Gelungener Auftakt im Bahnhof Herleshausen -- Neues Spätheimkehrermuseum lockt mehr als 600 Besucher

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Original - Suchschilder im Museum im Bahnhof Herleshausen . (Foto: Foto Museum Bahnhof Herleshausen)
Herleshausen: Bahnhof | Gelungener Auftakt im Bahnhof Herleshausen -- Neues Spätheimkehrermuseum lockt mehr als 600 Besucher


Vier eindrückliche Großdrucke, im Raum platzierte Original-Suchschilder sowie Uniformen in Vitrinen fangen die dramatische Atmosphäre ein, die von Oktober 1955 bis Januar 1956 am Herleshäuser Bahnhof herrschte.

„Bilder sagen mehr als Worte“, so Alexis Prinz von Hessen in seinem Grußwort anlässlich der Eröffnung der Spätheimkehrerausstellung !

Wie viele Herleshäuserinnen hatte auch seine Großmutter im Winter 1955/56 am Bahnsteig gewartet – vergeblich.


Der Großvater kehrte nie zurück.

Mehr als 600 Menschen aus Nah und Fern nahmen an der vom neu gegründeten Verein GrenzBahnhof für Zeitgeschichte Herleshausen e.V. organisierten Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Ankunft des ersten Spätheimkehrerzuges teil.

Viele von ihnen verbinden mit Herleshausen bis heute persönliche Momente, die sie ihr Leben lang nicht losgelassen haben.

Werner Minkenberg aus Bebra, einer der wenigen noch lebenden Spätheimkehrer, bezeichnet den Tag seiner Ankunft in Herleshausen als seinen „zweiten Geburtstag“. Keinen Tag könne er ohne die Gefangenschaft leben, so Minkenberg. Mit seinen Aufzeichnungen „Gefesseltes Leben im Schatten“, die einen großen Teil der Ausstellung einnehmen, möchte er die Erinnerung an das Unaussprechliche lebendig halten. „Es hat sich gelohnt zu überleben“, so Minkenberg im beeindruckenden Zeitzeugengespräch.

Günther Walter aus Gotha, dessen Vater den ersten Zug am 12. Oktober 1955 in den Bahnhof Herleshausen steuerte,

überreichte dem Verein einen Becher, den ein Gefangener damals aus dem Fenster geworfen hatte. „Nun ist er am richtigen Ort“, so Walter. Dies empfindet auch Sybill Knickenberg aus Münster. Als Fünfzehnjährige begegnete sie ihrem Vater Dr. Ludwig Krabbe erstmals am Herleshäuser Bahnhof.
Als sie im Sommer 2015 den Impuls verspürte, noch einmal dorthin zu fahren, lernte sie einige Vereinsmitglieder kennen und stellte sofort einen Großteil ihrer persönlichen Unterlagen dem neuen Museum zur Verfügung.

Einen tiefen Eindruck hinterließ auch der Gedenkgottesdienst am Sonntag in der bis auf den letzten Platz gefüllten ehemaligen Wartehalle.


Der gemeinsam gesungene Abschlusschoral „Nun danket alle Gott“ ließ Erinnerungen an den Kinderchor wach werden, der bei der Ankunft der Spätheimkehrer viele Menschen so stark berührte, dass sie nach Jahren erstmals wieder weinen konnten.


In Anwesenheit der Familie Dr. Riebe erinnerte die Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Helga Gogler an die übermenschlichen Leistungen der damaligen Leiterin Ingeborg Riebe,

die für die Versorgung der Spätheimkehrer und Tausender Angehöriger das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Klaus Gogler vom Werratalverein bezeichnete das neue Museum als einen Ort der lebendigen Erinnerungskultur, der neue Impulse für die Gemeinde Herleshausen setzen könne.

Das Museum Spätheimkehrer wird am 1. Samstag und Sonntag im Monat von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet sein.

Zu gesonderten Terminen wird der Verein sein Konzept des Bürgerbahnhofs weiter entwickeln und vorstellen.

Weitere Informationen unter www.grenzbahnhof-fuer-zeitgeschichte.de. Kontakt: info@grenzbahnhof-fuer-zeitgeschichte.de
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 22.11.2015 | 23:09  
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