Bochumer Flüchtlinge lernen Deutsch in der Praxis

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Mehrere Generationen, eine Aufgabe: Die ehrenamtlichen Lehrerinnen und Lehrer müssen im Unterricht mit verschiedenen Altersstufen arbeiten. In der Praxis unterstützen die Jüngeren die Älteren auf dem Weg zur deutschen Sprache.
 
Der 18-jährige Alireza (r.) ist seit fünf Monaten in Deutschland. Gemeinsam mit Gleichaltrigen lernt er erste deutsche Wörter.

„Wir werden die Polizeiwache besuchen und gemeinsam eine Kanutour machen“, eröffnet Pastorin Daria Kraft den Deutschunterricht im Gemeindezentrum Arche in Linden.

Deutlich und langsam wiederholt sie ihre Worte und die anwesenden Flüchtlinge, die größtenteils in der Lewacker Schule und der angrenzenden Turnhalle untergebracht sind, lauschen angestrengt und versuchen einzelne Wörter zu wiederholen.
„Unsere Deutschkurse bieten wir seit dem letzten Weihnachtsfest an. 25 ehrenamtliche Lehrerinnen und Lehrer arbeiten in verschiedenen Gruppen, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen, mit den Flüchtlingen“, erzählt Daria Kraft. Die Menschen, die hier versuchen, die deutsche Sprache zu erlernen, kommen aus Afrika, Asien, Syrien, Serbien, Afghanistan und Albanien.
Im Unterricht steht nun das Thema „Polizei“ auf dem Programm: Anhand von Gegenständen wie beispielsweise einem Playmobil-Polizeihubschrauber erarbeiten die Lehrer gemeinsam mit ihren Schülern nach und nach die deutschen Begriffe. Dabei wird zunächst frontal erklärt und dann in einzelnen Gruppen intensiver gearbeitet.
Unter den eifrigen Schülern ist auch der 18-jährige Alireza. Die Verständigung auf Deutsch fällt ihm noch recht schwer und so erklärt er auf Englisch, wie er nach Bochum gekommen ist. Seit fünf Monaten ist der junge Mann in Deutschland, zunächst in Köln und Dortmund untergebracht, lebt er nun seit vier Monaten im Bochumer Südwesten. Auf die Frage, ob er allein oder mit seiner Familie geflohen sei, antwortet er, dass seine Familie noch in Afghanistan sei. Doch trotz der schwierigen Lage scheint sich Alireza gut eingefunden zu haben. Wissbegierig folgt er gemeinsam mit Gleichaltrigen den Worten seiner Lehrerin.
Über 20 geflohene Menschen aller Altersstufen nehmen an der Unterrichtsstunde teil. „Der halbe Kurs fehlt heute“, sagt Daria Kraft, „da viele endlich eine Wohnung in der Innenstadt bekommen haben. Das freut uns sehr.“ So handelt die Pastorin gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern spontan: „Wir müssen flexibel reagieren, da wir selbst oft nicht wissen, wie viele Menschen tatsächlich kommen beziehungsweise schon wieder auf einem anderen Weg sind. Besonders wichtig ist der Pastorin, dass im Unterricht nicht nur Sprache, sondern auch Kultur vermittelt wird. „Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, aus ihrem tristen Alltag, zum Beispiel lediglich einem Schlafplatz in der Turnhalle, herauszukommen und mit dem Erlernten auch praktisch umzugehen. Dabei arbeiten wir aktiv mit verschiedensten lokalen Institutionen und Vereinen zusammen. So können wir Ausflüge und Mitmachaktionen anbieten und diese wiederum in unseren Unterricht einbinden.“
Neben den Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen, die alle zwei Tage stattfinden, gibt es auch eine Erstaufnahme an der Lewacker Schule.
Für die Zukunft wünscht sich die Pastorin, dass der Weg zur Teilnahme an einem Sprachkurs für die Flüchtlinge einfacher wird: „Manchmal dauert es sehr lange, bis die Koordination greift, da wünschen wir uns künftig einen einfacheren Weg.“
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