Hochmut und Überheblichkeit im christlichen Abendland

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Ein schönes Leben, was ist das? Eine warme Wohnung, ein voller Kühlschrank und Kleidung, in der man sich wohl fühlt, seinen Tätigkeiten in Ruhe nachzugehen und bei angenehmem Wetter die Natur zu genießen ... Kann es das sein? Wenn Freunde angenehme Zeiten schenken und die Freude Einzug hält?
Wir leben in einem überaus reichen Land, einem der reichsten Länder der Erde, verglichen mit der Weltbevölkerung. Das grauenvolle Elend, die Armut der Brüder und Schwestern in vielen von westlichen Systemen ausgenutzten Staaten, wo Menschen verdorren, krepieren, verhungern, Kriegschaos mit Toten, Verwundeten und Kindersoldaten herrscht, beschämt manchmal, dass es uns hier so gut geht.

Doch gibt es Zeitgenossen, die trotz der Fülle des Konsums und der gesamten materiellen und technischen Errungenschaften nach einem Mehr, nach Weiter, Höher, Besser gieren, um sich von anderen abzugrenzen. Auch wenn gerne gesagt wird, der „homo oeconomicus“ hätte sich nicht durchgesetzt und es bestünde durchaus der Wille zur Kooperation, so neigen manche Menschen mitunter zu geistiger Separierung, um ihre eigene Bedeutung explizit zu unterstreichen.

Wie zum Beispiel der Kleinunternehmer, der die Firma seines Vaters geerbt hatte und sich dessen nur in seltenen Fällen bewusst war. Bei REAL näselte er angewidert: „Der Laden ist… das ist ein Laden fürs Volk.“ zudem er sich offensichtlich nicht zählte. Er genoss, da er nur mit Geldscheinen zahlte, sämtliche Münzen aus dem Auto auf die Straße zu werfen.
Es ärgerte ihn maßlos, als ein Arbeitsloser in einem Geschäft Kunstgegenstände kaufte. „Wieso kann der sich das erlauben? In solch einem hochwertigen Laden!“
Ein Vorschlag für ihn, um seine Arroganz zu befriedigen? Man könnte ein Schild am Geschäft aufstellen: - „Für Arbeitslose verboten!“ – Arbeitslose könnten ein Zeichen am Jackett tragen, um sie von hochwertigen Einkaufmöglichkeiten fern zu halten. „Nur für Besserverdienende!“
Hatten wir das nicht schon einmal?
Er war der Ansicht, er täte genug für die Allgemeinheit, indem er Steuern zahlte. „Wenn ich mir einen neuen SL kaufe, so sorge ich gut für Arbeitsplätze!“

Eine Dame kam auf die Idee: „ Jetzt, wo in Dortmund die Kasernen leer stehen…. Da könnte man doch alle Arbeitslosen reinstecken!“ Erstaunlich, welche Gedanken sich manchmal in den Köpfen befinden.

Ein Arzt erklärte seine Sicht des Prekariats so: „ Wenn die Eltern nicht arbeiten wollen, tun das die Kinder auch nicht. Dann besteht diese Schicht von Generation zu Generation weiter. Und kostet den Steuerzahler nur Geld.“ Was war mit Menschen, die Arbeit suchten und sie wegen der Schließung der Firmen, wie jetzt wieder Opel in Bochum, nicht fanden? War ihm nie zu Ohren gekommen, dass es durchaus auch hochqualifiziertes Prekariat gab?
„Wenn ich eine Wohnung an Hartz IV Leute vermiete, kann ich froh sein, wenn ich bestenfalls nachher nur die Miete nicht bekomme. Meistens muss ich nachher die ganze Wohnung komplett renovieren.“

Die Einstellungen zum weiblichen Geschlecht waren auch sehr speziell. „Es gibt Frauen für Sex und Frauen für Freundschaft.“ erklärte der Arzt. Er suchte seine Nachtbekanntschaften liebend gerne im Internet. Nach einem gelungenen Stelldichein war er froh, so sagte er, wenn die „Damen“ am nächsten Morgen möglichst schnell wieder verschwanden.
Der Unternehmer dagegen philosophierte etwas anders: „Wenn meine Frau eines Tages im Rollstuhl sitzen würde, müsste sie eine Freundin für mich tolerieren, denn sollte ich etwa auf Sex verzichten?“

Schienen diese Äußerungen begründet oder waren sie ein dekadenter Sittenverfall in der Auflösung der Gesellschaft?
Der Arzt jedoch bezog sich in seinen Auffassungen auf Kants „Kategorischen Imperativ“. Kant hätte sich im Grab umgedreht, wenn er auf solche Weise benutzt worden wäre. Der Unternehmer hingegen erklärte seine Denkweise mit Epikur, dem Hedonismus, aus dem vermutlich unsere Ego Gesellschaft hervorgegangen sein könnte.

So ist doch kein Normalbürger! Das sind doch Ausnahmen!
Oder?

Falls sich unser christliches Abendland, dem derartige Denkweisen nicht fremd zu sein scheinen, immer noch auf das Christentum beruft, muss ich leider feststellen, dass hier bei uns alles andere als ein christlicher Geist praktiziert wird, denn die Thesen von Jesus, ob es ihn gegeben hat oder nicht, hießen nicht:
- Ich bin mehr wert als du! –
Obwohl… gerade der konsequent angenommene „Mehrwert“ des Kapitals und der überall propagierte Wachstumsgedanke führten und führen zu solch abstrusen Auswüchsen einer Gesellschaft, in der „des Menschen Wolf“ mitunter blindwütig zur Norm erklärt werden kann.
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 31.01.2015 | 22:43  
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