"Grenzauflösungen" - Wie steht´s mit der Rolle der Frau?

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Wahrnehmung ist perspektivistisch.
Wir sehen das, was wir zu sehen wünschen. Ich wollte nicht das sein, was der Spiegel der Leute mir zu spiegeln wünschte. Sie bezogen den Spiegel für mein Ich aus ihren eigenen Seelen und die wanderten mit teuflischer Eingebung oder göttlichem Geist oder auch schlechtem Wetter kreuz und quer.
Sie reduzierten meinen Blick auf ihre Art zu sehen, sagten mir, wie ich war und ich glaubte ihnen, weil ich nicht wusste, wie ich war.
Ich hatte vergessen, mir eine konforme Maske zuzulegen und demaskierte naiverweise andere häufig in ihrem Streben und Drang, etwas Größeres zu sein oder darstellen zu wollen als sie waren. Mein innerer Spiegel war ehrlich nahe dran an mir und trotzdem hatte ich mich jahrelang unterdrückt, weil ich andere wichtiger genommen hatte als mich.
Das gerne betriebene konventionelle Rollenspiel von Frauen, zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse vorgetäuschte emotionale Zuwendung zu verteilten, bei Missmut nicht laut und direkt - sondern sanft hinterhältig zu werden, hatte ich satt. Wenn mir etwas unecht erschien, so war dies das vielgepriesene Lächeln von Frauen.
Ich sprach mit einer Verschleierten. „Ihr lächelt so lieb und nett und werdet stark unterdrückt. Wie passt das zusammen? “ - „Nein, ich trage den Schleier ganz freiwillig. Mein Mann ist so lieb...“ Sie bemühte sich weiterhin zu lächeln, doch es entgleiste ihr. Im Fortgang sagte sie: „Männer sind verrückt“ und wedelte mit der Hand vor ihrer Stirn.
Mag sein, dass Lächeln in diesen Gesellschaften für Frauen lebensnotwendig ist, doch Frauen hierzulande nutzten es oftmals zum Vorteils-Erheischen, begaben sich in eine unschuldig naive Mädchenart, um somit den unausweichlich folgenden Beschützerinstinkt auszulösen. Welche Frau sagte schon: „ Nein, ich kann das selbst“ wenn ihr ein Mann Hilfe anbot? Sie lächelte sich, gewollt oder ungewollt, in unselbständige Hilflosigkeit.
Doch Frauen verpassten gerne den um männliche Gunst rivalisierenden Mitstreiterinnen boshafte und falsche Spitzen, denn Frauen mordeten nicht - sie mischten Gift.
Ältere Frauen, die ich in Bus und Bahn traf, hatten häufig einen bösartigen Lebensfrust in ihren heruntergezogenen Mundwinkeln und verkniffenem Augen, neidisch bereit, alles und jedes zu ahnden.
Und das wissenschaftlich hochgelobte „Multitasking“ von Frauen schien vornehmlich jüngeren Datums zu sein, ein ökonomischer Aspekt, noch mehr Leistung in noch weniger Zeit zu erzeugen.
Die Handelsware „Jugend und Sex“ gestattete Frauen großartige Karrieren, wobei herkömmliche Rollenfixierungen werbewirksam bedient und eingesetzt wurden und männliche Bezogenheit auf weibliche Körperlichkeit Frauen häufig auf eine Objekt – Funktion reduzierte. Geist und Ratio schienen weniger wichtig.

Auch die Sexualität, der Akt des Verbunden Seins, verkam in der westlichen Gesellschaft zunehmend zur kommerziellen Ware, clever von der Werbung mit ihrem archaischen Aufmerksamkeitscharakter eingesetzt. Größtmögliche Potenz mit größtmöglicher Leistungsfähigkeit waren die im vermeintlich rationalen Konsum-Sucht-System einzig akzeptierten Möglichkeiten, Triebe schnell und effektiv zu befriedigen. Sex-Energie musste in der Gesellschaft der Konsumenten jederzeit spontan abgearbeitet werden. Doch oftmals rührte diese Sucht aus einem emotionalen Energiemangel und führte zu Missbrauch jeder Fasson.
Selbstverständlich gab es auch immer Frauen mit einem autoritär sadistischen Charakter, die Macht und Machtmissbrauch wie ihre männlichen Gegenparts betrieben, oftmals aufgrund mangelnder Anerkennung und Bestätigung.
Ein verschuldeter oder unverschuldeter Bruch im Lebensweg, der nicht zur Ausübung positiven Potentials geführt hatte, mündete vielleicht sogar in Gesellschaftshass und infolgedessen zur Mitgliedschaft in faschistischen oder autoritären Bewegungen. Darin unterlagen Männer sowie Frauen gleichsam dem Aggressionsabbau eigenen Lebensfrustes mit der Illusion eines persönlichen Machtpotentials.

Neu erwacht zeigte mein innerer Spiegel keine eindeutig wohlproportionierte Frauengestalt, die ich auf bestimmte Normen und Definitionen festlegen wollte. Ich fand Vergnügen an freigeistigem Denken und bewältigte meine Traumata durch schöpferische Kunstformen.
Die ökonomisch aufgezwungene Bedürfnisbefriedigung der Konsumwelt war hohl, bewegte sich an der Oberfläche des Scheins, sie unterhielt – aber nicht mich! Meditation und Natur gaben Kraft – Konsum, Computer und Fernsehen nahmen sie.
Ich suchte eine Grenze des Denkens.
Kant hatte geglaubt, er habe die Grenze gefunden und somit statuiert, doch in der Entwicklung tun sich immer neue Horizonte auf, sobald man sie erreicht hat. So tat sich auch bei mir keine absehbare Grenze auf, denn je mehr Wissen ich mir süchtig und ehrgeizig aneignete, desto unbegrenzter erschienen die Daseinsräume.
An manchen Tagen allerdings sprang mich eine intellektuelle Einsamkeit an, doch ich wandte mich dem Schreiben zu, um mich an jemanden zu wenden. Es wurde gut, doch ein gutes Werk brauchte auch eine gute Inszenierung des Künstlers, der das Werk schuf.
In Kaufhäusern und Second-Hand Läden suchte ich nach einer perfekten Inszenierung meines neuen Selbst und hatte doch die Inszenierung bereits in mir. Direktheit und Kampfeswille schienen in und aus mir herauszuwachsen.
Eine Frau als Frau geboren wurde als Frau erzogen, maßgeschneidert in Puppenkleidchen gesteckt und auf die milde Rolle als Frau hingerichtet.

Stammmutter Eva hatte durch ihre neugierige Schuld, Wissen und Erkenntnis zu erlangen, die Menschheit ins Verderben gestürzt und die Erbsünde über der Erde gebracht, während Adam lediglich von dieser boshaften Abtrünnigen verführt worden war, was folglich alle nachfolgenden Adams legitimierte, Eva als unmündiges Kind zu behandeln und ihr Verantwortung und Mündigkeit abzusprechen.
Ökonomisch gesehen musste Adam das Habe sichern und vermehren und wer im Besitz des Materiellen war, konnte herrschen. Auf diese These bezogen sich zumindest einige große Weltreligionen, aber auch in anderen Kulturen hatten machthungrige und emotional verkümmerte Männer den größten durchsetzungsfähigen Erfolg. Gerade durch rücksichtslose Gefühllosigkeit wie die eines Gehirn-lädierten Psychopathen erkämpften sie in Politik und Ökonomie - Macht, Geld, Status und Ansehen - und belächelten die weiblich Unwissenden, die sie wissentlich unwissend hielten.
Die patriarchalische und imperialistische Denkweise war über Jahrhunderte ekelhaft entwürdigend gewesen. Ähnlich entwürdigt hatten sich Frauen entwickelt, weitergetragen durch Mütter und Väter von Herrschaft zu Herrschaft, von Unterdrückung zu Unterdrückung.
Einen Kampf gegen Ungerechtigkeit aufzunehmen ergab sich erst in Proportion zum zugefügten Leid und den daraus resultierenden Schmerzen. Unterdrückung erforderte Aufbegehren, doch die zweite Herrschermacht Religion machte es Frauen doppelt schwer, sich aus der aufgepressten Rolle zu befreien.
Kämpferinnen einst und jetzt hatten unzweifelhafte Rechte gegen Meinungen männlicher und religiöser Idiotie gefordert, doch die männliche vermeintlich aufgeklärte Bevölkerung saß auf den besten Posten und gebrauchte intern sexistische Sprüche zur Machtregulierung ihres angeblichen Vormachtanspruchs.
Stellte man fest, welchen Artikeln, Büchern und Kunstwerken die Bevölkerung mehr Beachtung und Anerkennung zollte, so wurden vornehmlich Werke gewürdigt, unter denen ein männlicher Name stand. Männliche Künstler erzielten mit einem selbstverständlichen Narzissmus weitaus wirksamere Inszenierungen und gelangten zu größerem Erfolg als ihre weiblichen Mitstreiterinnen.
Die Gleichheit der Geschlechter wurde schriftlich fixiert, lauthals verkündet, aber nicht praktisch gelebt.
Simone de Beauvoir hatte behauptet: „Man wird nicht als Frau geboren – man wird zur Frau gemacht.“ Frauen in bestimmte frauliche Normen zu pressen und erpressen glich einem Rassismus, mit dem auch bei anderen Hautfarben ein anderes Selbstsein impliziert wurde.
Wenn Konservative behaupteten, „Gender Mainstream“ zerstöre die „Individualität“ stellte sich unausweichlich die Frage, ob diejenigen, die dies behaupteten, eine umfassende Individualität besaßen.
Ein Rock´n Roll Sängers kritisierte eine Frau als Angst machendes Monster, da sie sowohl das Eine als auch das Andere darstellte: „She´s All in One.“
Das war ich, ein – „All in One“ – als Multi-optionaler nicht auf herkömmliche Rollen fixierter Mensch!
Mein Körper war eindeutig weiblich, aber ich bewunderte auch die arrogante Autonomie des „Steppenwolf“ bei Hermann Hesse und den „Lonely Cowboy“ und schollt mich für weibliche Abhängigkeit, an der ich nichts Bemerkenswertes fand.
Ich erfand mich neu, färbte das Haar fuchsrot und schminkte nachtschwarze Augen, trug Stiefel, enge Hosen, kuriose Hutschöpfungen, Tücher zum Verhüllen oder Entblößen welchen Körperteils auch immer, Burka oder Leder - meine Phantasie suchte ein äußeres wechselndes Adäquat zur inneren Haltung des „All in One“.
Eine phantasievolle Frau, ein systemischer Kritiker, eine kreative Künstlerin platzten aus mir heraus und wollten genau das sagen, was sie dachten. Die alltägliche Zensur der Meinungsfreiheit befand sich nicht in meinem Kopf.

Über Jahrhunderte hatten starre Denkgewohnheiten den feministischen Aufklärungs- und Bewusstseinsprozess eingeschränkt oder verhindert, wobei dabei häufig die Moralgebote des Glaubens Priorität gehabt hatten. Auch wenn das Christentum positive Aspekte des Samariters beinhaltetet, trug es insgesamt zur Unterstützung der jeweiligen Obrigkeit bei.
Zum fundamentalistischen Glauben fragte ich: Wenn A zu einem „persönlichen Gott“ betete, er will Regen, und B betete, er will Sonnenschein, C aber will ein Gewitter… wie entscheidet dann dieser „persönliche Gott“?

Hier im Postkapitalismus setzten sich Konsumdummheit und Geldgeilheit durch. Luxuriöse Wellness-Oasen und Umwelt zerstörende Flugreisen in Länder mit ungewohntem Klima, Kaufangebote jeglichen Couleur und schillernde Erlebnis-Events ersetzten den Gang in den Wald, das „Zu-sich-Kommen“, das Zentrieren in sich selbst.
Durch oftmals selbstgewählten Stress und entleerende Ablenkungen wurden gängige Drogen wie Alkohol, Kaffee, übermäßiges Essen und Nikotin konsumiert, Tranquilizer geschluckt und Glücksbotschafter gesucht, asiatische Religionen aufgesaugt, während sie in asiatischen Ländern durch deren hoch expandierenden Kapitalismus eher rückläufig waren, so sagte der Dalai Lama.
Philosophisches Denken war fast ausnahmslos männlichen Ursprungs gewesen, zumeist von finanziell abgesicherten Gelehrten der bürgerlich wohlhabenden Schicht, und berücksichtigte subtile patriarchalische Strukturen selten oder gar nicht.
Eine Frau konnte sich ebenso-gut wie ein Mann geistiges logisches Denken und Wissen aneignen, doch Männern fiel es mit der oftmals anerzogenen emotionalen Unfähigkeit schwer, ebenso-gut frauliche Eigenschaften zu entwickeln.
Der vorgeburtliche Unterschied zwischen männlich und weiblich im Anfangsstadium des Embryos war zunächst nicht überragend groß, wie es Wissenschaftler herausgefunden hatten und der gerne angeführte archaische Unterschied zwischen Jägern und Sammlerinnen mehr ein Relikt alter Schriften, aber elterliche und gesellschaftliche Erziehung formte, prägte, beschnitt und reduzierte.

Neurosen, Ängste, Reglementierungen, Dogmen, Verhaltenskodex, Kriegserfahrungen und Traumata wurden systemisch von Generation zu Generation weitergegeben, zumal die immer perfekter werdenden Überwachungsstrategien der Regierungen Angst und ängstlich zögerliches Verhalten förderten und schürten.
Glattgebügelte Medien unterstützten die Politik, waren kaum einsehbar, was eine allgemeine Verunsicherung auch in diesem Punkt auslöste.
Mein Sprung in Grenzauflösungen war mit Widerständen verbunden. Kritik erzeugte Widerstand und sich weder Alters- noch Frauen-konform zu verhalten, gab sowohl positiven als auch negativen Anstoß und ich stieß etwas an.

Politisch-sozial zu denken, den globalen Zusammenhang und die vermutlich bevorstehende Katastrophe von Menschheit und Umwelt in die Gedankenwelt mit einzubeziehen und den möglichen Teil der Verantwortung zu übernehmen - in diesem Prozess waren Frauen immer noch unterrepräsentiert.
Wenn auch über Bildungsreform diskutiert wurde, so vermieden es die Regierungen doch, Reformbestrebungen radikal umzusetzen und Bürgern die Mündigkeit zuzuerkennen, deren sie als vollwertige engagierte Gesellschaftsmitglieder bedurften.
Wenn ich in den Wald ging oder auf einen See schaute oder einfach zur Konzentration und Gelassenheit gar nichts tat, sah ich in mir Kampfeswillen, aber auch eine sensible Moral des Mitgefühls und eine gesellschaftliche Verantwortung, denn ich war ebenso Teil des Ganzen wie Sie auch, meine Damen und Herren.
Kants Aufruf, sich stets des eigenen Verstandes zu bedienen, gilt nach wie vor sowie der Appell:

- Hochmut ist kein Mut - Herrschaft ist keine Tugend - und die patriarchalische Ökonomie keine zukunft-sichernde Errungenschaft. -
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Angelika Stephan aus Mülheim an der Ruhr | 13.03.2016 | 10:20  
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