Steag schließt Kraftwerksblöcke - viele Arbeitsplätze fallen weg - Stadtwerke erleiden Einnahmeverlust

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Am Standort Herne soll zunächst der jüngste Block noch über den 30. Juni 2017 hinaus betrieben werden. Foto: Helmut Zabel
 
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Alle Blöcke am Standort Voerde werden bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet. Foto: Dave Brinkmann

Schon im Spätsommer verdichteten sich die Anzeichen, dass der Kohleverstromer Steag aufgrund der niedrigen Börsenstrompreise tiefe Einschnitte bei seinen Kraftwerken vornehmen werde. Am Mittwoch wurden die Vorhaben auf den Tisch gelegt. Der Energieversorger wird Kraftwerksblöcke an vier Standorten bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung anmelden. Betroffen sind Herne und Voerde im Ruhrgebiet sowie Weiher und Bexbach im Saarland.

Am Mittwochmittag erfuhren die Mitarbeiter des Kraftwerks in Herne im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung, welche Maßnahmen der Konzern konkret an ihrem Standort zu ergreifen gedenkt. Aktuell sind dort noch zwei Blöcke am Netz, zum 30. Juni 2017 soll der ältere abgeschaltet werden. Noch härter trifft es den Standort Voerde. Dort sind alle verbliebenen Blöcke zur Stilllegung vorgesehen.

Maßnahme wird mehrere hundert Arbeitsplätze fordern


Diese Maßnahme wird mehrere hundert Arbeitsplätze fordern. Die Steag hatte im September ein Spar- und Zukunftsprogramm namens "Steag 2022" vorgestellt, das den Abbau von 800 bis 1000 Stellen und unter anderem mehr Investitionen in erneuerbare Energien vorsieht. Es gebe bereits einen Sozialplan mit dem Ziel eines sozialverträglichen Abbaus ohne betriebsbedingte Kündigungen, sagt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Ralf Melis.

Energieerzeugung ohne fossile Brennstoffe


Erneuerbare Energien und vor allem Dienstleistungen rund um das Thema Energieversorgung sind aus Sicht des SPD-Vorsitzenden im Bochumer Rat, Dr. Peter Reinirkens, für die Zukunft der Steag GmbH von großer Bedeutung. "Die Steag hat sich auf den Weg gemacht und verbreitert ihre Kompetenzen und Angebote. Wenn jetzt wie in Herne und Voerde Kohlekraftwerke stillgelegt werden müssen, dann muss das sozialverträglich geschehen", hebt Reinirkens hervor. Deshalb sei es positiv, dass die Steag einen Sozialplan angekündigt hat und zudem ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen will, so Reinirkens weiter. "Sicher ist, dass die Energieerzeugung schon aus Gründen des Klimaschutzes über kurz oder lang ohne fossile Brennstoffe auskommen muss und kann, und die Steag ein Teil dieses Prozesses sein wird", fasst Reinirkens seine Erwartungen an den Konzern zusammen.

Stadtwerke Bochum halten 18 Prozent an der Steag


2015 hatte das Unternehmen, das einer Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG), dem Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr, gehört, noch mit knapp 6.000 Mitarbeitern rund 3,6 Milliarden Euro Umsatz und fast 400 Millionen Euro betrieblichen Gewinn erwirtschaftet. Abgeschaltet werden sollen nun rund 2.500 Megawatt Steinkohle-Kapazität. Das Stadtwerke-Konsortium besteht aus den Stadtwerken Duisburg (19 Prozent), der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, den Dortmunder Stadtwerken, den Stadtwerken Bochum (jeweils 18 Prozent), den Stadtwerken Essen (15 Prozent) sowie der Energieversorgung Oberhausen und den Stadtwerken Dinslaken (jeweils sechs Prozent).

Ausschüttungen gehen dramatisch zurück


Die Stadtwerke Bochum haben über die KSBG in den Jahren 2015 und 2016 Ausschüttungen in Höhe von 5,6 Millionen Euro erhalten. Im Jahr 2017 erwartet man in Bochum nur noch eine Ausschüttung in Höhe von 2,8 Millionen Euro. Für die Folgejahre rechnet das Haus mit weiter reduzierten oder sogar gänzlich ausbleibenden Ausschüttungen an die beteiligten Stadtwerke.
Die Stadtwerke Bochum haben für ihren Anteil an der Steag einst insgesamt 65 Millionen Euro Eigenkapital aufgebracht. Auf Anfrage erklärte Unternehmenssprecher Kai Krischnak: "Wir gehen davon aus, dass die Ausschüttungen der Steag an die KSBG in den kommenden Jahren ausreichen werden, um die Kreditverpflichtungen der KSBG im Zusammenhang mit dem Erwerb der Steag zu erfüllen."
Wie alle Unternehmen der Energiebranche leide die Steag unter den aktuellen Verwerfungen des Energiemarktes. Krischnak: "Wir betrachten die Strategie `Steag 2022´ und die darin enthaltenen Maßnahmen - zum Beispiel zur Stilllegung einzelner Kraftwerksblöcke - als bedauerlichen, aber notwendigen Schritt, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steag zu erhalten. Nur auf diese Weise können Freiräume für Investitionen in potentielle Geschäftsfelder geschaffen und die Ertragskraft des Konzerns gestärkt werden." (n-tv, dpa, keite)
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6 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 03.11.2016 | 19:18  
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Josef Dransfeld aus Duisburg | 04.11.2016 | 05:53  
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Bernfried Obst aus Herne | 04.11.2016 | 18:28  
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Dr. Volker Steude aus Bochum | 04.11.2016 | 22:22  
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Oliver Borgwardt aus Haltern | 08.11.2016 | 10:10  
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