Gemeinsam Lösungen finden

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Die FamilienAssistenz bietet Beratung und Begleitung von Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Sie besteht 2017 seit 10 Jahren. Birgit Gottschling (r.), Diplom-Heilpädagogin und Familienberaterin, im Gespräch mit den Eltern Manfred Gosker und Beatrice Birkenstock (Foto: Jens-Martin Gorny / Diakonie Ruhr)

Wie reagiere ich richtig auf das Verhalten meines Kindes? Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Welche weiteren Hilfen gibt es? Kommen die Geschwister nicht zu kurz? Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung stehen im Alltag häufig vor besonderen Herausforderungen. Unterstützung, Beratung und Begleitung erfahren sie seit zehn Jahren bei der Familien-Assistenz der Diakonie Ruhr.

Beatrice Birkenstock und Manfred Gosker sind quasi Klienten der ersten Stunde. Vor zehn Jahren sind sie durch einen Flyer auf das damals neue Angebot aufmerksam geworden. Sohn Lasse, heute 22 Jahre alt, hatte damals erhebliche Schwierigkeiten in der Förderschule. Er hat eine geistige Behinderung und eine eingeschränkte soziale Kompetenz, zudem kann er sehr wütend werden.
Diplom-Pädagoge Heiner Bartelt arbeitete in Einzelsitzungen mit Lasse, brachte ihm bei, Regeln einzuhalten und mit seiner Wut umzugehen. Mutter und Vater reflektierten in Elterngesprächen ihre Situation und freuten sich über Tipps zu Fördermöglichkeiten. „Es ist gut, das mit Profis zu analysieren“, sagt Manfred Gosker. „Man muss sich die verschiedenen Hilfsangebote erst erschließen“, ergänzt Beatrice Birkenstock. „Da ist die Familien-Assistenz eine gute Anlaufstelle und hilft beim Netzwerkbau.“

Heiner Bartelt und seine Kolleginnen Birgit Gottschling, Diplom-Heilpädagogin und Familienberaterin, und Familientherapeutin Marie-Luise Schäfer begleiten Lasse und seine Eltern bis heute. Sie halfen beim Übergang in die Werkstatt, als Lasse partout weiter zur Schule gehen wollte. Zurzeit ist „Ausziehen“ das Thema – Heiner Bartelt schaut sich deshalb mit dem jungen Mann Wohnangebote in Außenwohngruppen für Menschen mit Behinderung an.

Hilfe beim Erwachsenwerden

Lasse und seine Eltern sind ein typischer Fall. „Wir begleiten viele Familien über einen sehr langen Zeitraum“, sagt Birgit Gottschling. Rund 500 waren es in zehn Jahren, davon kommen etwa 90 immer wieder. Oft sind es Übergangsphasen im Leben, in denen der Rat der Familien-Assistenz gefragt ist: die Schulwahl nach dem Kindergarten, Konflikte in der Schule, Probleme in der Pubertät, Berufswahl und Wohnungssuche. Die Unterstützung umfasst dabei alle Lebensphasen von der frühen Kindheit – in Einzelfällen schon ab der Frühförderung – bis zum jungen Erwachsenen mit etwa 27 Jahren. Die Familien-Assistenz informiert etwa über Schultypen, begleitet Gespräche, vermittelt in Konfliktsituationen und schaut, ob weitere Hilfen nötig sind, zum Beispiel eine Integrationskraft.

„Es geht viel um individuelle Hilfen“, erklärt Birgit Gottschling. Fast die Hälfte der Klienten ist alleinerziehend, etwa ein Drittel hat einen Migrationshintergrund. Ein Klassiker: Die alleinerziehende Mutter arbeitet im Schichtdienst, der Sohn hat um 15.30 Uhr Feierabend in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Wir haben da stundenweise Betreuung in einer Wohngruppe vermittelt“, sagt Birgit Gottschling. „Das erfordert intensive Verhandlungen mit den Kostenträgern, um solche Hilfen zu ermöglichen.“

Bei den Hauptthemen hat Heiner Bartelt in den vergangenen zehn Jahren eine Verschiebung beobachtet. Anfangs ging es oft um familienentlastende Hilfen. Heute stehen Inklusion und Teilhabe mehr im Fokus, besonders wenn es um die Frage der Schulwahl geht: Förderschule oder Regelschule? „Wir entwickeln gemeinsam Lösungen“, betont Heiner Bartelt.

Das Angebot der Familien-Assistenz richtet sich an Bochumer Bürger, unabhängig von Konfession und Weltanschauung. Die Beratung ist vertraulich und kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldung: Tel. 0234/9133-301 oder per E-Mail an familienassistenz@diakonie-ruhr.de.
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