Auge in Auge mit der Natur - Forschertage für Flüchtlingskinder an der Ruhr-Universität

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Ganz besondere Forschertage erlebten geflüchtete Kinder in Bochum bei einem studentischen Projekt der Ruhr-Universität. (Foto: Kämper)
 
Insekten zu fangen und zu klassifizieren, war ein Programmpunkt des viertägigen Projektes "Natur erleben". (Foto: RUB/Marquardt)
Bochum: Ruhr-Universität Bochum |

Schallexperimente, Insekten fangen und Bodenproben – all das stand auf dem Programm der 55 Kinder, die an dem viertägigen Projekt „Natur erleben“ in der Ruhr-Universität Bochum teilgenommen haben.

Von Laura Kämper

Die Forschertage für Teilnehmer zwischen acht und 14 Jahren wurden durch „inSTUDIES“ gefördert, ein Projekt zur Weiterentwicklung der Lehre und Beratung, und mit Geldern des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finanziert. „Nur so konnten wir neben den Verbrauchsmaterialien auch Dinge wie zum Beispiel die Mensakarten der Kinder und Wasser und Obst für zwischendurch bereitstellen“, erklärte Doktor Klaus Jebbink, Oberstudienrat im Hochschuldienst.
Außerdem ist die Arbeit mit den Kindern, die größtenteils aus Flüchtlingsfamilien stammen, ein Gemeinschaftsprojekt der Didaktikinstitute der Lehrstühle Biologie, Chemie, Physik und Geographie und geschieht in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Integrationszentrum Bochum. So werden die Kinder von Studierenden betreut, die im Rahmen der Sprachförderung und des Fachunterrichts praktische Erfahrungen für den späteren Beruf als Lehrer sammeln möchten. „Die insgesamt 120 teilnehmenden Studenten teilen sich zu je 30 auf die verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächer auf und wechseln sich an den einzelnen Tagen mit der Betreuung der Kinder ab,“ erklärte Thomas Völkner, organisatorische Hilfskraft der Forschertage.

Gebrochenes Licht

In Zusammenarbeit mit dem Alfried-Krupp-Schülerlabor konnten die Kinder aus über zehn Nationen viele Experimente selbst durchführen und bekamen später die Hintergründe dazu erklärt. „Wir führen zum Beispiel vor, was passiert, wenn Lichtstrahlen an der Wasseroberfläche gebrochen werden. Dafür haben wir auch extra ein Aquarium hier“, erklärte ein Student der Physikgruppe. Um möglichst viele Experimente durchführen zu können, wurden die Kinder dabei in kleine Gruppen eingeteilt und rotierten zwischen den einzelnen Stationen. „Außerdem sind die Kinder jeden Tag bei einem anderen der vier Fächer, sodass sie auch alle Aspekte kennen lernen“, erzählte Völkner.

Alles um das Thema Milch

In der Chemie drehte sich währenddessen alles um das Thema Milch. „Wir stellen selbst Butter aus Sahne und Milch her“, erklärte Laura Schröder, die im Bereich Didaktik der Chemie arbeitet. „Am Anfang machen wir immer eine Sicherheitseinführung, teilweise auch mit Bildern, damit auch wirklich alle Kinder verstehen, wie sie sich verhalten müssen.“ Anschließend wurden verschiedene Nachweise für Zucker, Fett und Eiweiß angewandt und schließlich noch die verschiedenen Verarbeitungen von Milch selbst ausprobiert. „Die fertige Butter können die Kinder dann auch auf Baguettes selbst probieren.“ Neben den verschiedenen Verfahren gehörten aber ebenso auch das Aufräumen und Säubern des Arbeitsplatzes zu den Aufgaben der Kinder.

Biologie und Geographie

„Anfangs hatten viele Studenten Angst, dass die Kinder nicht genug Deutsch können, um sie zu verstehen, denn die Deutschkenntnisse sind sehr unterschiedlich“, erzählte Schröder. „Allerdings verstehen die Kinder meistens zumindest teilweise, was wir meinen, und helfen sich dann gegenseitig. Wenn es dann doch mal gar nicht funktionieren sollte, haben wir auch immer noch Dolmetscher, die uns helfen können.“
Im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum ging es derweil für die Kinder in der Gruppe Biologie darum, verschiedene Insekten zu fangen und deren Beine zu zählen, die einheimischen Bäume kennen zu lernen und Frösche und Molche zu beobachten. Währenddessen maßen die Kinder bei den Geographen die Fließgeschwindigkeit eines Flusses und die Windgeschwindigkeit und nahmen Bodenproben aus einem Waldstück.

Win-win

„Das Ganze ist eine Win-win-Situation,“ erklärte Völkner. „Die angehenden Lehrer sammeln praktische Erfahrungen für die Herausforderungen, vor denen sie später stehen werden. Dazu gehört auch der Umgang mit Klassen, in denen Kinder aus den verschiedensten Ländern unterrichtet werden.“ Gleichzeitig haben die Kinder eine sinnvolle Beschäftigung in der Ferienzeit, verbessern ihre Deutschkenntnisse und bekommen naturwissenschaftliche Einblicke.
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Hildegard Grygierek aus Bochum | 20.08.2016 | 08:29  
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