Sommerreise führte Bundesforschungsministerin an die hsg

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Julia Schumacher, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Pflege (im Bild rechts), erläuterte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (2.v.l.) und hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs das strukturelle und inhaltliche Vorgehen bei der Umsetzung des Themas ‚Wundmanagement bei älteren Menschen‘ innerhalb der SkillsLab-Übungen.
 
hsg-Präsidentin Prof. Friedrichs zeigt der Ministerin (links im Bild) auf dem Gesundheitscampus in Bochum den Weg hoch zur Hochschule für Gesundheit.
 
Ministerin Wanka (links im Bild) begrüßte Studierende der Hochschule für Gesundheit in Bochum. V.r.n.l.: Falk Küpper, Celine Mester und Carolin Schmidt. Fotos: hsg/André Chrost
Auf ihrer diesjährigen Sommerreise hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, am 28. Juli 2016 die Hochschule für Gesundheit (hsg) in Bochum besucht. hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs, die die Ministerin auf dem Gelände des Gesundheitscampus begrüßte, betonte, dass das Thema der Sommerreise ‚Zukunft des Lebens im Alter‘ auch ein „wichtiges Thema für die Hochschule“ sei.

Ministerin Wanka wies auf den großen Forschungsbedarf im Bereich der Gesundheitswissenschaften und Versorgungsforschung hin. Viele Fragen wie ‚Warum ist die Lebenserwartung in manchen Ländern höher?‘ oder ‚Wie funktioniert die Gehirnentwicklung im Alter?‘ seien noch zu erforschen. Auch die Verbindung dieser Themen mit der Pflege und der Frage, ‚Wie sieht die Situation in den Pflegeeinrichtungen und sozialen Einrichtungen aus?‘ sei notwendig. Wanka: „Wir müssen wissen, was funktioniert und was nicht funktioniert“.

Nachdem die hsg-Präsidentin die Hochschule kurz vorgestellt hatte, sprachen Wanka und Friedrichs über die Empfehlungen des Wissenschaftsrates (WR) zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen, die im Sommer 2012 vorgelegt wurden. Dabei hob Wanka hervor, wie wichtig ihr in diesem Prozess die Arbeit der Fachhochschulen sei: „Eine ausschließliche Ausrichtung auf universitäre Ausbildung wäre die Vernichtung von Kompetenz gewesen. Im nächsten Schritt muss sich zeigen, ob die Studiengänge und die Absolventen den Bedürfnissen der Praxis entsprechen.“

Anne Friedrichs stimmte dem zu und ergänzte, dass in einer wissenschaftlichen Bewertung nachgewiesen werden konnte, dass die Modellstudiengänge, die in Nordrhein-Westfalen nach der Einführung der Modellklauseln im Jahr 2009 starteten, erfolgreich laufen. „Das Studium vermittelt die notwendigen Kompetenzen für den Versorgungsbedarf in der Bevölkerung, der sich deutlich gewandelt hat. Die Studierenden werden anders auf die zunehmende Komplexität im Gesundheitswesen vorbereitet.“

Die Modellklauseln in den Berufsgesetzen der therapeutischen Gesundheitsfachberufe (Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie) sowie der Hebammen erlauben die Ausbildung dieser Berufe an Hochschulen und sind bis Ende 2017 befristet. Der Gesetzgeber muss bis spätestens Mitte 2017 darüber entscheiden, ob und wie die Modellstudiengänge in reguläre Studiengänge übergehen sollen.

„Wir sind aktuell in Gesprächen mit dem Land NRW, damit in einer Verbleib-Studie Erkenntnisse über die genauen Einsatzgebiete der Absolventen der Studiengänge gewonnen werden können. Der Gesetzgeber hat sich von der hochschulischen Ausbildung der Gesundheitsfachberufe eine wissenschaftlich fundierte Qualifikation der Fachkräfte versprochen, um die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich weiter zu entwickeln und die Versorgung der Bevölkerung hierdurch zu verbessern“, sagte Friedrichs.

Prof. Dr. Sascha Sommer, Prodekan des Departments für Angewandte Gesundheitswissenschaften, stellte der Ministerin das vom Bundesministerium geförderte Projekt ‚Quartier agil‘ vor. Gemeinsam mit der Hochschule Ruhr West, den Städten Bochum und Bottrop, der Diakonie-Ruhr sowie dem Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik in Dortmund arbeitet die hsg an der Entwicklung eines partizipativen Programms für ältere Menschen, in dem ihre alltagsrelevanten kognitiven und körperlichen Ressourcen trainiert werden.

„Wir sprechen in dem Pilotquartier ‚Altenbochum‘ im Zeitraum von 12 Monaten in zwei Durchgängen je 15 bis 20 Menschen im Alter ab etwa 65 Jahren ohne gravierende Gesundheitsbeeinträchtigungen an, um zu erfahren, welche Aktivitäten sie im Quartier unternehmen. So lokalisieren wir Anlaufpunkte im Quartier, so genannte Identifikationsorte, erläuterte Sommer.

Ein Baustein des Programms werden auch IT-gestützte Übungen sein, die via Smartphones an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übermittelt werden. Sommer: „Dies können Quartiers-Spaziergänge sein mit der Abfrage von Besonderheiten der lokalen Sehenswürdigkeiten oder Konzentrations- und Sprachtrainings“. Auf die Rückfrage der Ministerin, inwiefern dieses Pilotprojekt nachhaltig sei, entgegnete Sascha Sommer, dass das Ziel ein Modellmanual, ein Handbuch, sei, welches so konzipiert ist, dass dieses Programm regional und überregional in jedem Quartier angewandt werden kann. Zudem solle es als Open Source frei verfügbar sei. Für den Stadtteil Altenbochum werde im Anschluss an das Projekt ein Träger für das Programm gesucht. „Schon heute arbeiten wir dazu mit dem Seniorennetzwerk vor Ort zusammen“, so Sommer.

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Michael Wessels, Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik der hsg, Projekte des Departments of Community Health vor, die auch eng mit der Stadt Bochum verwoben sind. Dabei ging es unter anderem um das Projekt ‚Quartiersnahe Unterstützung pflegender Angehöriger‘. Wessels: „Wir erheben, welche Bedarfe pflegende Angehörige haben, um dann Lösungsansätze zu entwickeln. Was ist, wenn die Personen selbst erkranken? Welche Unterstützung wünschen sich pflegende Angehörige?“

Zudem ging Wessels auf den weiteren Schwerpunkt ‚Diversität‘ des hsg-Departments ein. Das Department habe Reallabore in den Bochumer Stadtteilen Wattenscheid und Hustadt aufgebaut. hsg-Studierende lernen hier Strukturen zu etablieren, die die soziale Teilhabe benachteiligter Menschen und Bevölkerungs-gruppen fördern und Barrieren im Gesundheits- und Sozialsystem abbauen. Wie wird die Diversität in den Quartieren erhoben? Wessels: „Wir bilden mit standardisierten Bildungsprogrammen Laienforscher aus den Quartieren, sogenannte Community-Researcher, aus, die selber Befragungen durchführen. Die Laienforscher füllen im Gespräch mit den Personen vor Ort beispielsweise Fragenbögen aus und führen Interviews.“ hsg-Präsidentin Friedrichs ergänzte, dass Laienforscher die Barrieren, wie zum Beispiel sprachliche Barrieren oder kulturelle Hemmnisse, abbauen helfen.

Im weiteren Gespräch fragte Ministerin Johanna Wanka die anwesenden Studierenden, warum sie sich für eine Arbeit mit älteren Menschen entschieden haben. Carolin Schmidt, die m zweiten Semester ‚Gesundheit und Diversity‘ studiert, antwortete: „Alter betrifft jeden, auch mich – irgendwann. Es ist unabdingbar, qualifizierte Pflegekräfte auszubilden und ich freue mich auf die Arbeit mit älteren Menschen“. Die Ministerin setzte hinzu: „Wir müssen dafür werben, dass mehr junge Leute diesen Beruf erlernen und das Studium dazu aufnehmen. Es ist auch ganz wichtig, ältere Menschen aus der Isolation zu holen. So haben wir die Chance, länger aktiv und gesund zu bleiben.“

In der letzten Station des Besuchs an der hsg erläuterte Julia Schumacher, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Pflege, der Ministerin und den weiteren Gästen im SkillsLab, das strukturelle und inhaltliche Vorgehen bei der Umsetzung des Themas ‚Wundmanagement bei älteren Menschen‘ innerhalb der SkillsLab-Übungen. „Unsere Studierenden erlernen zunächst ihre Fertigkeiten unter Anleitung an Ganzkörpersimulatoren, im weiteren Verlauf an ihren Mitstudierenden und später an Simulationspatienten. An den Puppen können wir die eigentliche Fertigkeit einüben, mit Hilfe der Menschen, an denen wir zum Beispiel die Wundmodelle anbringen, üben die Studierenden insbesondere zusätzlich die Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten ein“, erläuterte Schumacher.

Auf ihrer Sommerreise besucht die Bundesforschungsministerin zehn ausgewählte Forschungsstandorte in ganz Deutschland. Neben Bochum besuchte sie am 28. Juli 2016 die Städte Köln und Aachen. Ihre Reise führt sie unter anderem nach Stuttgart, Saarbrücken, Dresden und Greifswald.
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