Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, mehr Parkraum und besser fließender Verkehr - wie geht das?

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Schrägparken im Wohnviertel, Einbahnstraße (Bild 1)
 
Hauptverkehrsstraße mit Rad- und Busstreifen und Gehweg (hinter den Bäumen) (Bild 2)
Bochum: und Wattenscheid | Autos parken ganz oder teilweise auf dem Bürgersteig. Radfahrer müssen Bürgersteige mitbenutzen, oder behindern den Autoverkehr, weil Radwege fehlen. Für die Bürger, die zu Fuß gehen, fehlt es auf den Bürgersteigen an Platz oder sie werden zu Slalomstangen der Radfahrer. Eltern erlauben ihren Kindern nicht zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule zu fahren, weil es zu gefährlich ist. Diese Zustände sind für Bochum und eigentlich alle Ruhrgebietsstädte leider noch immer typisch.

In entsprechend schlechtem Zustand befinden sich die Fußwege. Das Gehwegpflaster ist aufgebrochen, Pflaster fehlt, Löcher werden notdürftig mit Asphaltflicken gestopft. Die Baumscheiben auf den Wegen sind ungepflegt und zu klein, an viele Stellen besteht aufgrund durch die Bürgersteige brechender Wurzeln Stolpergefahr.

Insgesamt machen solche Zustände eine Stadt unattraktiv. Das Stadtbild leidet und besonders Fußgänger und Radfahrer fühlen sich nicht wohl.

Früher sah es fast in allen Städten so aus wie in Bochum und Wattenscheid, doch fährt man heute durch Deutschland und Europa stellt man fest, dass derartige Verhältnisse in vielen Städten mittlerweile nicht mehr anzutreffen sind. Bochum und das Ruhrgebiet haben, so scheint es, hier den Anschluss verloren.

Warum funktioniert es in anderen Städten besser?

Viele Städte haben in den letzten 10 Jahren ihren Verkehr konsequent neu geordnet. Dazu haben sie einige Grundsätze verfolgt, die sie im gesamten Stadtgebiet konsequent umgesetzt haben:

Parken auf Gehwegen oder im Bereich von Straßenkreuzungen ist ohne irgendeine Ausnahme nicht erlaubt. Schon gar nicht wird dies mittels Beschilderung gestattet.

Wo Parken erlaubt ist und wo nicht, wird in vielen Städten Südeuropas, aber auch in Österreich und der Schweiz durch entsprechende Straßenmarkierungen signalisiert. Dort bedeutet z.B. ein einfacher gelber Fahrbahnstrich am Fahrbahnrand Park-, ein doppelter Halteverbot (in Österreich durchgezogene gelbe Linie Park-, unterbrochene Linie Halteverbot). Wer hier oder auf Gehwegen parkt, wird mit drakonischen Ordnungsgeldern belegt oder gleich abgeschleppt.

An Hauptverkehrsstraßen hat der fließende Verkehr immer Vorrang vor dem ruhenden Verkehr (Halten oder Parken). Folgerichtig sind daher an vielen Hauptverkehrsachsen die Parkplätze an den Straßenseiten zugunsten von Radwegen und Busspuren entfallen. Alle Hauptverkehrsstraßen haben grundsätzlich Radwege, in vielen Städten auch Busspuren (Bild 2).

Konsequent umgesetzt, fallen durch eine solche Ordnung des Verkehrs natürlich an den Hauptverkehrsstraßen nicht wenige Parkplätze weg, der Parkdruck in den Wohnvierteln steigt. Um dem entgegen zu wirken, sind die Wohnstraßen häufig Einbahnstraßen. Eine Fahrspur fällt damit weg. Es kann Schrägparken eingeführt werden (Bild 1). Es entsteht deutlich mehr Parkraum. Radfahrer dürfen diese Straßen in beiden Richtungen benutzen, ein Radweg ist regelmäßig nicht erforderlich.

Die gleiche Vorgehensweise verfolgt man auch bei parallelen Hauptverkehrsadern oder innerstädtischen Ringstraßen. Diese sind regelmäßig mehrspurig jeweils nur in eine Richtung befahrbar (Bild 3). Auf der einen Straße rollt z.B. der Verkehr in die Stadt, auf der anderen verlässt man die Stadt. Das spart Abbiegespuren. Entsprechend entsteht Platz für Radverkehr, Gehwege, Busspuren und Parkraum. Zusätzlicher Vorteil, die Verkehrsregelung an den Kreuzungen ist unkomplizierter. Der Verkehr fließt deutlich zügiger.

Parkraum an einer öffentlichen Straße ist fast ausnahmslos kostenpflichtig. Bewohner der Wohnviertel zahlen dabei stark vergünstigte Anwohnerparktarife, finden dafür aber auch zügig einen Parkplatz.

Im Bereich der Innenstädte und Geschäftsviertel wird das Parken an Straßen konsequent unterbunden, damit Besucher bewegt werden, die Parkhäuser zu benutzen. Zumeist sind Parkplätze am Fahrbahnrand nicht vorhanden, für Anwohner reserviert oder deutlich teurer als Parkplätze in den Parkhäusern.

Parksuchverkehr wird so konsequent unterbunden, die Suche nach einem kostenfreien oder günstigen Parkplatz am Straßenrand ist aussichtslos.

Insgesamt läuft der Verkehr zügiger, ist klar geordnet. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer streiten nicht mehr um ihren Platz auf der Straße. Der Parkdruck nimmt deutlich ab. Das Stadtbild sieht eleganter aus. Auch spart die Stadt auf Dauer Unterhaltungskosten, da der Gehwegbelag nicht durch parkende Autos beschädigt wird und Ampelanlagen eingespart werden können. Die Attraktivität von Fußgänger- und Radverkehr steigt. Fast alle Kinder können auch alleine zu Fuß oder mit dem Rad annähernd gefahrlos die Schulen erreichen.

Für alle Verkehrsarten und die Stadt selbst hat eine solche Verkehrsordnung Vorteile. Schauen wir uns an, wie andere Städte das gemacht haben und tun wir es ihnen gleich.

Volker Steude
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos
BoWäH - Bochum und Wattenscheid ändern mit Herz


Alle Bilder sind in Donostia (San Sebastian), Nordspanien (Baskenland) entstanden
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2 Kommentare
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Ansgar de la Haye aus Bochum | 02.08.2014 | 18:32  
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Dr. Volker Steude aus Bochum | 02.08.2014 | 18:47  
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