Opel: Alles zurück auf Anfang!

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Das Werk ist leer, gut ist das nicht.
 
Unmittelbar neben den Toren 1 und 2 wachsen die Schuttberge in die Höhe.

Nach der Einstellung der Kohleförderung auf der Zeche Dannenbaum begann eine mehr als 50-jährige Geschichte des Automobilbaus in Bochum. Nach dem Ende dieser Ära kommt noch einmal Kohle ans Tageslicht.

Deutlich hinter der Zeit sind die Abbrucharbeiten im Bereich der ehemaligen Lackiererei des geschlossenen Opel Werks, Werksbereich I, zurück. Hier ist die Adam Opel AG im Verzug, an anderen Stellen hat der Autobauer seine Pflichten erfüllt. Dies wurde nun bei einem Rundgang durch Teile der ehemaligen Produktionsstätte deutlich. Professor Rolf Heyer, Geschäftsführer der „Bochum Perspektive 2022“: „Opel hat uns die weiteren Gebäude wie vereinbart besenrein übergeben. Dort wo Produktionsanlagen konstruktiv mit dem Hallenbau verbunden waren, hat Opel den Abriss durchgeführt.“

40 Gebäude im Besitz von „Bochum 2022“


Insgesamt umfasste Werk I 45 Gebäude, 40 davon befinden sich nun im Besitz der „Perspektive 2022“. Die Bauten sind zum überwiegenden Teil für eine Nachnutzung außerhalb der Autoproduktion nicht geeignet. Darüber hinaus fehlt es an Straßenanbindungen, die notwendig sind, wenn einem Großbetrieb auf der selben Fläche verschiedene Firmen folgen. „Später einmal soll auch der öffentliche Personennahverkehr über das Gelände führen“, merkt Professor Heyer an. Daher muss großflächig abgerissen werden. Insgesamt sind es rund 700  000 Quadratmeter umbauter Raum. Die größte Halle, D3, das frühere Presswerk, misst allein 85 000 Quadratmeter. Zur Einordnung: Die Jahrhunderthalle würde hier zwölfmal hineinpassen. D3 hat noch Gnadenfrist, für D4 und D5 naht das Ende. 235 000 Quadratmeter umfasst dieser erste Bauabschnitt, in einem Jahr soll davon nichts mehr zu sehen sein.
Über eine Verbindungsbrücke geht es aus dem Verwaltungsgebäude D1 – hierfür wird zunächst eine nachfolgende Nutzung anvisiert – in den ehemaligen Karosseriebau D4. Opel hat den eisernen Besen gründlich zur Anwendung gebracht. Absolut nichts mehr ist von den Produktionswerkzeugen, von Maschinen oder den Bändern zu sehen. Riesig liegen die verlassenen Flächen vor dem Betrachter, tote Rampen führen ins Dunkle.

Vergangenheit und Zukunft kurz vereint


Noch viel riesiger wirkt das seit 6. Dezember 2014 stillstehende Werk, wenn man ihm aufs Dach steigt. Die Gruppe steht oben auf D5 und lässt den Blick schweifen. Eine Stadt in der Stadt, Ex-Opel so weit das Auge reicht. Der westliche Teil von D6 besteht nur noch aus Fragmenten, hier waren Produktionsanlagen untrennbar mit dem Gebäude verbunden.
Hinter D6 lugt die neugebaute Brücke der A448 über der Markstraße hervor, Vergangenheit und Zukunft aus dem Stadtbild treffen in einer kurzen Gegenwart aufeinander. Dazwischen rosten die Gleise des „Opel-Bahnhofs“. Auch sie werden abgebaut, die Strecke aus Langendreer, die ursprünglich bis Dahlhausen reichte, ist Geschichte. Das Logistikunternehmen DHL soll sich in diesem Bereich ansiedeln, an einem Eisenbahnanschluss ist man dort nicht interessiert. Durch ein Treppenhaus geht es hinein in D5, hier wurden einst Kadett, GT, Manta, Ascona oder Astra endmontiert. „Leergut“ steht auf einem an einem Fenster aufgeklebten Zettel. „Leer“ ist´s, „gut“ ist das nicht. „Vorsicht Fahrzeugverkehr“ warnt ein Schild an einer Tür. Die einzige Gefahr stellen aber nur die vereinzelten Löcher im Boden dar, wo Maschinen tiefer als der Geschossboden bauten.

Kontaminierte Böden müssen entsorgt werden


Unten ist noch Bewegung, dort wird gebohrt. Hier befinden sich unter der Halle unter anderem ausstreichende Kohleschichten. Im 19. Jahrhundert wurde an dieser Stelle nach dem Prinzip der „Zeche Eimerweise“ oberflächennah die Kohle gebrochen. Nun wird geprüft, ob es Hohlräume gibt, die verpresst werden müssen. „Bei diesen Arbeiten kam auch vereinzelt Kohle ans Tageslicht“, sagt der 2022-Geschäftsführer Heyer. Das hat was von „Alles zurück auf Anfang“.
Noch eine Geschichte aus der Zeit des Bergbaus. Der Boden ist verschieden stark kontaminiert. Die einstige Zeche Dannenbaum stand auf einem stark abfallenden Gelände. Nach ihrem Ende wurde die Fläche in verschiedenen Terrassen geebnet. Zu diesem Zweck wurde Bergematerial dieses Bergwerks – und womöglich noch von anderen Zechen – verarbeitet. „1962 sprach niemand von Altlasten. Der Abraum wurde zum Geländeausgleich einfach verteilt. Daher muss dies alles analysiert und entsprechend der Ergebnisse weggebaggert werden“, so Professor Heyer.

Wenn ein Werk stirbt

Marc Keiterling Freiberuflicher Journalist
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2 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 17.08.2015 | 17:29  
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Volker Dau aus Bochum | 19.08.2015 | 22:48  
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