Besuch im "Lutherkeller" des ev. Theologen Prof. Dr. Günter Brakelmann

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Prof. Dr. Günter Brakelmann in seinem "Lutherkeller". (Foto: Schröder)
 
Einzigartige Werke hinter Glas zieren die Wand im Wohnzimmer des Bochumer Theologen: die Zeichnung eines Luther-Künstlers, die die Hände Luthers auf einer Bibel zeigt, sowie Seiten aus einer Originalschrift von Luther - luftdicht und hinter Spezialglas versiegelt. (Foto: Schröder)

"Besuchen Sie mich doch einfach mal in meinem 'Lutherkeller'", lautete die spontane Antwort auf die Interviewanfrage an Prof. Dr. Brakelmann. Eine Einladung meines früheren Professors, die ich nur allzu gerne angenommen habe.

Und das Haus des Bochumer Theologen, Sozialwissenschaftlers und Historikers, der von 1972 an am Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum lehrte, entspricht vollends den Vorstellungen, die an einen Geisteswissenschaftler gerichtet sind: Bücher, soweit das Auge reicht, und Literatur, die problemlos die Ansprüche einer historisch-theologischen Fachbibliothek erfüllt.

Ein Mann klarer Worte


Auch 20 Jahre nach seiner Emeritierung ist der 85-Jährige ein streitbarer Geist, höchst produktiv und im Gespräch so, wie man ihn aus seinen Vorlesungen und Seminaren kennt: engagiert und lebhaft, historisch bewandert und faktenreich, differenziert und analytisch und dabei höchst bodenständig. Ein Mann, der sich nie in den Elfenbeinturm der Wissenschaft zurückgezogen hat, sondern sich stets mitten im Leben bewegte. Aufgewachsen als "Querenburger Junge" (so der Titel eines seiner zeitgeschichtlichen Bücher), blieb er stets ein echter "Ruhrpottler", bezog auf der Basis christlicher Verantwortung klare Positionen und fand für die gesellschaftlichen und politischen Handlungsfelder und Herausforderungen klare und kritische Worte. Politik, Kirche und Religion waren und sind für ihn stark verwoben. Marx und Luther hatten als Denker für ihn zentrale Bedeutung.

"Nicht über Luther reden sondern ihn kennenlernen"


Seine Forschungsschwerpunkte, die er nach seiner Lehrtätigkeit in den Fokus rückte, sind das Verhältnis von Kirche und sozialer Fragen seit Beginn des 19. Jahrhunderts, der Antisemitismus, die Geschichte des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus sowie das Leben und Wirken Martin Luthers und im Zuge dessen ist er als Experte im Vorfeld des Lutherjahres 2017, das anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation gefeiert wird, äußerst begehrt.
Seine Auseinandersetzung mit Martin Luther begann schon früh, "eigentlich schon vor meinem Studium", verrät Brakelmann. Intensiv hat er sich mit dem Leben des Reformators beschäftigt und will mit den Büchern seiner Schriftenreihe dazu anregen, "nicht über Luther zu reden, sondern ihn kennenzulernen." Und in einen Dialog über seine Person und sein Werk zu treten. "Denn in der Vergangenheit ist Luther für die verschiedensten Zwecke ausgebeutet und vermarktet worden. Man hat ihn wie einen Steinbruch benutzt, aus dem jeder das herausgebrochen hat, was er für sich gebrauchen konnte. Luther als deutscher Heros, als bahnbrechender Freiheitsdenker oder als Anwalt der Ordnungsmacht. Jeder hat sich seinen eigenen Luther gezimmert und diese Gefahr besteht jetzt wieder", warnt der Theologe.

Schriftenreihe über Luther zum "Selbststudium"


Mit seinen Büchern und seinen Vorträgen will er dem entgegenwirken. Die Luthersche Schriftenreihe, an der sich auch Prof. Dr. Dieter Beese, Brakelmann-Schüler und jetziger westfälischer Landeskirchenrat, sowie der Leiter der ev. Stadtakademie in Bochum, Pfarrer Arno Lohmann, beteiligten, ist ein "Angebot an interessierte Zeitgenossen zum Selbststudium des Lebens und der Werke Luthers".
Und auch wenn Prof. Dr. Brakelmann daran gelegen ist, dass die Schriftenreihe von vielen an der Geschichte der Reformation interessierten Zeitgenossen gelesen wird, hat er noch einen Tipp: Luther selbst lesen! "So notwendig die Sekundärliteratur zur umfassenden Information ist, man sollte einen Einstieg über das Original wagen. Man betrügt sich bei Luther selbst, wenn man ihn nicht selbst liest." Denn: "Je weniger Wissen man hat, desto deftiger kann das Urteil sein!"


- Luther - Daten und Fakten; ISBN 978-3-7858-0649-4
- Luther - Ethik des Politischen, ISBN 978-3-7858-0650-0
- Luther - Müntzer und Luther, ISBN 978-3-7858-0691-3
- Luther - Gewalt und ihre Zähmung, ISBN 978-3-7858-0698-2

- Im BoD Verlag Norderstedt erschien zudem: "Vorträge zu Luther als Mensch in der Stiepeler Dorfkirche"; ISBN 978-3741295669

Alle Gottesdienste und weitere Infos zum Reformationstag finden Sie hier.
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 29.10.2016 | 22:19  
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