Soll Bochum angesichts der Auflösung der Frauenfußballabteilung das städtische Sponsoring des VfL Bochum überdenken?

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Das Stadion des VfL (Foto: Wikipedia, Wo st 01)
Bochum: VfL Bochum 1848 Leichtathletik e.V. | Leider zeigt sich jetzt, der Aufbau einer Frauen- und Mädchenfußballabteilung beim VfL Bochum war wohl nicht viel mehr als eine unrühmliche PR-Aktion, um in den Genuss der Fördergelder anlässlich der Frauenfußball-WM zu kommen. Die Frauenfußball-WM ist Geschichte, das Stadion ist renoviert. Nun braucht der Verein die Frauen- und Mädchenfußballabteilung nicht mehr. Folgerichtig will der VfL diese nun aufgeben, um etwa 150.000 Euro bei den Damen einzusparen und stattdessen in die Profimannschaft zu stecken.

Nie hatte man den Eindruck, der Verein ist wirklich am Aufbau der Frauen- und Mädchenfußballabteilung interessiert. Zwar sind die Damen sehr erfolgreich, spielen wie die Profis in der 2. Bundesliga, doch wahrnehmbare Werbung hat der VfL für seine weiblichen Mannschaften nie gemacht. So finden die Spiele auf dem Leichtathletikplatz in der Regel nur vor wenigen Zuschauern statt.

Wirklich Herzblut hat der Verein in den weiblichen Nachwuchs leider nie gesteckt, den er vom T.U.S. Harpen 2010, rechtzeitig ein Jahr vor der Frauen-WM, übernommen hatte. Entsprechend gering ist die Identifikation des Vereins und der Stadt mit seiner Vorzeigefrauenmannschaft. Was sich auch jetzt wieder daran zeigt, wie man die Betroffenen über den Ausstieg informiert hat (RN vom 05.10.14).

Die Stadt ist wesentlicher Geldgeber des VfL

Die Stadt fördert den VfL über die städtischen Unternehmen mit Millionen. Stadtwerke, rewirpower, Gelsenwasser, Sparkasse, USB, VBW, Bochum Marketing und EGR, alle diese Unternehmen, die der Stadt ganz oder zu wesentlichen Teilen gehören, sponsern den VfL. Die Stadtwerke allein jedes Jahr mit aktuell 2,1 Mio.

Das Sponsoring ist ohnehin höchst umstritten. Das Geld, das in den VfL fließt, könnte ohne Frage auch an anderer Stelle in der Stadt mit 1,5 Mrd. Schulden sehr gut eingesetzt werden. Viele Bürger fragen sich, wäre es nicht z.B. besser Millionen in die Sanierung der maroden Schulen zu stecken als in den vagen Traum, dass die Profis des VfL irgendwann mal wieder erstklassig spielen könnten?

Was für einen VfL will die Stadt mit ihren Millionen fördern?

Wollen die Bürger Millionen in das Vorhaben investieren, dass der VfL irgendwann vielleicht wieder erstklassig wird? Da es in der Stadt praktisch keine potenten privaten Unternehmen gibt, die die Profimannschaft nachhaltig fördern könnten, ist der Erfolg eines solchen Projektes mehr als vage. Tatsächlich kann Bochum aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht (mehr) dauerhaft in der 1. Liga mitspielen. Dass die Stadt ein solches Vorhaben dauerhaft zu wesentlichen Teilen mitfinanziert, dürfte aufgrund der maroden eigenen Finanzlage ebenfalls ausgeschlossen sein.

Soll dazu noch diesem Vorhaben alles andere untergeordnet werden und alles allein auf den Erfolg der Profimannschaft ausgerichtet werden? Oder wollen die Bürger einen Verein, der an seinem bisherigen Leitbild festhält: „In Bochum, aus Bochum, für Bochum … Wir bekennen uns zu unserer sozialen Verantwortung! … Wir stehen in guten und in schlechten Phasen zueinander und treiben uns gegenseitig mit Herzblut immer aufs Neue an. Miteinander kämpfen wir immer mit vollem Einsatz, treten als verschworene Einheit auf und sind stets füreinander da. … Wir begeistern mit unserer vielschichtigen Vereinskultur Kinder und Jugendliche“. Steht man im Verein zu diesen Worten, wird man den Frauen und Mädchen, die in Mannschaften für Blau-Weiß spielen, nicht einfach den Stuhl vor die Tür setzen können, weil ihre Mannschaften wirtschaftlich nicht erfolgreich sind.

Der Verein steht am Scheideweg. Es wird klar, wenn man an dem Ziel, Aufstieg der Profis in die 1. Bundesliga festhalten will, dann müsste der ganze Verein ohne Rücksicht auf Verluste nach diesem Ziel ausgerichtet werden. Das bisherige Leitbild würde damit automatisch zur Makulatur. Dann wird man konsequenter Weise den Weg verfolgen müssen, den Redbull Leipzig gerade vorzeichnet.

Für die Politik der Stadt stellt sich die Frage, wollen die Bürger der Stadt diesen Weg mitgehen und unter diesen Umständen den VfL in der bisherigen Weise weiter unterstützen?

Wenn die Bürger das gar nicht wollen, für viele ein Aufstieg in die 1. Liga vielleicht gar kein lohnenswertes Ziel darstellt, dann ist das Sponsoring der Stadt grundlegend zu überdenken. Wollen insbesondere auch die Fans des VfL an dem bisherigen Leitbild des Vereins festhalten, an einem Verein, der „Toleranz, Fairplay, Solidarität und Gleichheit“ vorlebt, dann wird die Stadtpolitik als Reaktion auf die Ausgliederung der Frauen- und Mädchenmannschaften nicht darum herum kommen, das städtische Sponsoring mindestens empfindlich zu kürzen.

Denn bisher war es auch nach Meinung vieler Fans Konsens in der Stadt, dass mit den Mio. der städtischen Unternehmen nicht nur die Profimannschaft der Herren gefördert werden sollen, sondern auch der Nachwuchsbereich und auch die Mannschaften der Frauen und Mädchen. Entsprechend hat sich der Fanclub „Unser VfL“ in einem offenen Brief an den Vereinsvorstand schnell und eindeutig für einen Verbleib der Damen und Mädchen Stellung ausgesprochen.

Der VfL kann nicht einseitig das Geld der städtischen Sponsoren zweckentfremden, in dem er die Sponsorenmittel, die er dadurch spart, dass er den Frauen und Mädchen des VfL die Spielberechtigung für den Verein entzieht, einfach vollständig in die Profimannschaft umleitet.

Was geschieht nun?

Die Angelegenheit wirft ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Frage: Mit wie viel Geld kann die Stadt angesichts der stetig weiter sich verschlechternden Haushaltslage überhaupt noch den VfL sponsern?

Letztlich müssen die Bürger immer neu entscheiden, für welche Dinge die Stadt Geld bereitstellen soll und was ihnen wichtig ist. Das kann weiter der VfL sein, muss es aber nicht. Der jetzige Plan, den Frauen und Mädchenfußball den Profi- und Aufstiegsinteressen zu opfern, wird die Identifikation mit dem Verein nicht fördern, sondern wohl leider ganz das Gegenteil bewirken.

Ratsherr Lothar Gräfingholt (CDU) hat sich klar positioniert: „So nicht VfL Vorstand.
Die Sponsoren aus der städtischen Konzernfamilie werden sich die Frage gefallen lassen müssen, ob man und wenn ja wie man weiteres Sponsoring für diesen Verein rechtfertigen kann.“ (WAZ vom 05.10.14, Kommentar #61)

Auch für die STADTGESTALTER gehört das städtische Sponsoring des VfL auf den Prüfstand. Die Bürger müssen entscheiden, in welcher Höhe das Engagement angesichts der maroden städtischen Finanzen noch vertretbar ist. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, dass der Rat der Stadt in einer überparteilichen Petition den Vorstand des VfL auffordert, seine Entscheidung zur Aufgabe der Frauen- und Mädchenabteilung zu überdenken und klar zum Ausdruck bringt, dass das Engagement des VfL in diesem Bereich eine Grundvoraussetzung für das Sponsoring durch städtische Unternehmen ist.

Wer die Frauen- und Mädchenabteilung des VfL unterstützen will, kann am 19.10., 11 Uhr zum Spiel der 1. Mannschaft gegen den VfL Wolfsburg II kommen: https://www.facebook.com/events/360973540733961/?ref=2

Ebenfalls kann man eine Petition unterzeichnen, dass die Frauen und Mädchenabteilung im VfL erhalten bleibt:
https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-der-frauen-und-maedchenabteilung-beim-vfl-bochum

Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos
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Sebastian Greiswald aus Bochum | 08.10.2014 | 19:39  
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