Hallo Ü-Wagen: Opel-Werkschef kam - Bekannte Standpunkte - Stadt wünscht sich Opel-Gelände für 1 Euro

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Auf dem Husemannplatz machte der Ü-Wagen Station. (Foto: Molatta)
 
Gut eingepackt verfolgten die Bochumerinnen und Bochumer die Live-Sendung. (Foto: Molatta)
 
WDR5-Moderatotin Julitta Münch (r.) mit einer Kollegin auf der Bühne. (Foto: Molatta)

Es war eisig kalt auf dem Husemannplatz, als WDR5-Moderatorin Julitta Münch heute kurz vor 11 Uhr die Gäste der Sendung „Hallo Ü-Wagen“ zum Thema: „Lohnt sich der Kampf um Opel Bochum sucht nach Arbeitsplätzen“ begrüßte. Der Überraschungsgast der zweistündigen Livesendung war Werkschef Manfred Gellrich. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider musste aufgrund einer Grippe-Erkrankung den Termin in Bochum absagen. Hörerin Britta Bürger brachte es auf den Punkt: „Ich bin enttäuscht, dass trotz des schlechten Wetters der Platz hier nicht voll ist. Nehmt Euren Arsch hoch und kommt“, so ihr Appell über den Äther.

Wie die Stimmung in Teilen der Bevölkerung ist, drücke WDR5-Hörer Kurt Gorski aus, der als Schweißer viele Jahre bei Opel arbeitete und Betriebsratschef Rainer Einenkel noch als Lehrling kennenlernte. „Ich habe keine großen Hoffnungen. Die Märkte sind voll und im Ausland werden die Autos billiger produziert“. Und Barbara Ratschig meinte: „Ich lebe 35 Jahre in Bochum. Ich bin traurig und wütend, wenn ich beim Joggen oder auf meinen Spaziergängen das Werk sehe und daran denke was dort passiert. Ich bin einfach nur wütend auf die Amerikaner. Opel und die Universität sind die Leuchttürme von Bochum.“ Hörer Thomas machte den Vorschlag, dass sich Opel vom Mutterkonzern lösen solle, um selbständig auf den Märkten zu agieren. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr die Menschen in Bochum und der Region mit Opel verbunden sind und im Kampf um die Arbeitsplätze hinter den Opelanern stehen, denn es stehen nicht nur die rund 3.400 Arbeitsplätze der Opelaner im Werk auf dem Spiel, sondern rund 45.000 Jobs, die direkt oder indirekt vom Werk abhängig sind.

„Opel ohne Bochum ist nicht machbar“, so Betriebsratschef Rainer Einenkle. Angesprochen auf den 10. Dezember 2012, als Opel-Vorstandschef Thomas Sedran in nur 13 Minuten das Aus für die Produktion in Bochum auf einer Betriebsversammlung verkündete und sofort den Ort des Geschehens verließ, wurde er deutlich. „Es war eine Flucht. Wir waren entsetzt über das Management und haben uns alleingelassen gefühlt. Was man aber wissen muss, bis zum heutigen Tag hat der Opel-Aufsichtsrat noch keine Beschlüsse gefasst“.

Immer wieder wurden mit O-Tönen an die „Goldenen Tage von Opel“ in Bochum erinnert. Vor über 50 Jahren kam der Rüsselsheimer Autobauer in eine von Zechenschließungen gebeutelte Region. Er war der Retter in der Not. In 20 Monaten wurden der Standort aus dem Boden gestampft, fanden über 20.000 Menschen Lohn und Brot. „Es ist schön bei Tageslicht zu arbeiten und hier werden höhere Löhne gezahlt“, erklang eine Stimme aus dem WDR-Tonarchiv.

2004 stand der Standort Bochum schon einmal vor der Schließung. Zehn Jahre sind inzwischen vergangen. „Warum hat man diese zehn Jahre nicht sinnvoll genutzt? Warum ist nichts passiert“ fragte Julitta Münch Werkschef Manfred Gellrich. „Es ist in den vergangenen zehn Jahren viel passiert. Das Geschäftsmodell von General Motors hat sich verändert. 2008 sind 245.000 Fahrzeiuge vom Band gelaufen, das sind 55 Autos pro Tag. Dann kam die Finanzkrise und damit der Absatzeinbruch. Wir bewirtschaften in Bochum 1,7 Millionen Quadratmeter von denen wir aber nur einen kleinen Teil für die Produktion nutzen.“ Angesprochen auf die Millionen-Investition von GM in ein Motorenwerk in Ungarn machte der Werkschef deutlich, dass es um Logistik gehe und eine kostengünstige Produktion. Außerdem drängten mit KIA und Hyundai auf den Markt und die deutschen Premiumhersteller setzten auf das Kleinwagen-Segment. „Opel muss wieder betriebswirtschaftlich erfolgreich sein“, so sein Fazit.

Den Vorschlag, Opel aus dem GM-Konzert zu lösen, stieß bei Werkschef auf Ablehnung: „Es ist nicht genug Geld da. Das ist nicht leistbar.“ Und Betriebsratschef Rainer Einenkel meinte: „Auch wenn GM eine Rabenmutter ist, Opel kann sich nicht selbst zur Adoption geben. Da sind viele Rechtsfragen zu lösen, beispielsweise geht es um Lizenzen. An dieser Stelle ist die Politik in Berlin gefragt.“

WRD-Moderatorin Julitta Münch blickte mit ihren Gespächspartnern nicht nur zurück und auf den jetzt laufenden Kampf gegen die Werksschließung, sondern wagte auch den Blick in die Zukunft von Bochum mit und ohne Opel. Bochums Wirtschaftsdezernent Paul Aschenbrenner brachte es auf den Punkt. „Es zittern nicht nur die 4.000 Opelaner, sondern die ganze Stadt. Wir haben keinen goldenen Topf am Ende des Regebogens. Es gibt keine Pläne, die wir aus der Schublade ziehen können. Aber wir müssen auf Wachstumsbranchen setzten, beispielsweise den Bereich Gesundheit oder IT-Sicherheit, in denen in den letzten Jahren rund 3.000 Arbeitsplätze entstanden sind. Und wir wollen den Mittelstand stärken. Dabei haben wir Opel nicht aufgegeben. Auch nach 2016 sollen im Werk I Autos produziert werden.“

„Nach 50 erfolgreichen Jahren in Bochum will sich Opel nicht aus der Situation heraus stehlen“, so Opel-Werkschef Manfred Gellrich und brachte eine mögliche Komponentenfertigung ins Spiel, die in der Autobranche üblich geworden sei. Mit Blick auf die riesigen Werksflächen wünschte sich Wirtschaftsdezernent Paul Aschenbrenner, dass Opel die Grundstücke für einen symbolischen Preis von einem Euro wieder an die Stadt verkaufen würde. „Dann können wir beispielsweise die Flächen des Werks II sanieren und erschließen, um neue Firmen anzusiedeln.“ Angesichts des Gewerbeflächenbedarfs auch in den Nachbarstädten könnte es ein Erfolg werden. Voraussetzung sei, dass hier Arbeitsplätze in der produzierenden Industrie entstünden.

In der Sendung kamen auch WDR-Redakteur Karl Lohrengel und
Dr. Manfred Wannöffel, Geschäftsführender Leiter der gemeinsamen Arbeitsstelle Ruhr Universität und IG Metall, und IG Metall-Bevollmächtigte Eva Kerkemeier zu Wort. Karl Lorengel warf nicht nur einen Blick auf die Lage bei Opel, sondern auf die Entwicklung in der Automobilbranche und Manfred Wannöffel machte deutlich, dass die Ansiedlung von Zulieferbetrieben in Bochum notwendig gewesen sei. Eva Kerkemeierstärkte nicht nur den Opelanern den Rücken, sondern machte mit Blick auf den 1. März, nicht nur der Tag an dem der neue Opel-Vorstandvorsitzende sein Amt übernimmt, sondern die Gespräche abgeschlossen sein müssen, deutlich, wie hoch der Zeitdruck für die Verhandlungen sei.
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2 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 23.02.2013 | 19:42  
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Udo Schmitt aus Bochum | 25.02.2013 | 12:40  
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