und-Hopp-Lyrik.
Die behutsam instrumentierten Lieder, die er 1994 – da war er 43 Jahre alt - auf seiner 17. Veröffentlichung „Sänger Live" (Virgin) vorstellte, fügen sich nahtlos ins umfangreiche Gesamtwerk des Berliners - und sie sind immer noch einzigartig.
Dass der gelernte Schauspieler einst im Mai den jungen Werther gespielt hat und damit bekannt wurde, oder bei Ingmar Bergmans „Schlangenei" agierte, ist Geschichte. Sein Publikum eroberte sich Hoffmann mit diesen unvergleichlichen, diesen spannungsreichen, diesen introvertierten Liedern - "Selbstbetrachtungen", wie er sagte. In seine persönlichen Erlebnisse könne sich jeder jederzeit einklinken, da viele ähnliches erlebt haben.
Trotzdem ist der realistische Romantiker Klaus Hoffmann kein Sänger für die Masse. „Ich beneide manchmal die vordergründigen Liedermacher, die verkaufen mehr Platten als ich", warf er einst beiläufig in einem Interview mit mir ein und freute sich auch über dies: „Ich treffe Leute, die erst vor zwei Jahren in meine Lieder eingestiegen sind und die mich nun neu entdecken.“ Was er toll finde, da er sich durchaus vorstellen könne, noch mit 60 Jahren auf der Bühne zu stehen. Mittlerweile hat er die 60 überschritten. Und singen tut er immer noch. Gottseidank.
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