Bochum schönt Zahlen zu Geburtenrate

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(Foto: By Avsar Aras)
Bochum: Rathaus | Das klingt toll! Die Stadt teilt mit, in Bochum gäbe es einen Babyboom. Die Geburtenrate in Bochum sei im letzten Jahr um 6% gestiegen, weil die Stadt so familienfreundlich ist. Blöd nur, wenn man die Zahlen aus den Pressemitteilung nachprüft, ist festzustellen, dass diese vom Presseamt wohl gezielt geschönt und falsch dargestellt wurden.

Denn die Pressemitteilungen suggerieren, in Bochum ist es aufgrund der tollen Familienpolitik entgegen dem Trend in NRW zu einem Babyboom gekommen. Während hier in der Stadt mehr und mehr Babys geboren werden, weil die Stadt so familienfreundlich ist, gingen sonst im Ruhrgebiet die Geburtenzahlen zurück.

Die Fakten sind jedoch ganz andere. Tatsächlich lag Bochum 2011 hinsichtlich der Geburtenziffer mit weitem Abstand auf dem allerletzten Rang der 53 kreisfreien Städte in NRW (Geburtenziffern NRW). Daran dürfte sich trotz des erfreulichen Anstiegs der Geburten 2012 kaum etwas ändern. In keiner Stadt in NRW werden weniger Kinder geboren als in Bochum. So familienfreundlich kann die Stadt wohl dann doch nicht sein, zumindest scheinen die Angebote der Stadt keine bessere Wirkung zu haben als in anderen Städten. Wären die Angebote so super, wie von der Stadt dargestellt, müsste die Geburtenrate der Stadt doch mindestens die der anderen Ruhrgebietsstädte erreichen.

In ihrer Pressemitteilung behauptet die Stadt, die Geburten seien 2012 um 150 (+6 %, eigentlich nur 5,6%, aber von der Stadt großzügig gerundet) gestiegen (Pressemitteilung 1), in der anderen PM (Pressemitteilung 2) dagegen heißt es „Im Jahr 2012 wurden insgesamt 2.388 Neugeborene durch das Begrüßungsteam willkommen geheißen = 85,56% aller neugeborenen Kinder wurden erreicht (2012).". Wenn man diese Zahlen zurück rechnet, dann kommt man auf einen Anstieg der Geburten von nur 123, das sind nur 4,6% (basierend auf 2668 Geburten 2011, gem. IT-NRW).

Auch redet die Stadt in einer Pressemitteilung davon, dass die Geburtenrate schon im letzten Jahr um 3% gestiegen sei. Das steht im Gegensatz zu den Zahlen des statistischen Landesamtes (Geburtenziffern NRW). Nach denen sind die Geburten von 2010 nach 2011 in Bochum nicht gestiegen, sondern um 50 gesunken (-1,8%).

Nicht nur hat die Stadt bewusst die Information unterschlagen, dass die Geburtenrate in Bochum wohl auch 2012 die niedrigste in NRW ist, sondern hat offensichtlich auch noch die Zahlen manipuliert und geschönt.

Schlimm nur, dass es immer noch Journalisten gibt, die die Informationen der Stadt ungeprüft übernehmen (RN, Stadtspiegel), obwohl alle wissen, dass Zahlen, die von der Stadt veröffentlicht werden, mit aller größter Vorsicht zu behandeln sind. Denn die Stadt steht mit dem Rücken zur Wand und tut alles um ihr Image aufzupolieren, wie man auch hier wieder sieht.

Die Journalisten wissen doch wie es um die Stadt steht. Wenn eine Stadt Grundschulen schließt, so dass in den verbleibenden Schulen statt 22 wie von der Landesregierung gefordert in Bochum regelhaft 28-30 Kinder sitzen müssen, eine Stadt 200-400 Mio. Sanierungsstau bei den Schulen wegen unterlassener Instandhaltung vor sich her schiebt und trotzdem den Schuletat um 10% kürzt, dann handelt die Politik in dieser Stadt nicht familienfreundlich.

Zu denken geben sollte der städtischen Presse auch, wenn sich wie bei der Wimmel-Attacke hunderte von Eltern über schlechte Betreuungsmöglichkeiten in der Stadt beschweren.

Wer in diesem Wissen einfach die Propaganda aus den Pressemitteilungen der Stadt verbreitet, muss sich den Vorwurf der Hofberichterstattung gefallen lassen.

Das ist schade, denn die Probleme der Stadt lassen sich nicht lösen, wenn sie die Stadt ignoriert und in peinlichen Pressemitteilungen schön redet. Es ist erforderlich, dass die Dinge endlich auf den Tisch kommen, dass die städtische Presse darüber unabhängig berichtet und den Menschen genau erklärt, was in dieser Stadt schief läuft. Nur so können die Dinge offen in der Stadt diskutiert werden und mit den Menschen Lösungen gefunden werden.

Ja, es ist schön, wenn die Geburtenrate wieder steigt. Der Trend geht in die richtige Richtung, aber es ist noch viel zu tun, denn Bochum hat wohl nach wie vor die geringste Geburtenrate in NRW. Der Handlungsbedarf bei Politik um Bochum zu einer familienfreundliche Stadt zu machen, die dieses Prädikat auch verdient, ist riesig.

Volker Steude, BÄH - Bochum ändern mit Herz
(ruhrblogxpublik)
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