Frauenberatungsstelle Nora hilft in allen Lebenslagen

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Ganz zentral residiert die Beratungsstelle Nora auf der Kortumstraße, Ecke Südring.

Im Gebäude gibt es u.a. auch noch eine Rechtsanwaltskanzlei, eine Arztpraxis und ein Übersetzungsbüro. Mitarbeiterin Ute Würtz sagt dazu: „Das ist ein großer Vorteil, weil Frauen nicht fürchten müssen, dass jeder gleich weiß, dass sie zu uns wollen.“
Dabei haben keinesfalls alle Frauen, die in die Sprechstunde kommen, gravierende Probleme. „Neulich war eine Frau bei uns, die ihr Rentnerinnendasein aktiv gestalten möchte. Sie wollte bei uns Ideen einholen, da wir schließlich gut vernetzt sind“, erinnert sich Würtz.
Mädchen und Frauen werden zunehmend über das Internet auf die Beratungsstelle aufmerksam.
Würtz und ihre Kollegin Babett Görnert setzen auch auf Mund-zu-Mund-Propaganda und Multiplikatorinnen, wenn es darum geht, im Bochumer Stadtgebiet noch bekannter zu werden: „Viele kommen auf Empfehlung von Verwandten, Kolleginnen, Freundinnen oder Lehrerinnen zu uns. Presseberichte spielen ebenfalls eine Rolle. Faltblätter und Visitenkarten weisen in den Räumlichkeiten verschiedener Behörden auf unsere Angebote hin.“
Manche Ärzte, Rechtsanwälte und Psychotherapeuten verweisen Patientinnen bzw. Klientinnen an die Beratungsstelle. Auch manche Mitarbeiter des Jobcenters und des Jugendamtes vermitteln Mädchen und Frauen weiter.
Hier deutet sich bereits an, dass sich viele der Hilfesuchenden in schwierigen Lebenssituationen befinden. Manche wollen ihrem Leben eine neue Richtung geben und benötigen dabei Unterstützung. Görnert nennt eine weitere häufige Ausgangssituation: „Das Verhältnis zu den Eltern muss auch neue Grundlagen gestellt werden, etwa weil sie pflegebedürftig geworden sind.“
Kollegin Würtz ergänzt: „Wir sind grundsätzlich für alles ansprechbar. Wenn es sinnvoll ist, vermitteln wir an andere Institutionen weiter.“
„Die Beratung ist kostenlos und erfolgt auf Wunsch anonym. Die Frau kann das Gespräch jederzeit abbrechen, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Ein neuer Anlauf ist in jedem Fall möglich“, erläutern die beiden Beraterinnen die Grundprinzipien ihrer Arbeit, „selbstverständlich sind wir an die Schweigepflicht gebunden.“
In die offene Sprechstunde können Frauen ohne Termin kommen. „Wenn Frauen einen Termin außerhalb der Sprechzeiten vereinbaren möchten, tun sie dies am besten telefonisch“, ergänzt Görnert.
Nora e.V. blickt als Verein bereits auf eine fast zwanzigjährige Geschichte zurück. Im Jahre 1996 begann die Arbeit mit Hilfen beim beruflichen Wiedereinstieg und entsprechenden Weiterbildungsangeboten.
Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin steht Frauen in diesem Bereich auch heute noch zur Seite. „Es geht schließlich darum, Frauen auch bei der Lösung finanzieller Probleme zu helfen“, verdeutlichen Görnert und Würtz.
Seit 2001 ist der Verein Träger der allgemeinen Frauenberatungsstelle. Dass das gerade in diesem Jahr geschah, ist kein Zufall, denn zu diesem Zeitpunkt wurde in Deutschland das Gewaltschutzgesetz erlassen.
„Dieses Gesetz verfolgt einen proaktiven Ansatz. Dadurch hat sich der Zugangsweg zu Frauenberatungsstellen grundlegend verändert“, ordnen die beiden Expertinnen die Bedeutung dieses Meilensteins für ihre Arbeit ein.
Das Gesetz soll Gewalt in Beziehungen wirksam bekämpfen. Alarmieren ältere Kinder oder Nachbarn, vielleicht auch die betroffene Frau selbst, die Polizei, suchen zwei Beamte das Paar auf.
Sie führen mit Täter und Opfer getrennte Gespräche, um die Gefährdungslage einzuschätzen. In der Folge kann ein zehntägiger Wohnungsverweis gegen den Täter verhängt werden. Unter der Formel „Wer schlägt, der geht“ ist dieses Vorgehen bekannt geworden.
Die Daten des Opfers – also in den meisten Fällen die der Frau – werden von der Polizei aufgenommen. Stimmt die Frau zu, werden ihre Kontaktdaten an eine Beratungsstelle, also z.B. an Nora, weitergegeben.
Am nächsten Werktag erhält die Beratungsstelle dann ein Fax, das auch das Protokoll enthält. So kann der Frau ein entsprechendes Beratungsangebot gemacht werden. Es kann dabei auch um die Möglichkeit gehen, die Wegweisung des Partners verlängern zu lassen.
Den Beraterinnen geht es darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, so dass die jeweilige Frau die Optionen überblickt, die sie hat.
Eines ist Würtz dabei besonders wichtig: „Hier wird keine Frau dazu gedrängt, sich von ihrem Partner zu trennen. Die Beratung verläuft grundsätzlich ergebnisoffen.“
„Manche der Frauen hoffen, dass die Wegweisung für ihren Partner ein Schuss vor den Bug ist. Sie lieben den Mann vielleicht noch. Auch aufgrund finanzieller Abhängigkeiten schrecken einige Frauen vor einer Trennung zurück“, schildert Würtz.
Sie ergänzt: „Solche Frauen sehen sehr klar, dass eine Trennung für sie den Gang zum Jobcenter bedeutet. Das wollen sie unbedingt vermeiden. Manchmal droht der Mann der Partnerin auch, ihr im Falle einer Scheidung die Kinder wegzunehmen.“
Auch wegen ihres geringen Selbstbewusstseins kämen die betroffenen Frauen mit einer solchen Situation nicht gut zurecht. „Deshalb leiten viele Frauen erst nach zwei oder drei Anläufen tatsächlich die Trennung ein“, wissen die Beraterinnen Görnert und Würtz, „zur körperlichen kommt nämlich oft noch die psychische Gewalt, die die Frauen zermürbt.“
Görnerts Forderung lautet daher: „Die Gesellschaft müsste viel intensiver diskutieren, wie Gewalt zu definieren ist.“
Die Entwicklung der letzten Jahre stimmt die Nora-Mitarbeiterinnen verhalten optimistisch: „In den siebziger und achtziger Jahren ist die sexualisierte Gewalt allmählich als schwerwiegendes Problem anerkannt worden. Heute sind wir immerhin so weit, dass wir über häusliche Gewalt sprechen können.“
Durch das Gewaltschutzgesetz sei das dringend benötigte Signal gesetzt worden, dass Gewalt nicht zu tolerieren ist. Tatsächlich habe sich dadurch das gesellschaftliche Klima zum Positiven verändert.
„Es gibt Anhaltspunkte, dass sich die Dunkelziffer bei häusliche Gewalt verringert hat, weil Frauen heute eher bereit sind, ihren Peiniger anzuzeigen“, stellt Görnert heraus.
Von besonderer Bedeutung sind hierbei das bundesweite Hilfetelefon für Opfer häuslicher Gewalt und die ergänzende Homepage. „Die Möglichkeit zum Chat ist niedrigschwellig und sicher, weil jederzeit der Notausstieg gewählt werden kann“, ist es Görnert wichtig zu betonen.
Die Homepage ist übrigens auch eine Fundgrube für Multiplikatoren wie etwa Lehrer und Angehörige medizinischer Berufe.
Würtz macht noch einmal deutlich, wie viel noch zu tun ist: „Häusliche Gewalt ist sehr viel stärker verbreitet, als allgemein angenommen wird.“
Der Beraterin ist daher ein Hinweis an ratsuchende Frauen, besonders aber an Gewaltopfer wichtig: „Viele Frauen glauben, unsere Beratungsstelle sei nicht für sie gedacht, weil es anderen doch noch viel schlechter gehe. Dabei ist jedes Problem gravierend und sollte – vielleicht mit unserer Hilfe – angegangen werden.“
Immer wieder motivieren lassen sich Görnert oder Würtz durch die Erfolge ihrer Beratungsarbeit: „Die Frauen entwickeln eine ungeahnte Stärke und Zielstrebigkeit. Bei uns wird auch durchaus gelacht.“
Im Rahmen des „Netzwerks gegen häusliche Gewalt in Bochum“ beteiligt sich Nora an einer Plakatkampagne gegen häusliche Gewalt, für die die VfL-Spieler Andreas Luthe und Patrick Fabian gewonnen werden konnten.
Für Ute Würtz ist bei solchen Aktionen sorgfältig abzuwägen, ob sie der Sache auch tatsächlich dienlich sind: „Bei Kampagnen mit prominenten Männern besteht immer die Gefahr, dass das eigentliche Thema in der Berichterstattung in den Hintergrund gerät.“
Ob Frauen speziell durch die Kooperation mit dem Fußballverein auf die Beratungsangebote aufmerksam werden, lasse sich jetzt noch nicht sagen.
„So etwas wirkt immer erst nach einer gewissen Anlaufzeit. Viele Frauen tragen die Telefonnummer einer Beratungsstelle erst wochenlang bei sich, bevor sie sich zum Anruf entschließen“, weiß Würtz aus Erfahrung.
Das Nora-Team setzt auf die positive Langzeitwirkung: „Die Aktion mit dem VfL ist ein weiterer Mosaikstein, um das Thema häusliche Gewalt stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.“
Dabei wollen Görnert und Würtz auch mit gängigen Klischees und Vorurteilen aufräumen: „Häusliche Gewalt gibt es in allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Eine erfolgreiche Berufstätigkeit schützt Frauen nicht davor, Opfer häuslicher Gewalt zu werden.“
Besonders wichtig ist Nora auch die Mädchenarbeit. „Gemeinsam mit der Volkshochschule bieten wir Wendo-Kurse für Mädchen zwischen neun und zwölf Jahren an. Es gibt auch einen Aufbaukurs für Zehn- bis Vierzehnjährige“, konkretisieren Görnert und Würtz.
In diesen Kursen vermittelt eine ausgebildete Trainerin Techniken der Selbstverteidigung und -behauptung. Wendo versteht sich nicht als Kampfsportart, sondern als Präventionsprogramm gegen Gewalt.
Das Beratungsangebot von Nora nähmen vor allem ältere Mädchen ab etwa 15 Jahren wahr, geben die Beraterinnen Einblick. „Dabei geht es um Probleme im Elternhaus und die erste Beziehung, die manchmal auch schon von Gewalt geprägt ist“, erklärt Würtz.
Um mit der manchmal belastenden Beratungssituation fertigzuwerden, nehmen die beiden psychosozialen Mitarbeiterinnen Supervision in Anspruch. Hier können sie ihre Erfahrungen reflektieren.
„In der täglichen Konfrontation mit Gewalt wächst mein Zorn auf die Gesellschaft, die das zulässt. Bei der Arbeit mit Gewaltopfern hilft es mir, mir immer wieder klarzumachen, dass jede Frau für sich selbst verantwortlich ist und ihre eigenen Entscheidungen treffen muss“, sagt Würtz.
Görnert lernte die Arbeit mit Gewaltopfern schon durch ein sechsmonatiges Praktikum während ihres Studiums kennen und entschloss sich daraufhin, diesen Weg fortzusetzen.
Anders war es bei Würtz. „Ich hatte zunächst Bedenken, eine solche Aufgabe zu übernehmen, bin dann aber hineingewachsen“, erinnert sie sich.
Finanziert wird die Arbeit der Beratungsstelle durch das Land Nordrehein-Westfalen und die Stadt Bochum. „Hin und wieder werden uns Bußgelder zugewiesen. Spenden spielen dagegen keine große Rolle“, erläutert Würtz.
Am 25. November will Nora gemeinsam mit dem Frauenhaus und evangelischen Gruppen erneut auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen – schließlich handelt es sich um den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, den die UNO 1999 eingeführt hat.
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