Plädoyer für ein erfolgreiches und menschliches Seniorenheim am Glockengarten

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Frau Dr. Margarete Streitlein-Habekost (3. v.l.) erhält die Ehrenamtsurkunde (Foto: Stadt Bochum)
Bochum: Seniorenheim am Glockengarten | Frau Dr. Margarete Streitlein-Habekost (93), die sich seit Jahrzehnten für alte Menschen und besonders das Seniorenheim Glockengarten einsetzt und für ihre ehrenamtliche Arbeit u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, kritisiert die Planungen zum Umbau des Heimes am Glockengarten deutlich, insbesondere wendet sie sich gegen die im Beitrag der WAZ vom 20.03.2015 getätigten Aussagen des SPD-Ortsvereins Altenbochum:

"Es ist schon lange her, dass positive Nachrichten die Arbeit der MitarbeiterInnen im Alten-und Pflegeheim Haus am Glockengarten begleiteten (Historie des Glockengartens)

Ein Beiratsmitglied – selbst Rollstuhlfahrer – erwirkte bei der Stadt Bochum einen Beschluss, dass alle Bürgersteige rund um das „Haus am Glockengarten“ rollstuhlgerecht eingerichtet wurden. Dafür bekam er den Ring der Stadt Bochum verliehen.

Oder man denke an das segensreiche Schaffen eines Heimleiters, der zusammen mit den Hausärzten im „Haus am Glockengarten“, das Haus II, welches heute wegen Ineffizienz abgerissen werden soll, zu einem Altenkrankenheim mit allen medizinischen und physio-therapeutischen Einrichtungen, inklusive eines Schwimmbads ausgebaut wurde, damals eine ganz revolutionäre Idee. Denn diese Form der Nachbetreuung nach einem Krankenhaus- aufenthalt eines älteren Patienten war zu dieser Zeit noch nicht bekannt und wurde gewissermaßen zum Vorläufer der heutigen REHA-Kliniken.
Die Stadt Bochum entschloss sich Mitte der achtziger Jahre, das Haus zu einem Alten- und Pflegeheim umzuwidmen.

Das ebenso der Abrissbirne geweihte Haus an der Strasse „Glockengarten“ beherbergte das ehemalige 1970 erbaute Pflegeheim, vier Etagen und Cafeteria. Auch namhafte Bürger der Bochumer Gesellschaft verbrachten dort ihren Lebensabend. Es wurde wegen vermut-licher Asbestbelastungen über Nacht geschlossen und steht seit Jahren leer.
An dieser Stelle wird der Ersatzbau errichtet.

All diese Entwicklungen und Angebote im Haus am Glockengarten trugen dazu bei, dass diesem Haus ein guter Ruf vorauseilte und alle Bürger dieser Stadt diesen Namen mit Ehrfurcht aussprachen.

In den letzen Jahren findet man Beiträge dieser Qualität nicht mehr in den einschlägigen Medien, im Gegenteil.

Vielmehr erfährt man über die Tageszeitungen, dass fast der ganze Komplex abgerissen wird – zu teuer, zu ineffizient. Nur das Haus I darf bestehen bleiben, jedoch stark abgespeckt. Der große Versammlungssaal inklusive der Cafeteria wird dieser grundlegenden Änderung zum Opfer fallen, ebenso der wunderschöne Löwengang mit der Außenterrasse. Die Bäume sind schon gefällt – neunzehn insgesamt.

Am 19.01.2014 lud der SPD-Ortsverein Altenbochum die interessierten Bürger und Bürgerinnen zu einem Informationsabend ein, um die neuen Pläne für den Ersatzbau Glockengarten vorzustellen. Die heute vorliegenden Pläne beinhalten die gleichen Fakten, die wir damals schon anmahnten und welche auch am 5.03.2015 den eingeladenen Anwohnern vorgestellt wurden. Der neue Veranstaltungssaal wies denselben Grundriss bzw. Lage aus: Mehrzwecksaal mit Falttür, eine offene Cafeteria mit sechs Tischen, zzgl. Foyer. Das ist der neue, etwas kleinere Veranstaltungssaal für 190 Personen.

Die Planung sieht vor, ein neues Haus mit Zimmern von 14,98 qm und 1,50 m breiten Fluren, gemäß der DIN-Norm 18040, was dem Mindestmaß der gesetzlichen Vorgaben für Sozialbauten entspricht, anzubieten.

Besonders schmerzhaft ist jedoch der Wegfall des Sinnesgartens. Der Beirat hat auf diesem Wassergrundstück ( geologisches Gutachten liegt bei der Stadt ) das einzig Richtige getan: Nämlich mit dem Geld des Beirats einen Garten anzulegen, um für die pflegebedürftigen, behinderten sowie dementiell veränderten Menschen einen grünen Ruhepol zu schaffen. Hier werden professionell die fünf Sinne angeregt mit Farbe (Blumen), Riechen (Kräutern), Fühlen (Figuren), Hören (Nistkästen für Vögel). Leise Töne von Klangkörpern wehen aus den Büschen und Sträuchern im Sinnesgarten den Besuchern entgegen.

Der fünfte Sinn erhielt seine Herausforderung durch die Cafeteria und dem wunderbaren Kuchen, den unsere Frau Adolph für die Bewohner und Bewohnerinnen und deren Besucher buk.

Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, wie wichtig diese Sinnesgärten für Heimbewohner, ganz besonders für Menschen mit Demenz und Alzheimer sind und unser Beispiel ist über die Grenzen der Stadt Bochum bekannt ( und sogar kopiert! ) geworden.

Statt dessen wird ihnen ein viel kleinerer Garten zwischen den beiden Häusern angeboten, der den Namen „Sinnesgarten“ bestimmt nicht verdient. Allein schon wegen der Tatsache, dass die Hausfronten beider Häuser nur 20 Meter voneinander entfernt sind! Möglicherweise denkt man an die Anpflanzung von schattenverträglichen Pflanzen!

Alle Grünflächen rund um die Gebäude wurde von der Nachbarschaft auch gern als „Kleiner Stadtpark“ wahrgenommen.

Damit wird natürlich ein großes Areal frei, dass zum Verkauf steht, denn der Ententeich wird auch in dieses Grundstück einbezogen. Wir fragen uns nur, welche Familie mit Kindern sich diese teuren Grundstück leisten können? Bochum hat eine ständig zurückgehende Einwohnerzahl, jedoch die Bürger über 65 Jahren zählen heute schon 100.000, Tendenz steigend Oder sollen hier Investoren das Grundstück erwerben, um Renditeobjekte hinzustellen? Also ein Spekulationsobjekt? Schöne Aussichten!

Bei dieser Vorgehensweise fällt mir ein Staatsmann ein, der seinen tausend-Zimmer-Regierungssitz in ein Naturschutzgebiet bauen ließ – gegen den Protest seiner Bürger.

Richtig ist, dass das bisherige Konzept „Haus am Glockengarten“ überdacht werden musste, um z.B. energieeffizienter zu wirtschaften, personalpolitisch andere Weichen zu stellen. Es kann und darf nicht sein, dass die Bewohner und Bewohnerinnen heute für Dinge in Regress genommen werden, die absolut nicht in ihrem Verantwortungsbereich lagen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bochum: Ihre Stadt hat sich gemeinsam mit weiteren Städten um den Titel „ Grüne Hauptstadt Europas“ beworben. Sorgen Sie dafür, dass diese Stadt ihren Beitrag leistet, indem sie parkähnliche Gelände nicht zerstören und Bäume fällen lässt!

Helfen Sie mit, dass alte, kranke oder behinderte Menschen in dieser Stadt auch in einem Pflegeheim einen wertschätzenden und teilhaben lassenden Lebensabend verbringen dürfen. Sie haben es verdient! Lassen Sie nicht zu, dass kulturelle Einrichtungen mit Millionenbeträgen im Jahr unterstützt werden, man jedoch von einem Alten- und Pflegeheim Profitabilität erwartet.

Bochumerinnen und Bochumer – empört Euch!
Helft mit, dass das „Haus am Glockengarten“ wieder an seine Erfolge anknüpfen kann!"


Frau Dr. Margarete Streitlein-Habekost lässt grüßen!
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1 Kommentar
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Wolfgang Gross aus Wattenscheid | 30.04.2015 | 17:20  
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