Letzter Bochumer Opel in der Produktion

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Das Opel Werk I in Laer: Die Presswerkzeuge stehen bereits still, der letzte Zafira ist auf dem Weg durch den Produktionsprozess. Mit diesem Fahrzeug endet am Freitag nach 52 Jahren die Automobilfertigung in Bochum. Fotos: Archiv

Schon seit Freitag stehen die Presswerkzeuge im Werk I still. Die Karosserieteile des letzten Bochumer Opel sind produziert, am Freitag wird der Zafira vom Band rollen. Es endet eine Ära, unter höchst unerfreulichen Umständen.

Der Ausbau der Presswerkzeuge hat begonnen. So etwas passiert immer, wenn es einen Modellwechsel gibt, ein neues Fahrzeug in den Startlöchern steht. Dann folgt üblicherweise der Einbau neuer Werkzeuge, in Laer folgt das Ende der Fertigung. Und wieder einmal – zum letzten Mal während eines Automobilbaus in dieser Stadt – fühlt sich die Bochumer Belegschaft verhöhnt.
In einer Presseerklärung hat der Vorstand der Adam Opel AG jüngst mitgeteilt, dass in den Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Tychy in Polen mehr als 500 Millionen Euro für neue Motoren- und Getriebeproduktionen investiert werden. Im Werk Eisenach sollen 400 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. „Investitionen und sichere Beschäftigung für die deutsche Opel-Werke“ erklärt die General Motors-Tochter. Worte wie ein Hohn.

Der Standort Bochum wurde geopfert


Die Investitionen für die Werke Rüsselsheim und Kaiserslautern waren bereits 2012 zugesagt und werden finanziert durch einen Kredit der Opel-Mutter aus den USA. Voraussetzung für diesen Kredit ist der Abbau von Produktionskapazitäten. Das heißt im Klartext: Ohne Schließung in Bochum hätte es keine Investitionen für Rüsselsheim und Kaiserslautern gegeben, Bochum wurde zugunsten der anderen Standorte geopfert. Diese könnten indirekt noch ein weiteres Mal profitieren.
Am Freitag nächster Woche wird das Landgericht Darmstadt in der Klage „Einenkel gegen Adam Opel AG“ über die Werksschließung entscheiden. Angezweifelt wird durch den Kläger, den Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Rainer Einenkel, unter anderem die inhaltliche Begründung des Schließungsbeschlusses. Der Aufsichtsrat sei nicht korrekt über die Pläne informiert worden. Überhaupt sei der Standort Bochum in einer internen Studie schlecht gerechnet worden.

Klage kann anderen Werken helfen


Sollte das Gericht der Klage stattgeben, wird das für den hiesigen Standort dennoch nichts mehr ändern. „Es wird nicht dazu kommen, dass der Ausverkauf gestoppt, und ab dem folgenden Montag wieder die Produktion aufgenommen wird“, weiß Einenkel. „Aber es kann dazu beitragen, dass Opel gezwungen wird, in Zukunft sämtliche Verträge einzuhalten. Davon würden die anderen Standorte profitieren. Vor allem aber hätte es auch für Bochum eine Bedeutung“, fährt er fort. So sieht Einenkel die Zukunft des Warenersatzteillagers, dessen Mitarbeiterzahl von 450 auf 700 Personen angehoben werden soll und einen Bestandsschutz bis mindestens 2020 erhält – rund 60 Millionen Euro umfasst die Investitionssumme – bisher noch immer nicht als fixiert an.
„Opel stellt sicher, dass die Ausbildung der derzeit 171 Opel-Auszubildenden in Kooperation mit TÜV Nord Bildung Opel GmbH ordnungsgemäß beendet werden kann. Gemeinsam mit der Initiative `Bochum Perspektive 2022` und dem Projekt `Lernfabrik` werden darüber hinaus die Voraussetzungen geschaffen, die heutige Berufsausbildung als festen Bestandteil der Verbundausbildung zukunftsfähig zu gestalten“, verkündete das Unternehmen. „Auch dies ist bisher nur eine Absichtserklärung. Opel muss das endlich umfänglich und schriftlich bestätigen“, fordert Einenkel.
Am Spätnachmittag des kommenden Freitag also wird der letzte Zafira „über die Linie gezogen“, wie es die Mitarbeiter nennen, wenn ein Auto vom Montageband rollt. Einen offiziellen Charakter wird dies nicht haben, Presse ist zu diesem Termin nicht erwünscht. „Das Haus will die ganze Geschichte am liebsten totschweigen“, bestätigt Rainer Einenkel. Dies wurde ihm auch bezugnehmend auf einen weiteren Termin mitgeteilt.

„Opel will das Aus totschweigen“


Am nächsten Montag, 8. Dezember, wird es die finale Belegschaftsversammlung geben. Die Einladung der Medien ins Werk am selben Tag wurde dem Betriebsratsvorsitzenden untersagt. Der nimmt dies nicht hin: „Der Zugang zum Betriebsrat muss offen sein. Wir werden in jedem Fall an diesem Tag an die Öffentlichkeit gehen!“
Wenn dann am Freitag, 12. Dezember, vor Gericht über die Klage Einenkels entschieden wird, geben gleichzeitig die meisten Opelaner Werkskleidung und Ausweis ab. Letztmals passieren sie die Werkstore, sie kehren nicht mehr zurück.

Die Schließung kostet rund 700 Millionen Euro


Im Schnitt sind sie etwas über 50 Jahre alt, waren rund 20 Jahre im Betrieb. Für die meisten von ihnen führt der Weg in die „Transfergesellschaft“ wo sie für andere Jobs „ertüchtigt“ werden sollen. 55-Jährige und Ältere werden dort maximal ein Jahr bleiben, für die Jüngeren beträgt die Laufzeit der Maßnahme zwei Jahre. Im Schnitt bekommt jeder Mitarbeiter nach Gewerkschaftsangaben rund 125 000 Euro, diese Abfindung muss versteuert werden.
Die gesamten Schließungskosten für Bochum addieren sich insgesamt laut übereinstimmenden Informationen auf über 700 Millionen Euro.

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4 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 01.12.2014 | 19:46  
Marc Keiterling aus Bochum | 02.12.2014 | 10:33  
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Volker Dau aus Bochum | 02.12.2014 | 18:42  
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Volker Dau aus Bochum | 05.12.2014 | 19:29  
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