Das war eine Rede mit "Blick in die Zukunft".... Weihnachtsansprache 2006 von Bundespräsident Horst Köhler

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Bundespräsident Köhler (Foto: Bundespräsidialamt)
Berlin: Schloss Belevue | Weihnachtsansprache 2006 von Bundespräsident Horst Köhler
Schloss Bellevue, 25. Dezember 2006

Bundespräsident Horst Köhler sitzt an einem Schreibtisch; links hinter ihm steht ein Weihnachtsbaum, rechts die Standarte.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

meine Frau und ich wünschen Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten.

Es war ein gutes Jahr für Deutschland. Die Fußball-Weltmeisterschaft war kein Märchen. Sie zeigte eine fröhliche und tüchtige Nation, und die ganze Welt hat sich mit gefreut. Da bleibt etwas.

Die Zahl der Arbeitslosen geht endlich zurück. Die Investitionen der Unternehmen steigen. Unsere Produkte sind weltweit gefragt, und die Reformen der vergangenen Jahre beginnen zu greifen. Die Mühe hat sich gelohnt. Viele haben zu der guten Entwicklung beigetragen. Ich danke allen herzlich dafür.

Der Aufschwung gibt uns Rückenwind. Nutzen wir die Chance, unser Land nachhaltig einzurichten auf die Herausforderungen der Zukunft. Arbeit zu schaffen für die Menschen in Deutschland - das bleibt für mich die wichtigste Aufgabe. Das ist auch die entscheidende Antwort auf Armut und Ausgrenzung. Arbeit hilft uns, das Leben aus eigener Kraft zu meistern, und vermittelt Lebenssinn. Deshalb müssen wir alles tun, damit die jungen Menschen Zugang zum Berufsleben finden. Der Schlüssel dazu heißt: Gute Bildung für alle.

Und wir sollten auch viel besser begreifen, welchen Schatz wir im Wissen und der Erfahrung der Älteren haben - nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in unserer Gesellschaft insgesamt.

Deutschland ist keine Insel. Wir stehen in einem internationalen Qualitätswettbewerb, der alle Bereiche unseres Zusammenlebens betrifft: Welcher Nation gelingt es am besten, die schöpferischen Kräfte ihrer Menschen zu wecken? Wie offen ist eine Gesellschaft für Neues? Was bietet sie jungen Familien? In welchem Land gibt es die besten Schulen und Hochschulen?


Wie gut gelingt das Miteinander von Einheimischen und Zuwanderern?


Das alles hängt auch von politischer Gestaltung ab. Deshalb geht es bei diesem Wettbewerb auch um die Qualität von Politik.


Gute Politik - das heißt zunächst einmal Aufrichtigkeit bei der Einschätzung unserer Stärken und Schwächen.

Das heißt Mut, sich Ziele zu setzen und sich daran auch messen zu lassen. Und das heißt Stetigkeit und Stimmigkeit im Handeln. Das alles dürfen wir erwarten. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass es immer ohne Streit abgeht. Fairer Streit um die Sache und das Ringen um vernünftige Kompromisse sind in der Demokratie unerlässlich.

Alle, die sich in diesem Sinne engagieren, verdienen Vertrauen und Wertschätzung. Deshalb bitte ich Sie: Machen Sie mit, dass neues Vertrauen entstehen kann. Unser Land ist im Umbruch. Und da liegen Erfolg und Misslingen oft eng bei einander. Freuen wir uns über Erfolge. Die verdienen Anerkennung. Und reichen wir denen die Hand, die Misserfolg haben, damit sie sich wieder aufrichten. Auch das schafft Vertrauen.

Deutschland - das sind wir alle. Lassen Sie uns gemeinsam auf unsere freiheitliche Demokratie acht geben. Vergessen wir nicht unsere Verantwortung im Kleinen. Sie ist Teil der Verantwortung für das Ganze. Fühlen wir uns zuständig für Deutschland. Es ist unser Land; ein Land, in dem es sich zu leben lohnt. Ich kenne kein schöneres.

Weihnachten ist das Fest der Familie. Ich möchte deshalb heute ganz besonders die Familien in unserem Land grüßen - vor allem diejenigen, die in diesem Jahr ein Kind bekommen haben oder eines erwarten. Ich weiß um die Sorgen, die damit zusammenhängen können. Aber ich kenne auch das Glück und die Zuversicht, die die Geburt eines neuen Erdenbürgers bedeuten. Ich freue mich mit allen Eltern. Und ich wünsche mir, dass unsere ganze Gesellschaft entschieden "Ja" zu Kindern sagt.

Die Weihnachtsgeschichte, wie sie in der Bibel überliefert ist, beschreibt alles andere als eine heile Welt: Maria und Josef finden nur in einem Stall Unterkunft; Maria kann ihr Neugeborenes nur auf Stroh betten; und dann muss die Familie vor einem mörderischen Tyrannen fliehen. Es ist wahrlich keine heile Welt, in der die Weihnachtsgeschichte sich ereignet. Aber mit dieser Geschichte ist eine ganz neue Hoffnung in die Welt gekommen. Diese Hoffnung wünsche ich heute vor allem denen, die einsam oder krank sind, die keine Perspektive mehr sehen. Meine Gedanken sind bei Ihnen.

Ich denke heute auch an die Frauen und Männer, die Weihnachten nicht mit ihren Lieben feiern können, weil sie auch an diesem Abend an den unterschiedlichsten Orten für ihre Mitmenschen im Einsatz sind. Mein herzlicher Weihnachtsgruß gilt besonders den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die sich fern der Heimat für unser aller Sicherheit und Freiheit einsetzen. Ihnen allen danke ich herzlich!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich wünsche Ihnen, dass Sie Gelegenheit haben, über die Feiertage ein wenig auszuspannen und neue Kraft zu schöpfen.

Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes und erfolgreiches neues Jahr!


-- Hervorhebungen von Volker Dau --
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3 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 25.12.2015 | 20:18  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 25.12.2015 | 22:09  
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Wolfgang Demolsky aus Bochum | 31.12.2015 | 21:13  
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