200.Verhandlungstag am OLG München: Makabres Jubiläum beim vielleicht größten Straf-Verfahren der deutschen Rechtsgeschichte?

Anzeige
Briefkopf der Pressestelle des OLG München , TPD-Repro: Volker Dau
München: OLG München | Makabres Jubiläum beim vielleicht größten Straf-Verfahren der deutschen Rechtsgeschichte?

Da die Verhandlungs-Tage in den Pressemeldungen der Pressestelle des OLG München praktischerweise durchnummeriert sind fiel mir auf:

Donnerstag, 23.April 2015 ist bereits der 200. Verhandlungstag im Verfahren Beate Z. und Co…

Darauf habe ich die Pressesprecherin kontaktiert und folgende Antwort erhalten: (Hervorhebungen von mir…)
Sehr geehrter Herr Dau,

zwar kann ich nicht alle großen Verfahren in München überblicken, mir ist aber kein Verfahren in Erinnerung, das sich über einen so langen Zeitraum mit so vielen Verhandlungstagen hingezogen hat.
Wir haben gerade noch ein paar Verfahren überprüft, bei denen ich es zumindest für möglich hielt, die wurden aber jeweils nach sehr viel weniger Verhandlungstagen abgeschlossen.


Viele Grüße

Andrea Titz

Richterin am Oberlandesgericht
Leiterin der Pressestelle bei dem Oberlandesgericht München

Zu den nummerierten Terminhinweisen:
für die Woche 22.04.2015 – 23.04.2015

(199. bis 200. Verhandlungstag)



Strafverfahren gegen Beate Z. u. a. wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung u.a. (NSU)


Folgende Zeugen und Sachverständige sind zu den nachfolgenden Terminen geladen (Stand 15.04.2015):




Donnerstag, 23.04.2015 (Foto- und Filmaufnahmen vor Sitzungsbeginn erlaubt!)

09.30 Uhr Katrin D.
(Erkenntnisse zum Angeklagten Ralf W.)
11.00 Uhr Bernd T.

13.00 Uhr Anton J.
(Erkenntnisse zum Ermittlungsverfahren in der Schweiz gegen die Verant-
wortlichen der Fa. Schläfli und Zbinden u.a.)



Die Zeugenvernehmungen finden im Sitzungssaal A 101 (Schwurgerichtssaal), Nymphenburger Straße 16, im Strafjustizzentrum München statt.

Soweit zum 200. Verhandlungstag in München….


Nun habe ich überlegt welche Verfahren es in der Nachkriegsgeschichte der deutschen Justiz mit ähnlich langer Zeit gegeben haben könnte!


Ich wurde nur zwei Mal fündig, beide Mal blieb es aber bei unter 200 Verhandlungstagen bis zur Urteils-Verkündung was ich hier dokumentieren möchte:


RAF – Prozess in Stuttgart Stammheim:


Prozessverlauf

Die Prozessdauer von 192 Tagen sowie der Umfang der Anklageschrift (354 Seiten) und der Prozessakten (ca. 50.000 Seiten) belegen, dass es sich um einen der größten Prozesse der Bundesrepublik handelte.
Die Staatsanwaltschaft plante laut Anklageschrift[1] die Vorladung von 997 Zeugen, darunter die Mutter von Andreas Baader, die Schwester und Eltern von Gudrun Ensslin, den Ehemann von Ulrike Meinhof und nahe Verwandte von Holger Meins und Jan-Carl Raspe. 80 Sachverständige und ein Dolmetscher wurden bestellt.



Frankfurter Auschwitz-Prozess:


Am 6. Mai 1965, nach 154 Prozesstagen, wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Die Plädoyers der Anklagevertreter, der Nebenklagevertreter und der Verteidigung nahmen 22 Verhandlungstage in Anspruch.
Die am 19. August 1965 begonnene Urteilsverkündung dauerte zwei Tage. Nach 183 Verhandlungstagen war die „Strafsache gegen Mulka und andere“, wie sie nach Robert Mulka, dem Ranghöchsten der Angeklagten, benannt war, abgeschlossen.

Die Urteile lauteten auf sechs lebenslange Zuchthausstrafen, eine zehnjährige Jugendstrafe (der Angeklagte Hans Stark war erst 19 Jahre alt, als er nach Auschwitz kam) und zehn Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und vierzehn Jahren. Drei Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

--- Nun habe ich vergeblich weitere Fälle gesucht.... Wer bietet mehr aus der "Rechts-Geschichte"? ---

Nachtrag: "FS-Zwischen-Bilanz":

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-79449.html
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
13.694
Volker Dau aus Bochum | 22.04.2015 | 20:20  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.