Absolventinnen und Absolventen bringen Erkenntnisse in die Praxis ein

Anzeige
Anna Webers (2. v. l.) und Kai Schlender (Bildmitte) präsentieren im Rahmen eines Pressegesprächs Ende September 2014 in Bochum ihre Bachelor-Urkunden. Umrahmt werden sie von Prof. Dr. Nicola Bauer (links; Leiterin des Studienbereichs Hebammenkunde), Prof. Dr. Anne Friedrichs (2. v. rechts; hsg-Präsidentin) und Prof. Dr. Anke Fesenfeld (Leiterin des Studienbereichs Pflege). Foto: hsg.
„Die Akademisierung der Gesundheitsberufe ist ein langwieriger Prozess. Ein weiterer Schritt auf dem Weg ist die Verabschiedung der ersten Absolventinnen und Absolventen unseres ersten Studienjahrgangs. Unsere besten Wünsche und auch einige Hoffnungen verbinden wir mit ihnen, da wir diese Pioniere als Botschafter der Akademisierung verstehen, die als Multiplikatoren in der Praxis und in der Gesellschaft wirken können“, erklärte Prof. Dr. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit (hsg), die als erste staatliche Hochschule für Gesundheitsberufe in Deutschland Ende 2009 gegründet wurde.

Die ersten Absolventinnen und Absolventen aller fünf neuen Studiengänge (Ergotherapie, Hebammenkunde, Logopädie, Pflege und Physiotherapie) des ersten Jahrgangs der hsg, die im Wintersemester 2010/2011 ihr Studium aufnahmen, haben die Hochschule nun mit einem Bachelor-Abschluss verlassen. Im März 2014 hat das ‚Department für Angewandte Gesundheitswissenschaften‘ die ersten 73 Absolventinnen und Absolventen der siebensemestrigen Studiengänge Ergotherapie (17), Logopädie (28) und Physiotherapie (28) verabschiedet. Im September 2014 erhielten 43 Absolventinnen und Absolventen der achtsemestrigen Studiengänge Hebammenkunde (24) und Pflege (19) eine Bachelor-Urkunde. Alle 116 gehören zu den ersten Absolventinnen und Absolventen der Modellstudiengänge in den Gesundheitsberufen in Nordrhein-Westfalen.

Die Hebammenkunde
„Alle Absolventinnen der Hebammenkunde wollen erst einmal Berufserfahrung sammeln. 13 Absolventinnen arbeiten bei einem unserer Kooperationspartner. Überwiegend sind die Absolventinnen als Hebammen im klinischen Bereich tätig, zum Teil in Kombination mit einer freiberuflichen Tätigkeit. Einige werden ausschließlich als freiberufliche Hebamme arbeiten. Eine Absolventin hat eine halbe Stelle als Hebamme in einem Klinikum und eine Teilzeitstelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der hsg“, fasst Prof. Dr. Nicola Bauer, Leiterin des Studienbereichs Hebammenkunde und Prodekanin des Departments für Angewandte Gesundheitswissenschaften, zusammen.

Da die Akademisierung der Hebammenkunde gerade erst begonnen habe, fehle im wissenschaftlichen Bereich in Deutschland noch der Nachwuchs. Bauer: „Natürlich hoffen wir, dass auch einige unserer Absolventinnen in Zukunft weiterstudieren und in Forschungsprojekten und in der Lehre mitarbeiten werden.“

Kai Esther Schlender, Absolventin des Studiengangs Hebammenkunde, nahm am 1. September ihre Tätigkeit als freiberufliche Hebamme am Niederrhein auf. Sie begleitet Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt. Gerne würde sie zusätzlich in einem Team mit anderen Hebammen außerklinische Geburten begleiten. Schlender: „Bisher habe ich leider noch kein Hebammenteam gefunden, dass in örtlicher Nähe außerklinische Geburtshilfe anbietet und eine Kollegin sucht. Aus diesem Grund kann ich zurzeit leider keine Geburten begleiten. Ich werde im November meine eigene Hebammenpraxis eröffnen, in der ich neben den Hausbesuchen, Schwangerenvorsorgeuntersuchungen, Hilfe bei Beschwerden in der Schwangerschaft und Stillberatungen anbieten werde.“

Die Arbeit als selbstständige Hebamme hat die Hoffnungen und Erwartungen der Absolventin erfüllt. „Ich freue mich, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Die Arbeit ist sehr vielseitig und ich kann viele Erkenntnisse aus meinem Studium anwenden. Das Studium war oftmals anstrengend, aber es hat sich gelohnt“, sagte Kai Schlender.

Die Pflege
„Die meisten Absolventinnen und Absolventen arbeiten aktuell auf Stellen mit einem direkten Kontakt mit den Patienten. Ihr Studium befähigt sie dazu, spezielle Aufgabenprofile wahrzunehmen, wie zum Beispiel Beratungskonzepte zu erstellen. Drei führen noch Bewerbungsgespräche, um die richtigen Stellen zu finden. Zwei werden ein Masterstudium belegen und zwei weitere überlegen, dies zu tun. Andere sind mit einer halben Stelle in Forschungsprojekten tätig. Eine Absolventin wird ins Ausland gehen“, gibt Prof. Dr. Anke Fesenfeld, Leiterin des Studienbereichs Pflege, einen Überblick über den ersten hsg-Pflege-Jahrgang.

Bereits im Rahmen ihrer Prüfungen haben hsg-Studierende der Pflege Beratungsflyer, wie zum Beispiel zu Themen wie ‚Chronische Krankheit‘, ‚Asthma bei Kindern‘ oder ‚Sexualität bei Querschnittslähmung‘ erstellt, die schon heute in der Praxis eingesetzt werden. Fesenfeld: „Sie haben Fragestellungen bearbeitet und konzeptionell umgesetzt, die unseren Kooperationspartnern Impulse geben konnten. Auch einige Bachelorarbeiten wurden in enger Abstimmung mit der Praxis erarbeitet.“

Es gehöre schon lange zum Studienalltag, dass die Erkenntnisse aus der Hochschule in die Praxis einfließen, so Fesenfeld und weiter: „Es gibt Krankenhäuser, die jetzt schon ein Jahr vor Beginn der Bachelorarbeiten nachfragen, ob bestimmte Themen für sie aufgearbeitet werden können“.

Pflege-Absolventin Anna Webers beispielsweise hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema ‚Das Erleben von Patienten mit Schlaganfall beim Übertritt von der Stroke Unit auf die Normalstation‘ beschäftigt. Webers hat seit Januar 2014 eine halbe Stelle als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Stroke Unit in ihrem vorherigen Ausbildungsbetrieb. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse konnte Anna Webers vor Ort einbringen. So sind beispielsweise wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Bachelorarbeit in die Veränderung organisatorischer Abläufe der Station eingeflossen.

Seit August 2014 arbeitet Anna Webers außerdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Pflegebedürftigkeitsprojekt, welches hsg-Professor Dr. Karl Reif mit dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen durchführt. Webers: „Ab April möchte ich einen Masterstudiengang im Bereich Pflegewissenschaft belegen und die halbe Stelle im Krankenhaus behalten“.

„Frau Webers ist als eine unserer besten Absolventinnen ein gutes Beispiel für hochschulisch ausgebildetes Pflegepersonal, das in der Pflegeforschung mitwirkt, um das Wissen für eine qualifizierte und bedarfsorientierte Pflege in die Gesundheitsversorgung einzubringen“, sagte Fesenfeld.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.