Einzelbewerbertraum Bundestag

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Logo mit dem Abbild der Bundesrepublik und der Zahl 299 und der Schrift "BürgerInnen in den Bundestag" (Foto: Marianne Grimmenstein www.buergerkandidaten.de)
Bochum: Rathaus |

Warum treten so viele Einzelbewerber zur Bundestagswahl an, auch wenn sie praktisch keine Chance haben, ins Parlament gewählt zu werden? Wird es einer/einem gelingen? Eine solche Einzelkämpferin ist Karin Schäfer in Oberhausen, am Ende des Wahlschein´s.

Zur Bundestagswahl 2017 wollen weit mehr als 2.500 Menschen als Direktkandidierende in einem der 299 Wahlkreise antreten. Rein mathematisch stehen die Chancen, ins Parlament gewählt zu werden, also ungefähr bei 1:10. NRW hat mit 64 Wahlkreisen, die meisten der 299 der „Direkt“ gewählten Abgeordneten im Bundestag zu stellen.

Aber warum nehmen diese Menschen den anstrengenden Wahlkampf in Kauf, ohne strukturelle und finanzielle Unterstützung einer Partei - wo sie doch wissen, dass ihre Chancen gleich Null sind, in den Bundestag einzuziehen?

Die Beweggründe der EInzelkämpfer sind vielfältig: Politik aktiv mitgestalten, den Bundestag bunter machen, ganz nach dem sportlichen Wettbewerbsgedanken einfach mal dabei sein oder auch Frust über die etablierten Parteien. Mit 200 Unterschriften kann man sich als Einzelbewerber in seinem Wahlkreis aufstellen lassen.

Die Tagesschau berichtete unlängst, dass Kandidatinnen und Kandidaten der großen Parteien mit bis zu 70.000 Euro aus dem Privatvermögen dabei sind. Wer als Einzelbewerber mindestens 10% der Stimmen im Wahlkreis auf sich vereinen kann, dem wird pro Stimme 2,80€ vom Staat erstattet.

Bei der Bundestagswahl hat jeder Wähler zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt man einen Kandidaten aus seinem Wahlkreis (das Bundesgebiet ist in 299 Wahlkreise aufgeteilt). Nur der Bewerber mit den meisten Stimmen zieht direkt in den Bundestag ein; es genügt die einfache Mehrheit. Falls ein Einzelbewerber es tatsächlich schaffen sollte, in den Bundestag einzuziehen, entfallen alle Zweitstimmen der Wähler, die ihm ihre Stimme gegeben haben.

Unabhängig von den Zweitstimmen der 63 Parteien, spiegelt sich in den Erststimmen vielleicht ein Trend ab, den die Prognoseinstitute, die Medien bisher nicht auf dem Schirm haben. Es geht vielleicht auch wieder um Glaubwürdigkeit gegen Beliebigkeit und Gleichgültigkeit.

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