Worte gegen das Vergessen - USB Azubis übernahmen erstmals Patenschaft für einen Stolperstein

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Die Auszubildenden Manuela Coutourier, Natascha Mokros, Janine Weberpold und Stephanie Dreiskemper mit Projektleiter Halwer von der Stadt Bochum. (Foto: Sarina Bühmann)
Läuft man dieser Tage über die Akademiestraße in der Bochumer Innenstadt wird man stutzen, stehenbleiben, vielleicht sogar stolpern. Am 17. September verlegte der Künstler Gunter Demnig dort vor Hausnummer 26 eine kleine gravierte Messingplatte in den Gehweg. Sie ist Leo Nachmann gewidmet, einem verfolgten und deportierten Bochumer Bürger jüdischen Glaubens. Die Patenschaft für diesen Stein übernahmen die Azubis der USB Bochum.

Eine Präsentation der Rechercheergebnisse zu den Leben von 10 deportierten Bochumer Juden und jüdischen Familien bildete jetzt im Bochumer Stadtarchiv den Höhepunkt des „Projektes Stolpersteine“. Gemeinsam mit anderen Paten, wie der Maria Sybilla Merian Gesamtschule, den Piraten und der VBW, stellten die Azubis des USB der interessierten Öffentlichkeit vor, was sie in den letzten Monaten über den Menschen hinter ihrem Stolperstein herausgefunden hatten.

Neben Leo Nachmann wurde unter anderen erinnert an die Familien Rosenthal, Jacob und Gottschalk und an den Bochumer Freiheitskämpfer Karl Springer, Namenspate für den Springerplatz in der Bochumer Innenstadt. Leo Nachmann wurde 1877 in Bochum geboren, studierte Jura und schaffte es bis zur Berufung in den Amtsgerichtsrat. Als „nichtarischer“ Richter wurde ihm Anfang der 40er Jahre Berufsverbot erteilt, 1942 wurde er verhaftet und gefoltert. Nach schweren Misshandlungen starb Leo Nachmann im Dezember 1942 in einem Essener Krankenhaus. Er hinterließ seinen Sohn Eberhardt und seine Ehefrau Anna Emma Elise.

Es war ein emotionaler Abend der Erinnerungen im Bochumer Stadtarchiv, der tiefe Einblicke in das Leben und Schicksal von Menschen bot, die nicht vergessen werden sollen. Millionen ausgelöschter Menschenleben ein Gesicht zu geben, ist das erklärte Ziel des Künstlers Gunter Demnig.

Mithilfe der engagierten Paten gelang es 10 Lebensläufe zu rekonstruieren und zu erinnern an: Leo Nachmann, Josef Rosenthal, Johanna Rosenthal, Evelyn Jacob, David Jacob, Frieda Jacob, Thea Jacob, Walter Katz, Emil van Geldern, Ida van Geldern, Adolf Gottschalk, Lina Gottschalk, Rosa Gottschalk, Renée Gottschalk, Erich Gottschalk, Eduard Alfred Schneider, Karl Springer, Michael Weyerer, Otto Auerbach, Siegfried Auerbach. Von Sarina Bühmann
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