Ist die Qualität der medizinischen Ausbildung an der RUB in Gefahr?

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FDP thematisiert fehlende Anatomie-Ausbildung an Leichen mit einer Anfrage im Landtag.

An der Ruhr-Universität Bochum fallen seit Ende 2015 die Anatomiekurse an konservierten Leichen aus. Medizin-Studenten hatten sich daher im Sommer mit einem offenen Brief an die Landesregierung gewandt und um Abhilfe gebeten. "Die Situation ist absurd", erklärt Olaf in der Beek, Kreisvorsitzender der FDP Bochum. "Die Studierenden können derzeit nicht an Leichen lernen, weil diese mit einer Formaldehyd-Lösung konserviert werden und für Formaldehyd neue Grenzwerte gelten. Die Präparier-Säle an der RUB sind aber derzeit nicht dafür ausgelegt, mit Lüftungsanlagen für die Einhaltung des neuen Grenzwertes in der Raumluft zu sorgen. Das Bau- und Liegenschaftsbetrieb und damit das Land NRW hat es verpennt, rechtzeitig für eine Modernisierung der Räume zu sorgen. Universitäten in Hessen und Bayern haben diese Anpassungen längst vorgenommen. Dieses Versäumnis der nordrhein-westfälischen Landesregierung ist ein echtes Armutszeugnis und wirft auch ein schlechtes Bild auf die Stadt Bochum, die sich so gerne als moderner Standort der Gesundheitswirtschaft darstellt."

"Die SPD in Bochum rühmt sich doch immer gerne ihrer besonderen Verbindung zur Landesregierung", ergänzt Manfred Baldschus, FDP-Mitglied in der Bezirksvertretung Bochum-Süd, in dessen Stadtbezirk die Ruhr-Universität liegt. "Doch obwohl die Problematik seit über einem Jahr bekannt ist, hat weder die örtliche SPD, noch ihre Landtagsabgeordneten oder die Stadtspitze etwas unternommen, damit zeitnah die nötigen Mittel in die Hand genommen werden, um eine vollständige, schnelle und sachgerechte Lösung herbeizuführen."

"Echte Übergangslösungen sind bislang Fehlanzeige. Im aktuellen Semester sind die Medizin-Studenten darauf angewiesen, an Plastik-Modellen zu lernen", kritisiert Susanne Schneider MdL, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW, die die Thematik nach einem Hinweis von Baldschus mit einer Anfrage im Landtag aufgegriffen hat (Landtagsdrucksache 16/13241). "Dabei lassen sich anatomische Begebenheiten nur an echten Körpern realistisch erlernen. Experten halten daher die Medizinerausbildung ohne Präparationskurs an der Leiche für hochgefährlich. Ärzte müssen verinnerlicht haben, wo welche Organe liegen, um fundierte Diagnosen zu fällen. Es darf während der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses keine Abstriche bei der Qualität geben."

Schneider weiter: "Ich möchte daher von der Landesregierung wissen, welche Maßnahmen von ihr bisher zur Unterstützung der RUB zur Verbesserung der Situation veranlasst wurden und wann sie mit dem Abschluss der erforderlichen baulichen Maßnahmen zur besseren Entlüftung der Präparier-Säle in der Ruhr-Universität Bochum und damit einer Wiederaufnahme regulärer Anatomiekurse einschließlich der Sektion von Leichen rechnet. Erneute Verzögerungen darf es dabei nicht geben."
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