Gegner aus der Tiefe – Wasserpest wuchert im Kemnader See

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Die kanadische Pflanze stört den Freizeit- und Leistungssport auf dem Kemnader Stausee. (Foto: Molatta)
 
Wer einen Bootsausflug machen möchte, braucht ein wenig mehr Kraft als gewöhnlich, denn die Ruder sind schnell mit Pflanzen bedeckt. (Foto: Molatta)
Am Kemnader See beginnt der alljährliche Kampf mit den Wasserpflanzen in diesem Jahr erst spät. Der lange und kalte Winter hat das Wachstum der „Elodea“ hinausgezögert. Allerdings breitet sich die Wasserpest derzeit sukzessive aus.

von Harald Gerhäußer

Elodea Nuttallii heißt die Pflanze, die seit etwa 10 Jahren ihr Unwesen am Kemnader See treibt. Das Süßwassergewächs mit dem furchterregenden deutschen Namen „Wasserpest“ ist allerdings und trotz des Namens für den Menschen nicht gefährlich. „Im Gegenteil, sie filtert das Wasser und vermindert nochmals deutlich die Schadstoffe darin - obwohl die Pflanze sich eh nur in sauberem Wasser ansiedelt. Den Namen ‚Wasserpest‘ hat die Pflanze, weil sie sich extrem ausbreitet – eben wie eine Pest “, sagt Michael Kuk vom Ruhrverband. „Die Wasserpest ist keine einheimische Pflanze. Sie ist eine typische Aquariumspflanze und man geht davon aus, dass sie von dort aus ihren Weg in unsere Seen gefunden hat“, führt Kuk weiter aus. Für die Artenvielfalt im Kemnader Stausee sei der kanadische Neuankömmling allerdings nicht besorgniserregend. Elodea konkurriere mit einheimischen Süßwasserpflanzen wie Igelkolben und Tausendblatt – mal überwiegen die einen, mal die anderen, so Michael Kuk.

Für die an der Kemnade beheimateten Wassersportler ist der Einwanderer allerdings ein sehr unerwünschter Gast. In den Sommermonaten haben sie es schwer, mit ihren Booten den Kemnader See zu durchkreuzen – so dicht wachsen die Pflanzen unter der Wasseroberfläche. Die Stränge der Elodea wickeln sich um Kiel, Schwerter und Ruder und drosseln damit die Geschwindigkeit – teilweise bleiben Boote sogar stecken.

Mähboot soll nicht zum Einsatz kommen
„Normalerweise sind wir mit dem Mähboot auf den Seen unterwegs. Das bewirkt, dass die Segler und Kanuten danach an diesen Stellen zwei bis vier Wochen ihre Sportart ungebremst ausüben können. Durch den langen Winter und weil die Saison nun schon fast beendet ist, rückt das Mähboot dieses Jahr jedoch nicht mehr aus“, schildert Michael Kuk.
Als biologische Gegenwehr setzt der Ruhrverband zusätzlich zum Mähboot jedes Jahr mehrere hundert Kilo Rotfedern in den betroffenen Gewässern aus. Die karpfenartigen Fische ernähren sich überwiegend von jungen Wasserpestpflanzen und sollen so helfen, deren Ausbreitung im Zaum zu halten.

Maßnahmen mit geringem Nutzen
„Die Maßnahmen nutzen allerdings nur wenig“, sagt Gerd Döring, 1. Vorsitzender des Kanu Club Wiking Bochum 1951. „In ein paar Tagen oder Wochen wird es wieder so weit sein, dass wir von unserem Steg aus nicht mehr zur Seemitte kommen. Selbst das für Trainings- und Rettungszwecke angeschaffte Motorboot ist schon steckengeblieben. Jedes Jahr stellen wir uns im Sommer die Frage, wie lang wir noch trainieren können. Dabei stehen wir vier Wochen vor den Deutschen Meisterschaften in Köln.“

Auseinandersetzungen zwischen Wassersportlern
Zunehmend gebe es auch Auseinandersetzungen mit Surfern, Stand-up-Paddlern und Seglern, weil die befahrbare Fläche auf dem See immer kleiner würde, so Döring. „Der KC Wiking braucht eine Trainingsbahn von 1.000 Metern und diese freie Bahn ist derzeit nur noch in der Mitte des Sees zu finden.“ Da die anderen Sportler die Trainingsbahn der Kanuten je nach Wind und aufgrund der Elodea durchkreuzen müssen, geraten sich die verschiedenen Sportarten auf dem Kemnader See immer öfter ins Fahrwasser.
„Es handelt sich dabei aber um ein generelles Problem: Der Ruhrverband und die Freizeitzentrum Kemnade GmBH (FZK) müssen für die Zukunft klären, was aus dem See werden soll. Ob er zur reinen Freizeitmeile wird – oder ob der Wassersport zukünftig seinen Stellenwert behalten soll“, sagt Döring.
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