Kita-Eltern und Ver.di demonstrieren vor dem Rathaus

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“Wir vermissen unsere Freunde“: Auch bei den Protesten stehen die Kinder immer an erster Stelle bzw. vorderster Front.
„Wir wollen unsere Kita wieder!“ Nach rund einem Monat bundesweiter Streiks verschafften sich hiesige Erzieher und überforderte Eltern an höchster Stelle Gehör.

Nach beinahe vier Wochen Kita-Streik heißt es aufatmen für viele Bochumer Eltern, zumindest fürs Erste. Die Verhandlungen im Tarifkonflikt in Berlin gelten nach drei Tagen zwar seit dem späten Mittwochabend von offizieller Seite erneut als gescheitert und sollen nun unter Vorsitz von Herbert Schmalstieg, Oberbürgermeister a. D. von Hannover, in eine Schlichtungsphase gehen. Bis dahin wurde aber im Zuge einer Friedenspflicht der unbefristete Streik vorerst beendet.
Im Klartext: Zu Beginn kommender Woche öffnen die Kindertagesstätten (Kitas) wieder ihre Türen.
Eine Wohltat für die zahlreichen betroffenen Eltern, die mittlerweile – in mehrerlei Hinsicht – an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt schienen. Noch am Vormittag vor der vorläufigen Entwarnung hatten sich am Rathaus Eltern zum offenen Protest eingefunden. „Finanziell sind bei uns die Möglichkeiten trotz Tagesmüttern und Notgruppen langsam aber sicher ausgereizt“, erzählen sie, während ihre Schützlinge über den Rathausplatz statt durch die städtische Kita Händelstraße in Harpen tollen. Nicht zuletzt sind bei vielen Erziehungsberechtigten auch auf Dauer Arbeitsplätze gefährdet: Verbliebene Urlaubstage sind schnell ausgeschöpft, in manchen Fällen besteht in der befristeten Probezeit sogar eine hohe Wahrscheinlichkeit von vorzeitiger Entlassung.
Auch die Vorgehensweise, dass man sich untereinander organisiert und abwechselnd die Betreuung der Kinder übernimmt, schien da keine denkbare Langzeitalternative. „Wir wollen vor allem erreichen, dass wir von der Stadt die während des Streiks anfallenden Kita-Kosten zurückerstattet bekommen, denn wir kommen damit für eine Leistung auf, die zurzeit nicht erbracht wird und müssen uns gleichzeitig noch um Ersatz kümmern.“
Ähnliche Forderungen stellten auch bereits im Vorfeld die OB-Kandidaten der Rats-Fraktionen. Während sich Thomas Eiskirch (SPD) klar für eine Rückzahlung der Beiträge ausspricht, äußert Grünen-Kandidatin Monika Engel auch Bedenken:„Auf der einen Seite fragen sich die Eltern zu Recht, warum sie für etwas bezahlen sollen, das sie gar nicht bekommen haben. Auf der anderen Seite werden die Personalkosten nach einem Tarifabschluss ansteigen. Dann wollen wir die Elternbeiträge auch nicht im gleichen Maße erhöhen.“
Mit Papp-Plakaten ausgerüstet und dem Nachwuchs im Schlepptau wollen die Eltern ihrem Ärger Luft machen und gleich bei Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz selbst vorstellig werden. Deren Sekretärin vertröstet sie jedoch kurzerhand auf Stellvertreterin Birgitt Collisi, die aber anscheinend ebenfalls gerade außer Haus ist.
So müssen die Demonstranten schließlich mit Stadträtin Britta Anger vorlieb nehmen, die sich die Sorgen der Eltern zwar anhört, ihnen aber auch nur entgegnen kann, dass ihr in den meisten Fällen die Hände gebunden seien.
„Dann bringen wir unsere Kinder einfach in Zukunft zum Spielen hierher, und lassen sie mit ‘Bobby Cars‘ auf dem Flur fahren“, schlägt man ihr spontan vor.
Später gesellen sich draußen zu den Protestlern die zuständigen Erzieher der Kita. Sie sind Mitglieder bei der Gewerkschaft Ver.di, die auf der Rückseite des Gebäudes einen Sitzstreik mit rund 80 bis 90 Beschäftigten im sozialen Dienst organisiert hat. Erzieher, Sozial- und Heilpädagogen haben sich hier versammelt, spielen Schach, schwenken Schilder mit klaren Botschaften wie „Wieviel ist das Kindeswohl wert?“ oder auch „Wir sind so sauer- das passt auf kein Plakat“.
Mitorganisator und Redner ist David Staercke, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei Ver.di. „Wir wollen heute ein klares Zeichen setzen und vor allen Dingen der ‘Wegduckstrategie‘ der Lokalpolitiker in Hinblick auf den Kita-Streik ein Ende setzen, die sowohl die Oberbürgermeisterin als auch die übrigen Parteien im Rathaus derzeit an den Tag legen.“, so Staercke.
„Wir müssen erreichen, dass es endlich eine Aufwertung bei Berufen im Sozial-und Erziehungswesen gibt. Unter Umständen ist das natürlich längerfristig mit der geforderten generellen Tariferhöhung von zehn Prozent verbunden. Nach unserer Rechnung entspräche das hier in Bochum einem Anteil von zirka einem Prozent des Gesamthaushalts, der gerade erst genehmigt wurde. ‘Aussitzen war gestern - Aufwerten ist heute!‘ lautet deshalb unsere Devise.“
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