Hans-Ehrenberg-Preis an EKD-Ratsvorsitzenden verliehen

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Der Bochumer Superintendent Gerald Hagmann (r.) überreichte den Hans-Ehrenberg-Preis 2015 an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm.

Vizekanzler Gabriel würdigte Bedford-Strohm als wegweisende Persönlichkeit


Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist am Freitag (30. Oktober) in der Christuskirche Bochum mit dem diesjährigen Hans-Ehrenberg-Preis ausgezeichnet worden. In seiner Laudatio würdigte Bundesminister Sigmar Gabriel den bayerischen Landesbischof als wegweisende Persönlichkeit.

Die Bekennende Kirche habe ihn geprägt, insbesondere das Denken von Dietrich Bonhoeffer, sagte Gabriel vor rund 450 Gästen. Wie Ehrenberg sei Bedford-Strohm „durch und durch ein homo politicus“. „Als Wissenschaftler, Seelsorger, Bischof und nun auch Ratsvorsitzender der EKD treiben ihn die Fragen von Armut und sozialer Ungerechtigkeit um“, sagte der SPD-Chef weiter.

In einer anschließend engagiert geführten Diskussionsrunde mit dem Preisträger sprach sich Vizekanzler Gabriel dafür aus, die derzeitige Flüchtlingskrise als doppelte Integrationsaufgabe zu begreifen. Es müssten nicht nur die Schutz suchenden Menschen in die Gesellschaft aufgenommen werden, auch die Sorgen und Ängste der Bevölkerung müssten in dem Integrationsprozess berücksichtigt werden. Bedford-Strohm gehöre zu jenen Persönlichkeiten, die in dieser schwierigen Situation Orientierung böten.

Der Preisträger rief dazu auf, auch unter den derzeitigen Belastungen und Konflikten an der europäischen Idee festzuhalten. „Das Europa der Zukunft muss solidarisch mit den Schwachen sein“, sagte Bedford-Strohm.

Zu Beginn des Festaktes hatte Superintendent Hagmann in seiner Begrüßung an den Mut, die Aufrichtigkeit und die Menschlichkeit Ehrenbergs erinnert, die auch heute gefragt sei. "Wir sind heute zusammen gekommen, um uns auseinander zu setzen", sagte Hagmann.

Der neue Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch überbrachte die Grüße der Stadt und bezeichnete die Preisverleihung als ein beachtliches Zeichen in den derzeitigen gesellschaftlichen Diskussionen. Die Evangelische Kirche in Bochum könne noch heute stolz sein auf das Engagement von Hans Ehrenberg.

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vom Evangelischen Kirchenkreis Bochum in Verbindung mit der westfälischen Landeskirche und in Abstimmung mit der Bochumer Hans-Ehrenberg-Gesellschaft verliehen. Die Auszeichnung wird an Personen vergeben, „die in öffentlicher Auseinandersetzung protestantische Position beziehen und sie in aktuellen politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Kontroversen vertreten“.

Der EKD-Ratsvorsitzende repräsentiere „den Protestantismus prägnant und politisch profiliert“, heißt es in der Begründung der Findungskommission. Die dialogische Art, in der Bedford-Strohm protestantische Positionen entwickle, zeige, „welche inspirierende und orientierende Kraft der evangelische Glaube im öffentlichen Diskurs haben kann.“

Der nach Hans Ehrenberg benannte Preis wurde vom Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Bochum, Gerald Hagmann, und vom Theologischen Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, überreicht.

Der Bochumer Theologe und Philosoph Hans Ehrenberg (1883-1958) war Pfarrer an der Christuskirche und galt als Vordenker und Wegbereiter des kirchlichen Widerstands gegen das totalitäre NS-Regime. Von den Nazis mit einem „totalen Redeverbot“ belegt, war Ehrenberg 1938 ins KZ Sachenhausen verschleppt worden. 1939 konnte er mit seiner Familie nach England entkommen, von wo aus er den nationalsozialistischen Terror weiter bekämpft hat.
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