Soziale Liste: Opel-Bochum wurde auf dem Altar der kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse geopfert

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In einer Erklärung nimmt Günter Gleising, Ratsmitglied der Sozialen Liste, zur heutigen Beendigung der Autoproduktion und Schließung von Opel-Bochum tellung.
Heute ist in Bochum die Geschichte von 52 Jahren Automobilproduktion zu Ende gegangen. 13 Millionen Autos wurden im Herzen des Reviers produziert, darunter der legendäre Kadatt, der Askona und der Manta. Bis zu 18.000 Menschen aus Bochum und den umliegenden Städten und Gemeinden fanden hier Arbeit. Von der Opel-Belegschaft gingen große Kampfmaßnahmen aus, wurden legendäre Streiks (u. a. 1969/70, 1973, 2000, 2004) geführt. Die Auswirkungen der Schließung der Opel Werke hat für die Region nicht nur gravierende wirtschaftliche und soziale Folgen, auch die Arbeiterbewegung wird geschwächt. Die Impulse aus Bochum werden in der IG Metall und den anderen Gewerkschaften fehlen.

Es ist wichtig an diesem Tag hervorzuheben, dass die Belegschaft keine Schuld und Verantwortung für die Schließung trägt. Im Gegenteil wurden in den Bochumer Werkshallen stets gute Autos gebaut. Eine Perspektive für zukunftsorientierte Produkte wurde Bochum nicht gegeben. Opel-Bochum wurde auf dem Altar der kapitalistischen Wirtschaftsverhältnisse und der Anerkennung des US-amerikanischen Vormachtstrebens geopfert. Die Zeche für die Konzerninteressen des US-amerikanischen Mutterkonzern General Motors und dessen machtpolitischen Ambitionen sollen die Menschen im Ruhrgebiet zahlen.
Hinzu kommt, dass die widerständige Bochumer Belegschaft den Konzernherrn in Detroit seit vielen Jahren ein Dorn im Auge war. Seit dem Streik im Jahr 2000 gegen die Allianz mit FIAT und die Ausgliederung von Betriebsteilen verstärkten sich die Signale, das Detroit die kämpferische Bochumer Belegschaft loswerden will. Mit dem Streik 2004 wurden die GM-Pläne durchkreuzt, aber, wie sich später zeigte, nur
verzögert.

Der Kampf der Bochumer Opel-Belegschaft gegen die Betriebsschließung blieb isoliert. Es gelang nicht, das gegeneinander ausspielen der einzelnen Belegschaften des GM-Opel-Konzerns zu verhindern. Der große Streik von 2004 in Bochum hätte zu einem Signal für den Kampf zum Erhalt von Arbeitsplätzen und für Arbeitszeitverkürzung werden können. Stattdessen setzte sich bei vielen Gewerkschaftsfunktionären, Betriebsräten und Beschäftigten das Kirchturmdenken durch.

Während in Bochum das sogenannte Sanierungskonzept des GM-Konzerns für den Opel-Konzern, das „Mastervertrags Drive! 2022“ abgelehnt wurde, stimmten IG-Metall und die Opel-Betriebsbelegschaften in Rüsselsheim und den anderen Werken zu. Die Proteste und Kampfaktionen gegen den GM/Opel-Beschluss, die Zafira-Produktion von Bochum ins Opel-Stammwerk nach Rüsselsheim zu verlagern, blieben auf Bochum beschränkt. Es blieb bei symbolischen Solidaritätsgesten.

Zuzustimmen ist den Stimmen, die darauf hinweisen, dass auch das Konzept der IG-Metall-Spitze gescheitert ist, das daraus besteht „Standort und Arbeitsplätze mit Hilfe von Zugeständnissen zu erhalten. Das hat nicht funktioniert. Von hierzulande 57.000 Beschäftigten Anfang der 1990er Jahre sind 19.000 im Opel-Konzern übrig geblieben".

Die Folgen der Werksschließung in Bochum sind für die Stadt und ihre Menschen bedrohlich. Bochum hat in den letzten 10 Jahren über 10 000 Vollzeitstellen verloren, der Anteil von prekär Beschäftigten nimmt drastisch zu. Die Auswirkungen der Opel-Schließung auf andere Betriebe (z. B. Johnson-Controls) verschärft diese Krise zusätzlich. Bochum wird weiter verarmen. Jede (r) fünfte in der Stadt gilt als arm. Die
„Pro-Kopf-Verschuldung“ der Stadt Bochum ist von 2136 Euro im Jahr 2003 auf über 4000 Euro pro Einwohner gestiegen. Hinzu kommt, dass die Höhe der gezahlten Löhne im Durchschnitt heute schon geringer ist als im Umfeld.

„Signale“ und Optimismus werden von Politikern und Regierenden verbreitet. Doch das Versprechen auf den Opel-Flächen „industriellen Arbeitsplätzen aller Qualifikationsstufen“ zu schaffen wurde schon nach wenigen Wochen gebrochen. Stattdessen wurden Förderanträge gestellt, um das Logistik-Unternehmen DHL im Bereich von Werk I in Laer anzusiedeln. Da es Begehrlichkeiten von weiteren Logistikunternehmen
gibt, ist von den früheren Plänen kaum noch die Rede. Mit hohen öffentlichen Subventionen sollen stattdessen große Hallen, lange Transportbänder, viel Lastwagenverkehr und wenig Arbeitsplätze geschaffen werden. Dass nach der millionenschweren Subventionierung der Ansiedlung von Opel in Bochum vor 50 Jahren nun auch der Abgang des Unternehmens hoch subventioniert werden soll, ist bezeichnend für die gesellschaftlichen Verhältnisse in unserem Land.

Der Kampf und die Entwicklung bei Opel wirft auch große Fragen der zukünftigen Gewerkschaftsarbeit, der betrieblichen Interessenvertretung, der Auseinandersetzung mit Großkonzernen und der Verbindung von betrieblichen mit gesellschaftlichen Kämpfen auf. Hierzu ist auch die Frage von großer Bedeutung, welches Umfeld, welche gesellschaftlichen Bedingungen sind notwendig, um erfolgreiche Kämpfe zu führen. Dies zu diskutieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, ist eine Herausforderung für die Arbeiterbewegung.
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Volker Dau aus Bochum | 06.12.2014 | 01:17  
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