JEF: Das europäische Wir-Gefühl

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(Foto: JEF Ruhrgebiet)

Jusos, Julis, JU – die Jugendorganisationen der Parteien sind bekannt. Doch auch wenn die JEF sich auf den ersten Blick hier einzureihen scheint, gehört sie nicht dazu. JEF steht für Junge Europäische Föderalisten und ist der Jugendverband der Europaunion. Als supranationale Organisation setzt sich die JEF für ein vereintes, föderales Europa ein. Dabei agiert sie dem eigenen Anspruch nach überparteilich und versucht, Impulse verschiedener politischer Standpunkte im Sinne europäischer Integration einzubringen.

Für ein föderalistisches Europa


Das F steht für Föderalismus, und meint die zentrale Forderung nach einem Organisationsprinzip, bei dem die europäischen Länder eigenständige Glieder eines europäischen Staates sind. Das zugrundeliegende Konzept ist das Subsidiaritätsprinzip, nach dem eine dezentrale Kompetenzenverteilung erfolgt.

Europäischer Megastaat?


Einen europäischen Megastaat fordert die JEF laut politischem Programm nicht. Es geht ihr um die Schaffung einer föderalen Union, die von unten nach oben aufgebaut ist. Als Grundprinzipien nennt die JEF freiheitlich-demokratische Werte, Frieden, Einheit und Verantwortung.

Strukturiert ist die JEF ähnlich wie Parteien. Sie ist untergliedert in Bundesverband, Landesverbände und Kreisverbände. Veranstaltungen reichen von Länderabenden über Seminare bis hin zur SimEP – der Simulation des Europäischen Parlamentes. Bei dieser Veranstaltung schlüpfen junge Menschen in die Rolle Europaabgeordneter und spielen politische Abläufe realitätsgetreu nach.

Überparteilichkeit – geht das?


Ob die JEF dabei wirklich so überparteilich agieren kann, wie sie behauptet, ist fraglich. So finden sich unter Vorsitzenden und Mitgliedern in der JEF und im Mutterverband eine Reihe an Parteimitgliedern, darunter beispielsweise Axel Voss von der CDU oder Eva Högl von der SPD. Politisches Handeln erfordert einen Standpunkt, und auch die JEF muss sich auf der politischen Landkarte irgendwo verorten. So spricht sich die JEF beispielsweise für militärische Kooperationen und die Installation einer ,,europäischen Armee“ im Osten der EU aus. Wegen der inhaltlichen Ausrichtung der JEF ist zweifelhaft, ob sich neben Konservativen auch beispielsweise Linke vertreten fühlen.

Mit Aktionen wie #DontTouch MySchengen beziehen die jungen europäischen Föderalisten klar Position zur Stärkung der offenen Binnengrenzen. Dazu zählt beispielsweise das Stürzen einer Mauer aus Schuhkartons zur Symbolisierung der offenen Grenzen.

Wofür das Interesse an Europa?


Europa fühlt sich für viele, die sich vorwiegend mit Kommunalpolitik befassen, weit weg an. Doch dass Europa nicht nur interessant ist, wenn es um die Europafußballmeisterschaft oder einen Kurzurlaub nach Holland geht, zeigt die JEF in ihren vielfältigen Standpunkten zu Themen wie Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Währung, Staatenvertretung oder Haushalt und Steuern. Auch Beschlüsse zu Themen wie Asyl und Migration erlangen derzeit neue Bedeutung.
Über Partnerschaften innerhalb Europas und über die Programmlinie „JEF meets…“ öffnet sich der Verband den unterschiedlichsten Positionen und diskutiert Interessen von Gewerkschaftlern, Parteipolitikern, Studenten und weiteren Gruppierungen auf europäischer Ebene.

Peace, Freedom Federalism


Gerade in der jetzigen Zeit, in der Europa von Ungleichheit und Angst vor Terror geprägt ist, macht sich die JEF stark für das europäische Wir-Gefühl. Auf ihrer Internetpräsenz betonen sie die gemeinsame Trauer über Anschläge in Europa und das gleichzeitige gemeinsame Standhalten gegen den Terror.

Reicht ein Gefühl?


Für das Standhalten gegen den Terror ist ein europäisches Gemeinschaftsgefühl allein nicht ausreichend. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, muss dies auch zum Ausdruck bringen. Derzeit ist die JEF noch recht unbekannt, wurde sie doch schon 1949 gegründet. Ist PR-Arbeit auf Europaebene nicht möglich? Zerstreut das riesige Gebiet wohlmöglich die Aufmerksamkeit? Um Forderungen in die Tat umsetzen zu können, muss die JEF zwangläufig medial präsenter werden. Parteien haben da per se bessere Startpositionen, eine Ausrede ist das aber nicht.

Quo vadis Europa?


Die Frage, wie es mit Europa weitergeht, kann auch die JEF nicht beantworten. Die Mitglieder setzen sich jedoch immerhin dafür ein, dass es eine vom Frieden, Wohlstand und Einigung geprägte Zukunft für Europa geben wird.
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