DJane Ottilie und das Märchen vom Zuhören

Anzeige
(Foto: Bild: Volker Steude via bszonline.de)
Bochum: Rathaus | BlauPause: „Eine Lernfabrik von überragender Scheußlichkeit“ (dieWelt) feierte vergangenes Wochenende 50jähriges Bestehen. Im Anschluss an die Feierlichkeiten auf der gesperrten Universitätsstraße fand(en) vor dem Rathaus die „Blaue Stunde“(n) statt, bei der von 18 bis 23 Uhr Bochumer Prominente Platten auflegten, die für die einzelnen Jahrzehnte der RUB stehen sollten.

Unter dem Eindruck von gestellten Fotos bekamen Hans Wurst und Lieschen Müller dann vielleicht den Eindruck, dass Frau Dr. Ottilie Scholz zum Auftakt wirklich Platten auflegt, die meisten anderen Gäste dürften es besser gesehen haben. Aber Bochums Oberbürgermeisterin und RUB-Rektor Elmar Weiler durften zumindest als erste die Musik „auswählen“, um den Startschuss zu einer eigentlich gemütlichen Abendveranstaltung zu geben.

Eigentlich gemütlich, wären da nicht diese ewig nervenden Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen

… kurz jene Menschinnen und Menschen, deren berufliche Zukunft aufgrund einer Streik-Schlichtung derzeit auf einem fernen Verhandlungstisch liegt. „Friedenspflicht“ nennt man das, und es bedeutet, dass nicht gestreikt werden darf. Die lieben Eltern dürfen wohl längst aufgeatmet haben, übrigens auch solche – man munkelt es gebe sie noch da draußen – denen sehr wohl bewusst ist, das diese Leute noch nach einem Gehaltsgefüge (mit Inflationsausgleich) von 1991 arbeiten. Und auch solche, die von den nicht-streikenden Zuständigen des Jugendamtes verarxxxt werden, indem angeblich behauptet wurde, die Kapazitäten für Notgruppen zur Kinderbetreuung seien ausgelastet: Eine dreiste Lüge, um die Eltern gegen die Streikenden aufzubringen, denn laut anderen Angaben waren lediglich 9 von 50 Plätzen belegt.
Eigentlich gemütlich also, wären nicht eben diese Friedens-Verpflichteten ebenfalls zur Blauen Stunde gekommen und hätten ihrem Unmut über ihre Situation mit schwarzem Packband vor dem Mund und mit Protestschildern „leisschwach“ (weil stumm) geäußert.
Aber warum waren sie denn so unzufrieden?

Vielleicht weil sie von Frau Dr. Scholz zweimal nicht im Rathaus empfangen wurden? Weil die OB "keine Zeit hatte", sich Beschwerden und Forderungen der Beschäftigten wenigstens anzuhören. Stattdessen wurde Personaldezernentin Frau Collisi vorgeschickt, die den Streikenden den Vorwurf machte, es gehe ja nicht nur um sie (die Streikenden), sondern um „das da“ (wobei sie auf zwei am Boden sitzende Kinder verwies).
Vielleicht weil es manchen Bürgern unter Umständen suspekt erscheint, wenn eine scheidende Oberbürgermeisterin sich keine Zeit mehr für kommunale Beschäftigte nimmt, aber Zeit findet, als DJane Schuffle MC vor dem Rathaus abzufeiern?

Es hätte gemütlich werden können, wenn nicht – wahrscheinlich auf Anweisung des Veranstalters – ein Haufen Security Leute den stumm Protestierenden entgegen gestellt wurde, womöglich um dein Vibe von Frau Scholz nicht zu stören; zumindest aber, damit die Proteste aus ihrem Blickfeld verschwinden sollten. Denn was man nicht sieht, hört man auch nicht. Nach Beschwerden auch einiger Passanten, die ihrem Unmut über ein solches Verhalten Luft machten, wurde dann der Nothebel gezogen: Polizei. Denn so geht es nicht, liebe Leute. Eine beschauliche Veranstaltung zu stören durch … ähh … ja, sagen wir: Schilder hochhalten.

Moment mal, das war doch noch was in München? Hatte sich die Polizei da nicht äußerst zufrieden über die friedvollen Proteste gegen den G7 Gipfel in Elmau geäußert? Wurden da nicht auch Schilder hoch gehalten?
Schwamm drüber, über G7 meckern hat ja eine Lobby. Kritisch über die amtierende OB von Bochum reden sollte man natürlich nicht. Das ist unfein!

Glücklicherweise handelte die Polizei den Umständen entsprechend. Wie der Zufall es wollte war unter anderem nämlich auch ein Beamter eingesetzt, der in den Tagen zuvor bereits die Ver.di Kundgebungen in der Innenstadt begleitet hatte, und somit bestens vertraut war mit dem „Aggressionspotential“ der Streikenden. Einigermaßen erstaunt soll er sich erkundigt haben, ob denn das Schilder hochhalten alles wäre, was die gewaltbereite Protestmasse aufzubieten hätte – er war ja immerhin auch an Trillerpfeifen und Sprechparolen gewöhnt (erfahrener Veteran). Aber: Ja, war alles. Schwamm drüber.

Auch ohne Rathaus-Party könnten die nächsten Tage nun eigentlich gemütlich werden. Wäre da nicht die Aussicht, dass die Schlichtung schief läuft und kommunalen Beschäftigten, die trotz Ausbildung und/oder Uni Abschluss nicht so viel verdienen wie ein Diplom Ingenieur (auch Uni Abschluss), wieder auf die Straße rennen, um Oberbürgermeisterinnen beim Musikmachen zu stören. Aber beschweren darf man sich ja nicht, wenn man nach Ausbildung und Studium trotzdem noch mehr verdient als ein Müllmann. Liebe Müllmänner, wenn ihr streikt, baut ein DJ Pult auf, sonst kommt die OB nicht.

Blaue Stunde – weisse Bescheid. Wie man als Politiker eine ungünstige Figur abgibt, kann man sich bei den beiden (o.g.) genannten Damen durchaus gerne abgucken. Gestellte Bilder sind wichtiger, als den Menschen zuzuhören; #Mediengesellschaft #Läuft
Nun, wenn Frau Dr. Scholz auch die nächsten paar Wochen bis zu ihrem Ausscheiden damit verbringt, auswärts die Bevölkerung zu bedudeln, dann könnte man ja vielleicht kurzfristig eine Flüchtlingsfamilie (5-7 Köpfig) auch in ihrem Büro unterbringen. Oder es bietet sich kurzfristig als Notunterkunft für unbetreute „das da’s“ (s.o.) an, falls nun doch wieder gestreikt werden sollte. Zumindest bis Wölfi, Klaus oder Omid den Stuhl übernehmen. Da das Büro ohnehin leer steht …

Glück Auf!
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
14
Doris Kampe aus Bochum | 12.06.2015 | 10:25  
14
Doris Kampe aus Bochum | 12.06.2015 | 10:25  
1.869
Marion Kamerau aus Bochum | 12.06.2015 | 10:39  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.