Don Quijote am Kemnader See - Mähboot fährt wieder

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Was idyllisch erscheint, ist für den Ruhrverband eine zusätzliche – manchmal auch sehr eintönige – Arbeit, die in den Sommermonaten zum normalen Tagespensum hinzukommt. (Foto: Molatta)
 
Jedes Jahr kennt das Wassersportvergnügen am Kemnader See nur eine Grenze: Die Wasserpflanze Elodea. (Foto: Molatta)
Bochum: Kemnader See | Der Ruhrverband stellt sich am Kemnader See jährlich einem „Kampf gegen Windmühlen“. Im Sommer rückt das Mähboot aus, um die rasant wachsende Wasserpflanze „Wasserpest“ einzudämmen. Der Stadtspiegel begleitete die Arbeiter des Ruhrverbands bei ihrer mühseligen Tätigkeit.

Letztes Jahr kam das Mähboot am Kemnader See nicht zum Einsatz: Der harte und vor allem lange Winter ließ das Unterwassergewächs erst spät gedeihen. 2014 ist es genau umgekehrt, der milde Winter und ausbleibende Hochwasser haben der Pflanze verholfen, sehr früh, sehr dicht zu wachsen. Deshalb ist für die Mitarbeiter des Ruhrverbands die Mähsaison vor einigen Tagen angelaufen.
Den 72-PS-Motor des Mähboots hört man von ferne. Kapitän Michael Mergelmeier steuert den Kahn vor einen Container auf dem Gelände des Ruhrverbands am Kemnader See. Bevor wir mit an Bord des Boots gehen können, müssen zunächst die Algen von der ersten Mähtour abgeladen werden. Binnen Minuten ist der Container befüllt und das Boot wieder bereit, auf Mähfahrt zu gehen.
Jeder Handgriff des eingespielten Teams sitzt. Schließlich legen Kapitän Mergelmeier und sein Bootsbegleiter Oliver Vuletic täglich mehrmals auf diese Weise an und ab. Zeit zu verlieren gibt es nicht, denn die Arbeit auf dem Boot im Sommer ist zusätzlich zum üblichen Tagespensum.
„Wenn man auf dem Boot sitzt, fühlt man sich manchmal schon wie Don Quijote. Die Pflanze wächst am Tag etwa zehn Zentimeter. Das heißt, wenn wir in zwei Meter Wassertiefe mähen, dann ist die Elodea nach 20 Tagen wieder an der Wasseroberfläche“, schildert Michael Mergelmeier. Pro Tag kommen zwei Container mit insgesamt 24 Kubikmetern Pflanzenresten zusammen. Während das Boot auf dem See ist, holt ein LKW den Container ab und fährt das Schnittgut zum Kompostierwerk und lässt einen leeren Behälter an der Anlegestelle stehen.

Navigation per GPS

Um auf dem See immer den Überblick zu behalten und genau das Areal wiederzufinden, an dem man bei der letzten Mähfahrt aufgehört hat, zeichnet das Boot die Routen mittels GPS auf. Allerdings ist der Computer während unserer Fahrt ausgeschaltet. Mergelmeier winkt ab: „Wir sehen die Pflanze derzeit mit bloßem Auge und so auch die Schneise, die wir schon freigemäht haben.“
Ziel der Mission ist es, für die am Kemnader See ansässigen Wassersportvereine den Wasserweg freizuschlagen, damit sie in die Mitte des Sees kommen. Dort ist die Fließgeschwindigkeit höher und der Elodeawuchs geringer. Die Pflanzen werden vom Wasser mitgerissen, können sich schlechter verwurzeln. Hinzu kommt, dass hier das Personenschiff MS Kemnade verkehrt und so dem Wildwuchs der Wasserpest ungewollt entgegensteuert.
Für den Wassersport ist die Unterwasserpflanze ärgerlich, da sich die Stränge um Schwerter von Segelbooten legt, Ruder umschlingt und den Surfern und Seglern die Freude am Fahrtwind nimmt, der einem bei hohem Tempo um die Nase weht. Selbst ein Außenbordmotor mit 50 PS kann es nicht lange mit dem Wasserunkraut aufnehmen. „Fährt man damit in einen Teppich, dann ist die Schiffsschraube im Nu mit Stängeln umlegt“, erklärt Mergelmeier, „und man muss sich wieder freifahren.“

Viele Testfahrten waren notwendig

Gefahren gehen von der Elodea Nuttalii nicht aus, auch wenn der deutsche Name Wasserpest darauf schließen lässt. Im Gegenteil, sie filtert das Wasser und vermindert nochmals deutlich die Schadstoffe darin – obwohl die Pflanze sich nur in sauberen Gewässern ansiedelt. Den Namen Wasserpest hat die Pflanze, weil sie sich extrem ausbreitet – eben wie eine Pest.
Um diesem pestartigen Wildwuchs Herr zu werden und die Vereine zu unterstützen, wurde das Mähboot im Jahr 2002 angeschafft. „Die ersten beiden Jahre waren reine Testjahre. Wir sind erst viel zu schnell gefahren, bis wir bemerkt haben, dass sich die Pflanzen durch die Bugwelle hinlegen, wodurch wir sie nicht vollständig erwischen konnten“, erzählt Mergelmeier, der von Anfang an dabei war. Später haben sie herausgefunden, dass etwa drei Kilometer pro Stunde die richtige Geschwindigkeit sei, um effizient zu mähen.
Trotz aller Tests bleibt es für die Männer eine mühselige Sisyphos-Arbeit und der eine mag sie mehr, der andere eher wenige: „Manche Kollegen von uns, die könnte man wochenlang auf das Boot setzen. Ich persönlich mag lieber mehr Abwechslung bei der Arbeit“, sagt der Kapitän, der mit uns von Bord geht, während seine Kollegen die nächste Schicht übernehmen.
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