Brücken: Einmal Recycling, einmal „alles“

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Diese beiden Eisenbahnbrücken wurden 2013 im Zuge der Errichtung des Westkreuzes neu gebaut, um Edelstahl- und Walzwerk an der Essener Straße anzubinden. Allein das hintere Bauwerk über der A448 verursachte mit allen notwendigen Arbeiten Kosten von knapp zehn Millionen Euro.

Die Edelstahlproduktion ist in Bochum seit dem 23. Juni Geschichte. Nach mehr als 100 Jahren wurde der Lichtbogenofen an der Essener Straße stillgelegt. Die Nirosta-Produktion war erst 2012 von ThyssenKrupp an den finnischen Konzern Outokumpu gegangen. Was am Standort weiterhin produziert, sind zwei Walzwerke und eine Feuerverzinkung. Die Waggons dorthin rollen über neue Bauwerke.

Dies sind nach wie vor ThyssenKrupp-Betriebe, sie wurden erst 2012 für rund 140 Millionen Euro modernisiert. Es handelt sich um ein Kaltband- und ein Warmbandwalzwerk neben der Feuerverzinkerei. Damit bleiben auch die weitläufigen Schienenanlagen weitgehend in Betrieb. Der infrastrukturelle Eingriff jenseits des Werksbahnhofs im Zusammenhang mit dem Bau des Westkreuzes wäre ansonsten als ein gut sichtbares Millionengrab zu betrachten gewesen.
Am Bau der beiden Eisenbahnbrücken für den Werksverkehr führte 2013 kein Weg vorbei. Die Überquerung der Wattenscheider Straße, finanziert von ThyssenKrupp und Outokumpu, war dabei teilweise ein Werk des Recyclings. Die alten Stahlträger, auf denen die Schienen montiert sind, wurden entrostet, instandgesetzt und wieder montiert. Auf neuen Widerlagern und neuen Brückenköpfen.
Einmal Recycling, einmal „alles“. Ein kompletter Neubau entstand über der zu trassierenden A448. Knapp zehn Millionen Euro kostete diese Maßnahme, die „Straßen.NRW“ durchführte. Die Brücke allein schlug mit drei Millionen Euro zu Buche. Damit der Schienenverkehr rollen konnte, musste zunächst eine eingleisige Behelfsbrücke errichtet werden. Es folgten die Erdbewegungen, der Neubau für drei Schienen, die Verlegung von Gleisen und ihren Verzweigungen zum Werksbahnhof – allein zwölf Weichen waren darunter – und der Abbruch der Umfahrung. 5,8 Millionen Euro kostete dies. Für die Änderung einer Rohrleitungstrasse kam noch eine weitere Million Euro hinzu.
Noch einmal zurück zu Outokumpu. Die Finnen hatten 2012 bei der Übernahme des Edelstahlwerks eine Bestandsgarantie bis 2016 abgegeben. Darüber setzte sich der neue Eigentümer alsbald mit Verweis auf zu hohe Kosten hinweg. Am Ende arbeiteten noch 230 Menschen im Drei-Schicht-Betrieb an dieser Stelle. Rund 200 Mitarbeiter waren bereits zurück zu ThyssenKrupp gewechselt, weitere werden folgen.Im stillgelegten Werksteil sind aktuell gut 100 Stahlwerker mit Restarbeiten beschäftigt. Dabei wird vor allem gereinigt, gesichert und stillgesetzt. Ende dieses Jahres haben die Finnen Bochum dann endgültig verlassen.
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