Freie Bürger Bochum: Des Menschen Leid mit dem Baum

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v.l.n.r.: Der Baum, der im Weg steht (Bochum-Weitmar), der Baum, der touchiert wird (Bochum-Werne), der Baumstumpf, der vergessen wurde (Bochum-Hiltrop).
Ein Baum soll des Bürgers Freund sein. Manchmal allerdings leidet die Freundschaft gewaltig. Wie in jenem Fall auf der Hattinger Straße in Weitmar, wo ein schmuckes Nutzholzgewächs mitten aus dem Gehweg heraus wächst und zum Hindernis geworden ist. Verärgerte Passanten informierten die Freien Bürger, die sich im Juli dieses Kuriosums annahmen.

"Eine Tatsache, die schon sehr speziell ist", wie Fraktionschef Jens Lücking seinerzeit bemerkte. Hinzu kommt, dass das Wurzelwerk die Gehwegdecke anhebt, so dass Fußgänger, Radfahrer oder Rollatorenfahrer leicht ins Straucheln geraten können. Lückings Anfrage im Umweltausschuss sollte es richten, dass sich die Verwaltung kümmert und eine bürgerfreundliche Lösung vorschlägt.

Dieser Tage nun erreichte die Freien Bürger die Antwort der Verwaltung, die auf das Jahr 1910 verweist, als dort (vor dem Gebäude der heutigen Hausnummer 302-310) eine Kastanie gepflanzt und aus Gründen der Verkehrssicherheit 1999 gefällt wurde. Im Jahr 2000 wurde ein neuer Baum gesetzt und zwar genau an der gleichen Stelle, wohl wissend, dass er dann mitten im Weg stehend aufwachsen und für Verengung und für Ärger sorgen wird.

In Richtung Straße, so der entschuldigende Unterton, hätte man ihn wegen wichtiger Versorgungsleitungen nicht verschieben können. Zudem sei geprüft worden, dass die sichtbaren Huckel keine Stolperkanten seien und nach gültiger Rechtssprechung keine Unfallgefahr darstellen. Kurzum: Der Baum bleibt.

"Diese weitschweifige Erklärung überdeckt eine Fehlentscheidung, die vor 13 Jahren getroffen wurde", sagt Lücking und fügt hinzu: "Für den Bürger stellt sich das nun so dar: Hier drückt man sich vor einer Lösung, hier wird das Problem ausgesessen".

Wie lange Zeit auch in Werne. Besorgte Anwohner berichteten dem stv. Fraktionsvorsitzenden der Freien Bürger, Sascha Merz, dass eine schief gewachsene Platane in der Straße "Zur Werner Heide" den Verkehr von Transportern und LKW stört und er von hohen Fahrzeuge regelmäßig touchiert werde. Der extreme Neigungswinkel baut Druck auf und hebt sichtbar den Bürgersteig an. Seit geraumer Zeit ist dies ein heiß diskutiertes Thema bei den Menschen, nicht aber im Bezirk.

"Das ist schon ein starkes Stück", wunderte sich Merz und kritisierte den "verschatteten Blick der Verwaltung auf die Realität", der allerdings nun ein wenig freier geworden ist, seitdem Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch kurzfristig den Platanen-Fall zur Chefsache deklariert hat.

Jetzt muss er sich nur noch in den "Fall Weitmar" einklinken oder beispielsweise auch in die "Baumstumpf-Affäre Hiltroper Straße" (so genannte "Soda"-Stümpfe, weil sie funktionslos nur so da stehen). Dann gibt es gewiss vernünftige Lösungen, die die Bürger gutheißen werden. Und dann sind Natur und Mensch auch wieder eins und versichern sich weiterhin ihre Freundschaft.
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2 Kommentare
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Gerd Szymny aus Bochum | 16.10.2013 | 14:54  
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Gerd Szymny aus Bochum | 16.10.2013 | 15:19  
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