Tauben sind keine Wasservögel

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Erschöpft kuschelt sich das Täubchen in die wärmende Hand
 
Müde Augen zeigen die Erschöpfung
In dem kleinen Hafen, in dem unsere „Windspeel“ liegt, kommt man/frau ja mit dem einen und/oder anderen Bootseigner ins Gespräch. Während wir also mit jungen Leuten, die „Neueigner“ eines Segelbootes geworden waren, auf deren Steg Seemannsgarn sponnen, hörten wir unter einem anderen Steg Flügelflattern und sahen Wasser aufspritzen. Wir schauten uns um und sahen drei Stockenten, die um ein nicht deutlich zu erkennendes anderes Geflügeltier herumschwammen, welches heftigst mit den Flügeln ins Wasser schlug.
Zunächst glaubten wir an eine Möwe, die da mit einem erbeuteten Fisch gegen dessen Überleben kämpfte. Nachdem das Flügelschlagen und Wasserspritzen jedoch deutlich weniger wurde, sich die vermeintliche Möwe jedoch nicht in die Lüfte erhob, schauten wir genauer hin und sahen....eine Taube !!!!
Mein Liebster rannte diesen Steg auf und jenen Steg ab, legte sich beherzt auf den Bauch, griff unter den Steg, holte eine triefende Taube aus dem Wasser. Das Tierchen wehrte sich nicht, blieb ganz still in der Hand sitzen, gab keinen Laut von sich und guggte nur mit müden Taubenaugen umher. Es war total erschöpft, vermutlich hätte es nicht viel länger dauern dürfen bis zur Rettung. Das Tierchen kuschelte sich an den warmen Segelpullover ihres Retters.

Bei vorsichtiger näherer Betrachtung erkannten wir, dass es sich nicht um eine Wildtaube handeln könne, da sie um ein Beinchen einen mit Zahlen beschrifteten Ring trug.
Nun .. was tun .. mit dem verstörten und erschöpften Tierchen??  Einfach wieder freilassen kam nicht infrage, es hätte ja in dem erschöpften Zustand gleich wieder im Wasser landen können. Drum nahmen wir das Täubchen mit auf unser Boot
Dort legten wir es vorsichtig in eine mit einem Handtuch kuschelig gemachte Plastikschüssel und, da es bereits Abend war, legten wir noch vorsichtig ein Handtuch über das Täubchen, damit es weiter zur Ruhe kam.

So hatten wir nun einen Übernachtungsgast, der mich jedoch nicht wirklich gut schlafen ließ. Zwar verhielt sich das Täubchen äußerst ruhig, gab keinen Mucks von sich, jedoch befürchtete ich, dass, wenn es wieder munter würde, es in unserem kleinen Boot fliegenderweise umherirren würde und sich womöglich sonst was brechen könnte.
Als es am anderen Morgen langsam begann hell zu werden, hörte ich leichtes Rascheln. Das Täubchen lugte vorsichtig unter dem Handtuch hervor und bewegte sich aus der Plastikschüssel heraus. Es wollte gerade zu einem Flug ansetzen, als sein Retter es dann doch besser vorsichtig wieder in die Hand nahm und wir nach draußen ins offene Cockpit krabbelten. Als er die Hand langsam öffnete, flog das Täubchen zunächst auf den Bootsrand und schaute sich zu uns um.

Kurz darauf startete es dann weiter durch auf das Dach eines gegenüberliegenden Bootes.
Dort verbrachte es fast eine Stunde, drehte sich immer zur heraufsteigenden und immer mehr wärmenden Sonne, wohl um sein Gefieder richtig zu trocknen.

Als das dann wohl trocken genug war, startete das Täubchen und flog in einem großen Bogen über das Hafengelände.
Und als ob es sich bei seinem Retter „bedanken“ wollte, flog es noch einmal über uns hinweg und glücklicherweise in Richtung Land.
Ich wünschte, ich wüsste, ob es dort angekommen ist, wo es hingehört.
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2 Kommentare
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 26.10.2013 | 14:12  
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Ingrid Helmboldt aus Bochum | 26.10.2013 | 16:23  
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