Faszination historische Eisenbahn

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Ins Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen zu gehen steht allen Interessierten offen. Einen Blick hinter die Kulissen, eine Sonderfahrt mit einer Rangierlok oder eine 360 Grad-Drehung auf der Drehscheibe gibt es aber nur mit dem Stadtspiegel Bochum.


20 Leser – von Jung bis Alt – genossen nun einen außergewöhnlichen Aufenthalt. An einem ungewöhnlichen Tag. Denn am Samstag bleiben die Tore zum Museum im Normalfall geschlossen.
Walter Thomassen, im Hause unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erklärt es: „Samstags ist hier der Großkampftag unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter. Da wird intensiv gearbeitet, an den Fahrzeugen, an den Gleisen und was sonst noch so anfällt. Da können wir keine Besucher einlassen.“ Samstags, so verrät Thomassen noch, sind schon manche Tränen bei erwartungsfrohen Jungs vor dem verschlossenen Eingang geflossen. Daher hier der Hinweis: Sonntag ist Eisenbahntag.
Die Stadtspiegel-Gruppe aber darf an diesem Samstag hinein. Museumsleiter Harald Reese begrüßt und begleitet die Gruppe in den kommenden gut drei Stunden und liefert die Infos zum Erlebnis. 1977 nahm das Museum seinen Betrieb auf. 2011 wurde aus dem vormaligen Verein eine Stiftung.

Die Dampfloks hier: ein FAHR- und viele STEH-Zeuge



Am Anfang des Stadtspiegel-Termins geht es durch den Ringlokschuppen. Zahlreiche Dampflokomotiven stehen hier, bis auf eine preußische P8 sind es jedoch STEH- und keine FAHR-Zeuge. Teilweise museal aufbereitet, aber nicht unter Dampf. Kann man weitere Loks betriebsfähig machen, wird gefragt. Gerade die 01 008 beflügelt die Phantasie. Mit ihren im Durchmesser zwei Meter messenden Kuppel- und Treibrädern zählen die Schlepptenderlokomotiven für den schweren Schnellzugdienst zu den imposantesten Vertretern der Spezies. „Das ist grundsätzlich möglich, der Aufwand – vor allem finanzieller Art – jedoch zu groß“, sagt Harald Reese. Er erklärt es am Beispiel der 01: „Allein für die Prüfung wären rund 800.000 Euro fällig, zu einem solchen Zweck muss eine Lok komplett auseinander gebaut werden. Außerdem ist der Verbrauch an Kohle für diese große Lokomotive sehr hoch. Und nicht zuletzt ist sie für den Einsatz auf verhältnismäßig kurzen Strecken mit vielen Haltepunkten nicht geeignet.“ Drei Exemplare dieser Baureihe sind in Deutschland aktuell einsatzfähig.

Musealer Aufbau und Betriebsfähigkeit



Weiter geht es durch Schlosserei und Dreherei – es sind erstaunlich kompakte Räume gemessen an den riesigen Fahrzeugen – in die Aufarbeitungshalle. Hier steht als nächstes ein Güterwagen zum Wiederaufbau an, in seinen Tontöpfen wurden einst aggressive Laugen transportiert. Wann wird er wieder rollen, lautet eine der Fragen. „Gar nicht. Solche Wagen werden lediglich museal aufgebaut und dienen nur als Ausstellungsstücke. Betriebsfähig sind in erster Linie die historischen Personenwagen, mit den wir unsere touristischen Züge bestücken“, erklärt Harald Reese. Welche Waggons museal aufgearbeitet werden, darüber entscheiden die Mitarbeiter mit.
Apropos Mitarbeiter: Wieviele Menschen arbeiten hier daran mit, dass die Faszination historische Eisenbahn erlebbar ist? „Wir haben gut 100 ehrenamtlich tätige Menschen, die hier regelmäßig aktiv sind“, antwortet Reese.
Es geht aufs Stellwerk, normalerweise ist der Zutritt für Betriebsfremde „streng untersagt“, wie es das Schild an der Treppe sagt. Gilt nicht für die Stadtspiegel-Leser, die von oben einen seltenen Blick aufs Gelände werfen können und die Funktion kennenlernen.

Ein Wagen für Hitler, Eisenhower und Brandt



Nächster Anlaufpunkt ist eine neuere Halle. Hier stehen jene Personenwagen, mit denen die Dampflokfahrten durchgeführt werden. Von tiefen Polstern bis hin zur Holzklasse 3 reicht die Auswahl, Probesitzen inklusive. Nicht mehr auf Strecke geht ein restaurierter Abteilwagen mit Geschichte. Er war Teil des „Führersonderzugs“ von Adolf Hitler, wurde später auch von US-General Dwight D. Eisenhower, den Bundespräsidenten Heinrich Lübke und Walter Scheel, sowie Bundeskanzler Willy Brandt genutzt.

Dreh auf der Scheibe, Fahrt auf der Lok



Anschließend gehts rund, im wahrsten Sinne des Wortes. Um 360 Grad rotiert die Stadtspiegel-Gruppe auf der Drehscheibe vor den 14 Toren des Lokschuppens.
Zum Abschluss wird mitgefahren. Zwar nicht auf der Dampflok, diese anzuheizen würde acht Stunden in Anspruch nehmen und das Budget für diesen Tag sprengen. Dafür geht es in Gruppen auf eine Diesellok für den Rangierbetrieb, die ein gutes Stück Gleis auf dem Gelände unter die Räder nimmt.
Strahlende Gesichter wohin man sieht – am Ende eines sonnigen Tages im Eisenbahnmuseum zu Dahlhausen.
Weitere Infos gibt es im Netz unter eisenbahnmuseum-bochum.de
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3 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 11.11.2014 | 20:03  
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Günther Gramer aus Duisburg | 11.11.2014 | 20:50  
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Ansgar de la Haye aus Bochum | 12.11.2014 | 12:25  
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