Stadtumbau: Bürger in Laer haben ihre Zukunft selbst in der Hand

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Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Ev. Gemeindehaus beim ersten Bürgerforum zur Zukunft Laers. Fotos (2): Vesper
 
Stadtbaurat Markus Bradtke (l.) erläuterte das ISEK-Konzept und das Gebiet, das vom Stadtumbau profitieren soll.

Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) kann 20 Mio. Euro für Stadtteilumbau bringen



"Wenn Sie sich nicht einbringen, kann dieses Konzept nicht funktionieren." Beim ersten Bürgerforum zur Stadterneuerung Laer im Gemeindehaus an der Grimmestraße machte Stadtbaurat Markus Bradtke unmissverständlich deutlich, dass die Laerschen ihre Zukunft selbst in der Hand haben. Grundlage für den Stadtumbau, der die negative Entwicklung des Stadtteils in den letzten Jahren umkehren soll, ist Bürgerbeteiligung: "Sie wissen am besten, was hier fehlt und was Sie brauchen."

Der Stadtumbau als Chance für den Stadtteil: Was in der Hustadt und im Westend funktioniert hat, soll nun auch Laer positiv verändern. Die Stadt wird für Laer ein "Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept" (ISEK) auf den Weg bringen - und zwar schon ziemlich rasch: Bis zum Spätsommer 2017 muss es stehen, um die nötigen Fördergelder beim Land zu beantragen. Rund 20 Mio. Euro - 80 Prozent davon vom Land gefördert - können in den nächs-ten Jahren in die Entwicklung des Stadtteils fließen. Die Chancen dafür stehen gut - schließlich hat das Land selbst die Kommune dazu ermutigt, ein ISEK für den Stadtteil auf die Beine zu stellen. Eines der Hauptziele des Projektes: Die bessere und engere Verzahnung des Stadtteils mit dem ehemaligen Opel-Gelände, der Projektfläche "Mark 51/7", eine Stärkung des Nahversorgungszentrums und eine Aufwertung des Stadtteils durch die Neustrukturierung von Grün- und Freiräumen.
So viel ist klar: Die Neuansiedlungen - vor allem von Universität und DHL - auf dem Opel-Gelände auf der einen Seite und der massive Bau von bis zu 1.000 neuen Wohnungen durch das "Ostpark"-Projekt auf der anderen Seite werden den Stadtteil nachhaltig verändern. Zwischen diesen beiden Großprojekten eingebettet liegt das "alte" Laer. Groß war daher der Andrang interessierter Bürger, die wissen wollten, wie es mit "ihrem" Stadtteil weitergehen soll, beim ersten Bürgerforum.

Keine Förderung von Einzelprojekten

Im nächsten halben Jahr sollen Ideen gesammelt werden, sollen Vorbereitungen und Planungen laufen, damit das ISEK im September 2017 steht und 2018 erste konkrete Maßnahmen starten können. "Bei einem ISEK geht es nicht darum, einzelne Maßnahmen zu fördern", erläuterte Bradtke. Vielmehr handele es sich um einen integrierten Ansatz, der strategische Entwicklungsziele für die nächsten 15 Jahre festlege. Als Projektpartner mit ins Boot geholt hat sich die Stadt die "steg - Stadterneuerungs- und Entwicklungsgesellschaft NRW" aus Dortmund, die das Projekt betreuen soll. "Stadtentwicklung ist ein Dauerprozess", machte Frank Schulz, verantwortlicher Raum- und Stadtplaner bei der "steg", den Interessierten deutlich. "Man muss seine Stadt immer wieder neu erfinden." Und daran sollen die Bürger mitwirken: Bürgerbeteiligung ist für ein ISEK explizit vorgeschrieben.
Deshalb waren an diesem Abend die Laerschen gefragt: Auf einer Karte im Foyer des Gemeindehauses sollten sie mit roten und grünen Punkten die Bereiche im Stadtteil markieren, die sie positiv sehen und an denen sie sich gerne aufhalten - und jene, die sie eher kritisch bewerten, die "Unorte". Schnell wurde deutlich: Die "Problemzonen" des Stadtteils liegen weniger in den innen liegenden Wohngebieten als vielmehr entlang der Alten Wittener Straße, an der Unterführung Schattbachstraße, aber auch rund um den Lahari-Platz, in der Gorch-Fock-Siedlung und an der Dannenbaumstraße.

Probleme erkennen - Wünsche formulieren

An Stellwänden wurden zu vier Themenfeldern Anregungen, Wünsche und Kritikpunkte der Laerschen Bürger gesammelt und anschließend dem Plenum vorgestellt: "Verkehr/Mobilität/Stadtgestalt", "Wohnen", "Zusammenleben", "Einzelhandel, Wirtschaft".
Im Bereich "Verkehr" sind es vor allem der Autoverkehr auf der Wittener Straße, die dortige Bogestra-Haltestelle, die nur über eine marode Brücke erreichbar ist, sowie der Verkehr auf der Laerfeldstraße und ihre Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, die als Probleme festgehalten wurden. Deutlich wurde im Bereich "Zusammenleben", dass im Stadtteil ein zentraler Treffpunkt fehlt, der Anlaufpunkt für verschiedene Gruppen und Initiativen sein kann. "Sie haben hier ein reges Miteinander im Stadtteil, aber keinen zentralen Ort, wo dieses stattfinden kann", stellte auch Stadtbaurat Bradtke fest - und mit Blick auf den Veranstaltungsort: "Das Gemeindehaus ist zwar gut, aber auch sowas würde man heute ganz anders bauen."
Relativ wenige Probleme wurden im Handlungsfeld "Wohnen" aufgezeigt - obwohl die Bausubstanz des Stadtteils den Experten als veraltet gilt. Vermisst werden in erster Linie Möglichkeiten und Räume für neue Wohnformen wie etwa Mehrgenerationenhäuser oder Wohnprojekte, kritisch gesehen wird vor allem die Belastung durch Verkehrslärm von der Wittener Straße.
Offensichtlich dagegen die Mängel im Bereich "Wirtschaft": Die ortsnahe Lebensmittelversorgung ist schwierig, auch Fachärzte fehlen, Gleiches gilt für Cafés.
Das Bürgerforum markierte den Anfang - Ideen, die an diesem Abend gesammelt wurden, sollen in die weitere Planung einfließen -, das nächste Treffen soll im Februar stattfinden.
"Von den 20 Mio. Euro soll auch etwas im Stadtteil sichtbar werden, das Geld soll nicht auf dem Opel-Gelände verschwinden, das nehme ich von diesem Abend mit", so das Fazit von Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche nach zwei Stunden engagierter Diskussion.

INFOS:
- Unter www.bochum.de/stadterneuerung-laer hat die Stadt gebündelt alle Informationen rund um den Stadterneuerungsprozess zusammengetragen.
- In Kürze soll hier auch eine Zusammenfassung der Ergebnisse des ersten Bürgerforums zu finden sein.
- Weitere Informationen gibt es bei Melanie Just vom Stadtplanungsamt unter Tel.: 910-2632.
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